Eberhard Schrader
deutscher Alttestamentler und Altorientalist, der die Assyriologie in Deutschland begründete
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Eberhard Konrad Schrader (* 7. Januar 1836 in Braunschweig; † 4. Juli 1908 in Berlin) war ein deutscher evangelischer Theologe und Altorientalist. Er lehrte als Professor für Altes Testament an den Universitäten Gießen (1870–73) und Jena (1873–75), dann als Professor der semitischen Sprachen an der Universität Berlin. Schrader begründete die Assyriologie in Deutschland.

Leben
Der Sohn eines Kaufmanns wurde bereits als Schüler am Braunschweiger Collegium Carolinum durch Victor Friedrich Leberecht Petri in das Arabische eingeführt. Ab 1856 studierte er Theologie und semitische Sprachen an der Universität Göttingen, sein prägendster akademischer Lehrer war Heinrich von Ewald. In seinem ersten Studienjahr wurde Schrader Mitglied der Progreß-Burschenschaft Hercynia Göttingen wurde.[1] Mit einer Arbeit über die äthiopische Sprache im Vergleich zu verwandten Sprachen wurde er 1860 in Göttingen zum Dr. phil. promoviert.
An der Universität Zürich wurde Schrader 1862 zum Privatdozenten ernannt und im Jahr darauf als Nachfolger des Alttestamentlers Ferdinand Hitzig zum ordentlichen Professor der Theologie berufen. In Zürich schloss er 1870 seine zweite Promotion zum Doktor der Theologie ab. Im selben Jahr folgte er den Ruf auf den alttestamentlichen Lehrstuhl an der Universität Gießen an, wo er die Nachfolge August Dillmanns antrat. 1873 wechselte er nach Jena. Dort war Friedrich Delitzsch sein Student, den Schrader in die Assyriologie einführte.
1875 wurde er dann als ordentlicher Professor für semitische Sprachen an die Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin berufen. Im gleichen Jahr wurde er als ordentliches Mitglied in die Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen.[2] Im Dezember 1874 wurde er Mitglied der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften.[3] Einer seiner Schüler war Lazarus Goldschmidt.
Eberhard Schrader starb 1908 im Alter von 72 Jahren in Berlin und wurde auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Schöneberg beigesetzt. Im Zuge der von den Nationalsozialisten 1938/1939 durchgeführten Einebnungen auf dem Friedhof wurden Schraders sterbliche Überreste auf den Südwestkirchhof Stahnsdorf bei Berlin umgebettet. Sein dortiges Grabmal ist erhalten geblieben.[4]
Schriften
- Studien zur Kritik und Erklärung der biblischen Urgeschichte (1863)
- 8. Edition von De Wettes Einleitung in das Alte Testament (1869)
- Die assyrisch-babylonischen Keilinschriften (1872)
- Die Keilinschriften und das Alte Testament (1872; 3. Ausgabe von Zimmern und Winckler, 1901–1902)
- Keilinschriften und Geschichtsforschung (1878) online
- Die Höllenfahrt der Istar (text, trans., notes; Ricker, Gießen, 1874) (online)
- Die Namen der Meere in den assyrischen Inschriften, Berlin 1878 (online)
- Zur Frage nach dem Ursprung der altbabylonischen Kultur (1884)
- Keilinschriftliche Bibliothek (1877), mit anderen Gelehrten.
Literatur
- Eduard Meyer: Gedächtnisrede auf Eberhard Schrader, Berlin 1909
- Carl Bezold: Nachruf, In: Zeitschrift für Assyriologie und verwandte Gebiete, Band 22 (1909) ULB Halle
Weblinks
- Literatur von und über Eberhard Schrader im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Biblical Assyria and Other Anxieties in the British Empire ( vom 28. Oktober 2011 im Internet Archive) In: Journal of Religion and Society The Kripke Center, Band 3, 2001, ISSN 1522-5658
- Manfred Krebernik: Schrader, Eberhard Konrad. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 23. Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-11204-3, S. 506–508 (deutsche-biographie.de).
- Übersicht der Lehrveranstaltungen von Eberhard Schrader an der Universität Zürich (Wintersemester 1862 bis Wintersemester 1869)
- Schrader, Eberhard. Hessische Biografie. (Stand: 12. September 2023). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).