Edith Hacon
schottisch-britische Suffragette, Socialite und Künstlermodell
From Wikipedia, the free encyclopedia
Edith Hacon, auch Rhyllis Llewellyn Hacon, nach eigenen Angaben geborene Edith Catherine Mary Dolores Broadbent, später verheiratete Robichaud (* 1875; † 25. August 1952 in Glasgow), war eine schottisch-britische Suffragette, eine Socialite und ein Künstlermodell.

Sie war Vizepräsidentin der Dornoch-Zweiges der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS) und Präsidentin der Women’s Liberal Association. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete sie drei Jahre lang ehrenamtlich für die Scottish Women’s Hospitals in Frankreich und wurde mit der Military Health Service honour medal, der British War Medal und der Victory Medal ausgezeichnet. Später spielte sie eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung der The Girl Guides Association (Pfadfinderinnen) als eine der ersten Leiterinnen in Dornoch in den 1930er Jahren.[1]
Leben
In den Registereinträgen zu ihren beiden Heiraten gab Hacon an, dass sie 1875 als Tochter von John Broadbent and Margaret Broadbent, geborene Rayment, geboren sei. Die Eltern seien gestorben als sie eine junge Frau war. Allerdings konnten keinerlei Urkunden zu den Eltern oder ihre Geburtsurkunde jemals gefunden werden und über ihre Jugend ist nichts bekannt.[1][2][3]
Hacon wurde in ihren 20ern zu einer bekannten Socialite der Londoner Gesellschaft, als sie als Model für Selwyn Image, Charles Haslewood Shannon und andere Künstler arbeitete und den Künstlernamen „Amaryllis“ verwendete.[2] Shannons Porträt The Lady with the Green Fan (Portrait of Mrs Hacon)[4] könnte dasjenige sein, das in einem Gedicht von William Butler Yeats, The Municipal Gallery Revisited, erwähnt wird, in dem er sie als „schön und sanft auf ihre venezianische Art“ bezeichnet.[5] Zu ihrem Freundeskreis gehörten Oscar Wilde, Aubrey Beardsley, Selwyn Image, Herbert Horne und internationale Besucher wie Paul Verlaine.[6]
Hacon wurde in Gedichten von Arthur Symons auch „Muriel“ genannt, zum Beispiel in To Muriel: At the Opera vom 14. November 1892 aus der Gedichtsammlung London Nights.[6] Symons schrieb unter dem Titel The Life of Lucy Newcome Hacons fiktive Lebensgeschichte, Auszüge davon wurden in The Savoy veröffentlicht. Die fiktive „Lucy Newcome“ wuchs in einem wohlhabenden Elternhaus auf, lebte aber nach dem Tod ihrer Eltern bei einer Tante und einem Onkel. Sie wurde von ihrem älteren Cousin missbraucht und wegen einer Schwangerschaft aus dem Haus geworfen. Das Baby starb später. Es ist unklar, wie weit diese fiktive Erzählung Hacons Erfahrungen in ihrer frühen Kindheit widerspiegelt.[7]

Edith heiratete den Anwalt, Kunstsammler und Investor der Vale Press William Llewellyn Hacon[8] und nannte sich ab da „Rhyllis Llewellyn Hacon“ bekannt. Zu dieser Zeit konvertierte sie zum römisch-katholischen Glauben.[2] Aufgrund des Interesses ihres Mannes am Golfsport baute das Paar ein Haus in Dornoch, Sutherland, namens Oversteps, ein Haus im Arts-and-Crafts-Stil.[9] Das Haus wurde zu einem gesellschaftlichen Sammelpunkt.[7] Charles Conder kam nach Dornoch und malte 1896 On the Shore at Dornoch mit Hacon als Modell.[10] Charles Haslewood Shannon malte The Lady with the Green Fan ebenfalls in Dornoch. Premierminister H. H. Asquith residierte 1912 während seines jährlichen Urlaubs in Schottland in Oversteps.[11] Die Llewellyn Hacons hatten ein weiteres Haus in Dieppe, wo sie den Künstler Henri de Toulouse-Lautrec beherbergten.[7]
Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1910, Hacon warr erst 36 Jahre alt, engagierte sie sich 1912 bis 1913 auf den Shetlandinseln für wohltätige Zwecke und unterstützte mit der katholischen Kirche junge Saisonarbeiterinnen aus Irland, die zum Ausnehmen der Fische beschäftigt wurden.[7] Dazu gehörte auch das Mitreisen mit der Fischereiflotte und der Bau eines Erholungsheims namens The White Rest.[2] Hacon half auch bei der Finanzierung des Baus der katholischen Kirche in Lerwick, und auf dem dortigen Messingtabernakel steht die Inschrift „In Memory of Llewellyn Hacon“.[2]
1912 war Hacon Präsidentin der Women’s Liberal Association in Dornoch,[12] die eine Tournee von führenden Vertreterinnen schottischer Frauenorganisationen veranstaltete, um lokale Unterstützung für die Frauenwahlrechtsbewegung zu befördern.
Dornoch erregte auch die Aufmerksamkeit der militanten Women’s Social and Political Union (WSPU), da der Royal Dornoch Golf Club Ziel von Premierminister H. H. Asquith bei seinen Golfurlauben 1912,[13] und wahrscheinlich auch 1913,[14] in Oversteps. 1912 griffen die Suffragetten Lilias Mitchell und Elsie Howey Asquith und Innenminister Reginald McKenna auf dem Platz an. Im folgenden Jahr näherte sich eine lokale Suffragette, eine Miss Gibson, dem Premierminister erneut auf dem Golfplatz und schlug ihm den Hut vom Kopf.[15] Ein direkter Kontakt von Hacon zu den WSPU-Aktionen ist nicht dokumentiert.
1914 wurde Hacon Vizepräsidentin des Dornoch-Zweiges der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS). Der Zweig war über 60 Mitglieder stark und wurde regelmäßig von Sprecherinnen der Landesebene besucht.[9] Hacon konnte berichten, dass die Hälfte der Wähler ihre Petition zur Unterstützung des Frauenwahlrechts unterzeichnet hatte, während sie im selben Jahr bei den Nachwahlen im Wahlkreis Wick Burghs Wahlkampf machte.[16] Ihre Freundin Margaret Davidson, eine Lehrerin, war die erste Sekretärin der Zweigstelle und lebte vor dem Ersten Weltkrieg mit Hacon in Oversteps.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete sich Hacon zusammen mit Davidson freiwillig für eine Stelle bei den Scottish Women's Hospitals von Elsie Inglis und kam ins Kriegslazarett im Kloster Royaumont.[17] Sie begann als Krankenschwester, wurde aber bald zur Haushälterin und zur Leiterin des Hausdienstes.[18] Hacon beaufsichtigte die Küche und die Näharbeiten, fertigte und reparierte Uniformen[19] und organisierte Hockeyspiele und Teepartys, um die Moral aufrechtzuerhalten. Außerdem nähte sie eine Stoffpuppe für einen der verwundeten Soldaten.[20] Hacon diente drei Jahre lang und wurde mit der Military Health Service honour medal der französischen Regierung[21][22] sowie der British War Medal und der Victory Medal ausgezeichnet.[18] Als Katholikin wurde Hacon anders als Davidson aber nicht auf der Ehrentafel des Ersten Weltkriegs im Eingangsbereich der Kathedrale von Dornoch verzeichnet.[23]

1918 heiratete Hacon den kanadischen Förster Private William Robichaud vom Canadian Forestry Corps in Royaumont;[7] er wurde später Holzhändler.[3] Ihre Freundin Margaret Davidson war Trauzeugin bei ihrer Hochzeit. Das Ehepaar Robichaud adoptierte später zwei Kinder.[7]
Hacon und Davidson engagierten sich weiter. Überliefert ist ihre Teilnahme an einem historischen Festumzug in Dornoch 1928. Die Veranstaltung erinnerte an die Verleihung der königlichen Stadtrechte an Dornoch durch Karl I. im Jahr 1628.[24] Beide Frauen wurden 1931 Gruppenleiterinnen der Pfadfinderschaft der Girl Guides und spielten eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Bewegung in Sutherland.[25]
Hacon starb am 1952 in Glasgow und wurde jedoch neben ihrem ersten Ehemann William Llewellyn Hacon in Dornoch beigesetzt.[3][2]