Eduard Reich

österreichischer Mediziner und Hygieniker From Wikipedia, the free encyclopedia

Eduard Maria Anton Johann Reich (* 6. März 1836 in Sternberg, Bezirk Sternberg, Markgrafschaft Mähren; † 1. Februar 1919 in Muiderberg, Niederlande) war ein österreichischer Mediziner und Hygieniker.

Eduard Reich inkl. Unterschrift

Leben

Eduard Reich besuchte nach dem Umzug der Familie nach Olmütz und dem Besuch der Trivial- und der Normal-Schule und des k. k. akademischen Gymnasiums zunächst die Stabsschule eines Artillerie-Regiments, studierte dann 10 Semester Natur- und Heilkunde in Brünn, Olmütz und Jena und promovierte 1857 zum Doktor der Medizin und Chirurgie. Er wirkte anschließend in Marburg, versuchte 1858 das Thema Hygiene als eigene akademische Disziplin zu etablieren, wechselte nach Göttingen und dann in die Schweiz nach Bern und erhielt vom Direktor der Erziehung des Kantons Bern am 21. Mai 1860 die Venia docendi für die gesamte Hygiene. Neben seinem Fach hielt er in der Folge auch Vorlesungen über Geschichte und Enzyklopädie der Medizin und über Toxikologie.

Ab September 1861 war er in Gotha sesshaft und später bis 1873 Bibliothekar der herzoglichen Bibliothek in Coburg, war jedoch meist bei halbem Gehalt beurlaubt, um verschiedene große und kleine Reisen ins Ausland, in Deutschland und auch in seine Heimat Mähren zu unternehmen. Er beklagte, dass die Gelehrten sich auffallend wenig um die wertvolle Bibliothek kümmerten und sah die Ursache im „Übermaß und Unwesen des gegenseitigen Besuchens“ und im „mit wahrhaftiger Todesverachtung betriebenen Bier-Kultus“. Er selbst hielt sich an die „Grundsätze der strengsten Hygieine, lebte in Armut, Keuschheit und im Dienste der Wissenschaft“, war Vegetarier, badete täglich zweimal in kaltem Wasser und wich jeglichen Äußerlichkeiten stets aus.

Er lebte danach in Kiel, Würzburg, Erlangen und auf Schloss Banz bei Coburg, war den Winter 1871 mit Familie in der Herrnhuter-Gemeinde Dietendorf und siedelte im Sommer 1872 nach Sondershausen, von wo die Familie im Herbst 1872 nach Rostock übersiedelte.

Eduard Reich (unten rechts) im Darwin-Album von 1877 (Blatt 10 – Berlin II)

Reich bekannte sich in dieser Zeit offen zum Darwinismus und beteiligte sich am Ehrengeschenk der deutschen Anhänger zu Darwins 69. Geburtstag, einem vom Rechnungsrat und Naturforscher Emil Rade (1832–1931) initiierten, von Ernst Haeckel geförderten und im Wesentlichen von Arthur Fitger mit insgesamt 21 Blättern gestalteten mit Silber-(und Gold-)beschlägen reich verzierten 50 cm hohen und 43 cm breiten Album (Darwin-Album von 1877),[1] in dem ab Blatt 3 zahlreiche Fotografien seiner Anhänger in je ein bis zehn passepartoutartig geschnittenen Feldern eingefügt sind. Als Dr. Eduard Reich zu Rostock wurde er auf Blatt 10 (Berlin II) in diesem Album, das Darwin im Februar 1877 überreicht wurde, aufgenommen.[2]

Weitere bekannte Aufenthaltsorte sind später 1891 Blankenese, 1892 Biebrich am Rhein, 1893 Scheveningen (Niederlande) und von 1902 bis 1914 in Belgien die Städte Ostende (1902), Nieuport-Bains (1903) und La Panne (1909). Anfang September 1914, als Ausländer zum Verlassen Belgiens gezwungen, flüchtete er unter Zurücklassung seines ganzen Besitzes, einschließlich seiner großen Bibliothek, in die Niederlande. Dort starb er Anfang Februar 1919 im Alter von fast 83 Jahren.

Ehen und Nachkommen

Eduard Reich heiratete im Mai 1869 Mathilde Loewel (1843–1887), die Tochter eines Finanzrates. Von den neun Kindern des Ehepaares überlebten fünf die Kindheit. Der zweite Sohn wurde als Maler maritimer Motive unter dem Namen A. Reich-Staffelstein bekannt. Allen Kindern wurden jeweils vier Vornamen aus der griechisch-römischen Antike, der orientalischen Welt und der ägyptischen Mythologie gegeben:[3]

  • Napoleon Hamlet Erasmus Karolus Reich (1870–1919), Techniker
  • Timonleon Almansor Senika Osiris Reich (1871–1954), Maler
  • Lucretius Pythagoras AlRaschid Solon Reich (1873–1946), Musikpädagoge
  • Olympia Arete Hypatia Ilis Reich (1874–1874)
  • Virgilius Demokritos Alidjafar Zenon Reich (1875–1876)
  • Arabella ... Reich (1876–)
  • Platon Muhammed Indra Manetho Reich (1878–1927), Philologe
  • Diogenes Adelrahmen Empedokles Zorvater Reich (1880–1880)
  • Hestia Fatima Aurora Ruba Reich (verh. Wernicke, 1881–1962)

Nach dem Tod seiner Frau Mathilde im Jahre 1887 heiratete Eduard Reich 1892 Helene Stavenow, die Tochter eines Hamburger Kaufmanns.

Schriften (Auswahl)

  • Lehrbuch der allgemeinen Aetiologie und Hygieine. Enke, Erlangen 1858 (archive.org)
  • System der Hygieine. Erster Band, Fleischer, Leipzig 1870 (archive.org)
  • System der Hygieine. Zweiter Band, Fleischer, Leipzig 1871 (archive.org)
  • Der Mensch und die Seele. Studien zur physiologischen und philosophischen Anthropologie und zur Physik des täglichen Lebens. Nicolai, Berlin 1872 (archive.org)
  • Beiträge zur Anthropologie und Psychologie, mit Anwendungen auf das Leben der Gesellschaft. Vieweg, Braunschweig 1877 (archive.org)
  • Die Gestalt des Menschen und deren Beziehungen zum Seelenleben. Carl Winter, Heidelberg 1878 (archive.org)
  • Kritik der Vertheidigung Dr. M. Mackenzie’s. Berlin, Heuser, 1888.

Literatur

  • Heinz Flamm: Die „Kultur-Hygiene“ des Eduard Reich – Ein Rückblick zur 100. Wiederkehr seines Todesjahres. Wiener Medizinische Wochenschrift, 168, Suppl 1, S. 1–23, Wien 2018. (online)
  • „Reich, Eduard“. In: Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist’s? Zeitgenossenlexikon, enthaltend Biographien nebst Bibliographien, Angaben über Herkunft, Familie, Lebenslauf, Werke, Lieblingsbeschäftigungen, Parteiangehörigkeit, Mitgliedschaft bei Gesellschaften, Adresse. I. Ausgabe. A. L. Degener, Berlin/Leipzig 1905, S. 1119; (Digitalisat)
  • Julius Pagel: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Mit einer historischen Einleitung. Berlin und Wien 1901, Sp 1355–1356 (Digitalisat)
  • Constantin von Wurzbach: Reich, Eduard. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 25. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1873, S. 145–149 (Digitalisat).
Commons: Eduard Reich – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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