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Eduard Trier

deutscher Kunsthistoriker, Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie From Wikipedia, the free encyclopedia

Eduard Trier (* 4. Januar 1920 in Köln; † 27. Juni 2009 ebenda) war ein deutscher Kunsthistoriker, Ausstellungskurator und Hochschullehrer. Von 1965 bis 1972 war er Direktor der Kunstakademie Düsseldorf. Trier war Verfasser zahlreicher Schriften zur modernen Kunst.

Werdegang

Eduard Trier war ein Sohn des Postbeamten und Telegrapheninspektors Hans Trier und dessen Ehefrau Helene Trier, geborene Hager. Sein älterer Bruder war der Maler Hann Trier. Ab 1938 besuchte Eduard das Gymnasium Kreuzgasse in Köln und wurde anschließend zum Kriegsdienst eingezogen. Nach seiner Entlassung aus US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft studierte er von 1946 bis 1952 Kunstgeschichte an der Universität zu Köln und an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Sein Interesse galt der Bildhauerei des 14. und 15. Jahrhunderts und der Profan-Ikonographie des späten Mittelalters, doch verlor er nie die Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst aus den Augen. Er schrieb seit 1948 Kunstkritiken für Tageszeitungen und Zeitschriften wie Die Neue Zeitung, den Bonner General-Anzeiger, die Frankfurter Allgemeine Zeitung (ab 1953) und Die Zeit sowie für den NDR. 1949 wurde er Redakteur der Kunstzeitschrift Der Cicerone. Trier inventarisierte unter Hermann Schnitzler die Skulpturen des Kölner Schnütgen-Museums. 1952 wurde Trier in Bonn mit einer Arbeit über die mittelalterlichen Holzskulpturen der acht Propheten aus dem Kölner Rathaus zum Dr. phil. promoviert.[1] Von 1958 bis 1964 war er als Sachbearbeiter der Sparte Bildende Kunst vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft in den Räumen des Bundesverbands der Deutschen Industrie und Redakteur der Serie Junge Künstler.

Im Jahr 1953 heiratete Trier die Kölner Restauratorin Edith Brabender (1930–2019). Das Paar lebte in Köln, hatte drei Kinder, Michael, Marcus und Alice. Der 1962 Marcus Trier wurde Archäologe und Museumsdirektor. Eduard Trier war katholisch und starb 2009 im Alter von 89 Jahren. Er wurde in der Familiengrabstätte seiner Frau auf dem Kölner Melaten-Friedhof beigesetzt.[2]

Wirken

Im Jahr 1959 war Trier Ausstellungskurator bei der von Arnold Bode inszenierten documenta II in Kassel und schrieb den Einleitungstext zum Band 2 des Katalogs. 1964 war er im Ausschuss für Malerei, Skulptur und Druckgrafik der von Bode und Werner Haftmann organisierten documenta III. Auf seinen Vorschlag hin nahm Joseph Beuys mit Zeichnungen und vier Skulpturen an der Ausstellung teil.[3] Auch 1968 war er Mitglied des documenta-Rats. In den Jahren 1964 und 1966 war Eduard Trier Kommissar des Deutschen Pavillons der BRD auf der Biennale von Venedig. 1964 stellte er die Arbeiten der Künstler Norbert Kricke und Joseph Fassbender vor, 1966 zeigte er in Venedig Werke von Horst Antes, Günter Haese und Günter Ferdinand Ris.

Am 1. April 1964 wurde Trier auf den Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Kunstakademie Düsseldorf berufen. Von 1966 bis 1972 war er Direktor der Akademie und an den Auseinandersetzungen um die Zulassungsregeln der Akademie beteiligt, in deren Verlauf Joseph Beuys seine Entlassung durch das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium unter Johannes Rau provozierte. Der auf Lebenszeit berufene Trier kündigte, sein Nachfolger wurde der Bildhauer Norbert Kricke. 1972 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft der Kunstakademie Düsseldorf verliehen. Er war zudem Mitglied der Association International des Critiques d’Art und Rotarier.

Im selben Jahr wechselte Trier als ordentlicher Professor nach Bonn und wurde einer der beiden Direktoren des Kunsthistorischen Instituts der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 1985 wurde er emeritiert. Trier gehörte der Jury des Max-Ernst-Stipendiums der Stadt Brühl an und war Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Max Ernst Gesellschaft.

Ehrungen

Trier erhielt 1970 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, 1979 die Ehrenmitgliedschaft der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Am 7. November 1991 wurde er mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.[4]

Schriften

  • Die Propheten-Figuren des Kölner Rathauses. In: Wallraf-Richartz-Jahrbuch, ISSN 0083-7105, 15. Jahrgang 1953, S. 79–102.
  • Ein Beitrag zur Profan Ikonographie des Mittelalters. In: Wallraf-Richartz-Jahrbuch, ISSN 0083-7105, 19. Jahrgang 1957, S. 193–224.
  • Marino Marini. 1954.
  • Moderne Plastik. Von Auguste Rodin bis Marino Marini. Gebr. Mann, Berlin 1954.
  • Wilhelm Lehmbruck – Zeichnungen und Radierungen. 1955.
  • Zeichner des XX. Jahrhunderts. 1956.
  • Athenäum-Kunstreiseführer. Belgien. 1957 (erschienen auch in schwedischer Sprache).
  • Ewald Mataré. 2. Auflage. 1958.
  • Die Kniende. 1958.
  • Max Ernst. 1959.
  • als Co-Autor: Der Bergbau in der Kunst. 1958.
  • Figur und Raum. 1960. Erschienen auch auf Englisch und Italienisch.
  • als Mitherausgeber: Jahresring. 1961 ff.
  • Marino Marini. Plastik. 1961. Erschienen auch auf Englisch, Französisch und Italienisch.
  • Norbert Kricke. 1963.
  • Hans Arp. Skulpturen. 1968. Erschienen auch auf Englisch und Französisch.
  • Günter Ferdinand Ris. 1970.
  • Bildhauertheorien im 20. Jahrhundert. 1971; 2. Auflage 1980; neu bearbeitete, verbesserte und erweiterte 5. Auflage, Gebr. Mann, Berlin 1999, ISBN 3-7861-1879-5.
  • als Hrsg. und Mitautor: 200 Jahre Kunstakademie Düsseldorf. 1973.
  • als Mitherausgeber und Mitautor: Kunst als Bedeutungsträger. 1978.
  • als Hrsg. mit Willy Weyres und Mitautor: Kunst des 19. Jahrhunderts im Rheinland. 5 Bände. Schwann, Düsseldorf (1979) 1980, ISBN 3-590-30251-8.
  • Als Freigelassener im Bonner Vorfrühling. In: Bonn. Jahre des Aufbruchs. General-Anzeiger, Bonn 1986.
  • Schriften zu Max Ernst. Herausgegeben von Jürgen Pech. Wienand, Köln 2000, ISBN 3-87909-337-7.

Literatur

Einzelnachweise

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