Efraim Elrom

deutsch-jüdischer Ermittler und Mordopfer From Wikipedia, the free encyclopedia

Efraim Elrom (hebräisch אפרים אלרום; geb. 1911 in Stanislau, Galizien; gest. 22. Mai 1971 in Istanbul, Türkei) war ein leitender israelischer Polizeibeamter in Tel Aviv und später Generalkonsul Israels in der Türkei. Elrom, dessen Name bei der Geburt Efraim Fiszek Hofstaedter lautete, war als Polizeichef Tel Avivs Hauptbeteiligter an der Ermittlungsarbeit beim Prozess gegen Adolf Eichmann und hatte auch bei dessen Ergreifung mitgewirkt. Er wurde als Entführungsopfer der THKP-C in Istanbul ermordet.[1] Der Mord an Elrom wird im Jahrbuch 2018 für Antisemitismusforschung 27 der TU Berlin als antisemitische Tat eingestuft.[2]

Werdegang

Efraim Fiszek Hofstaedter wurde in eine deutsch-jüdische Familie hineingeboren. In seiner Jugend war er Mitglied der jüdischen Pfadfinderbewegung Menorah. Zum Studium zog Hofstaedter nach Prag und wanderte 1937 in das Völkerbundsmandat für Palästina aus. Seine Eltern Regina und Elias und seine Schwester Levka wurden im Holocaust ermordet. Hofstaedter war als Polizist für die britische Mandatsverwaltung tätig. Er heiratete Elsa Dibring. Aus der Ehe ging ein Sohn Gideon hervor, der später bei einem Unfall ums Leben kam. Bei der Gründung Israels leitete er die Polizeiakademie. Seit dem Jahr 1958 war Hofsteadter an der Suche nach Adolf Eichmann beteiligt. Dank seiner Deutschkenntnisse wurde er gebeten, den jüdischen Sozialisten Lothar Hermann in Argentinien zum Aufenthalt Eichmanns zu befragen. Der Hinweis auf Herrmann kam vom deutschen Generalstaatsanwalt in Hessen Fritz Bauer. Hofstaedters Bericht wurde zu den Akten gegeben, da die Angaben zum Aufenthalt Eichmanns widersprüchlich waren und die Suche nach den Tätern zu jenem Zeitpunkt keine Priorität hatte. Bei einem Besuch Bauers in Tel Aviv insistierte dieser erneut. Dadurch wurden die Ermittlungen wieder aufgenommen und Eichman gefasst und schließlich in Israel vor Gericht gestellt. Hofstaedter war zu jener Zeit Polizeichef von Tel Aviv. Als stellvertretender Leiter baute er die Einheit Büro 06 auf, die die Anklage gegen Eichmann vorbereitete. Diese Einheit sichtete Dokumente und Archive und führte Befragungen durch.

Hofstaedter wurde später in den Ruhestand versetzt, weil er den Tod seines Sohnes nicht überwinden konnte. Man bot ihm aufgrund seiner Verdienste ein Amt im diplomatischen Dienst an. In dieser Zeit fiel aufgrund einer Vorschrift für ein diplomatische Amt auch der Namenswechsel zum hebräischen Familiennamen Elrom. 1969 wurde Elrom Generalkonsul Israels in der Türkei. Im Mai 1971 wurde Elrom durch die Untergrundorganisation THKP-C entführt. Beteiligt an der Entführung waren u. a. Mahir Çayan, Hüseyin Cevahir und Ulaş Bardakçı. Die Entführer forderten die Freilassung von Genossen und die Verlesung ihres Kommuniqués Nr. 1 im türkischen Rundfunk. Darin hieß es „der Generalkonsul des zionistischen Israels, Handlanger des US-Imperialismus“ Elrom, habe eine zentrale Rolle bei der Organisierung „zionistischer Bestrebungen in unserem Land“ gespielt. Statt auf die Forderungen einzugehen, wurde eine Erklärung des damaligen stellvertretenden Ministerpräsidenten verlesen und der Fahndungsdruck erhöht. Den Entführern war nach späterer Aussage von Oktay Etiman, Mitbegründer der Organisation und mit der Bewachung des entführten Elroms beauftragt, bekannt, dass Elrom Antifaschist war,[3] trotzdem richteten sie ihn mit drei Kopfschüssen hin. In der türkischen Linken dauert die Verklärung von Mahir Çayan, Hüseyin Cevahir und Ulaş Bardakçı an und wird auch die Ermordung zum Teil gerechtfertigt.

Begraben wurde Efraim Elrom auf dem Friedhof Kiryat Shaul in Tel Aviv.

Rezeption

Der später vom Rechtsextremisten Mehmet Ali Ağca ermordete Journalist Abdi İpekçi schrieb unmittelbar nach Bekanntwerden des Mordes an die Attentäter gerichtet „Habt ihr jetzt, die in- und ausländische Ausbeutung verhindert? Oder habt ihr die soziale Gerchtigkeit hergestellt? […] Schaut, eure Hände sind blutbefleckt. Ihr seit Täter eines barbarischen Mordes geworden“.[4] İsmet İnönü bezeichnete die Entführung als antisemitischen Akt.[5]

Rezeption durch extremistische Organisationen

Die islamistische Terrororganisation İBDA-C sollte den Mord Jahre später in ihrem Propagandaorgan als Bestrafung eines berüchtigten Verbrechers und Muslimschlächters feiern.[6] Das Propagandaorgan der DHKP-C in Deutschland, die sich als Nachfolgeorganisation der THKP-C betrachtet, wiederholt die Aussage, dass Elrom die zionistische Bewegung in der Türkei hauptverantwortlich organisiert habe. Er sei als Akt der Solidarität mit dem palästinensischen Volk „Ziel der Revolutionären“ geworden. Da die Forderungen der Entführer nicht erfüllt worden seien, sei Elrom bestraft worden. Die Tat sei ein Schlag gegen Israel.[7]

Literatur

Einzelnachweise

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