Ehrenreich Hannibal

schwedischer Kupferstecher From Wikipedia, the free encyclopedia

Ehrenreich Hannibal (* 9. April 1678[1] in Stockholm[2][Anm. 1]; † 13. März 1741 in Clausthal[3][4]) war ein schwedisch-deutscher Münzstempelschneider[1], Siegelschneider[2] und Kupferstecher[5] und galt als einer der besten Medailleure seiner Zeit.[6]

Leben

Sterbemedaille auf den Tod des Loccumer Abtes Gerhard Wolter Molanus (1633–1722), dem Begründer der Münzsammlung der Welfen;
Replik von Harry Maximilian Buchberger für die Nord/LB, ausgestellt im Niedersächsischen Münzkabinett im Niedersächsischen Landesmuseum

Ehrenreich (Erich) Hannibal wuchs als Sohn des in Stockholm tätigen Malers Martin Hannibal sowie der Christina Lente auf. Vermutlich ging er in Schweden in die Lehre, erarbeitete dort jedoch „nicht viel“, sondern begab sich bald auf die Wanderschaft, nach der er[5] in das wenige Jahre zuvor 1692 zum Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg erhobenen Herrschaftsgebiet[7] zog, wo er unter Georg I. Ludwig in dessen Dienste trat und hier zunächst seine Kunstfertigkeiten vervollkommnete, bevor er 1705[5] oder 1706 zum kurfürstlichen „Stempelschneider“ (Medailleur) mit einem Jahresgehalt von 200 Talern bestellt wurde. So finanziell abgesichert, heiratete Hannibal am 12. Mai 1707 Anna[1] (auch: Anna Maria Hollingin), die Tochter[5] des in der Calenberger Neustadt und dort in der Calenberger Straße ansässigen Hofgoldschmiedes Conrad Hölling[8]. Das erste Kind[5] aus dieser Ehe war der am 17. Februar 1708 getaufte Martin Conrad Hannibal[9][10].

In der kurfürstlichen Residenzstadt Hannover schuf Ehrenreich Hannibal aber nicht nur Medaillen, sondern beispielsweise auch einen sechsarmigen, silbernen Kronleuchter nach einem Entwurf von Jean Berain.[1][11] Darüber hinaus fertigte er auch Kupferstiche.[5]

Ehrenreich schuf die Medaille (mit der Jahreszahl 1714) zum Tode von Sophie mit einem Brustbild der Kurfürstin und dem von ihr geliebten „jardin à la Leine“.[12] Mit einer noch im selben Jahr gefertigten Medaille mit dem nunmehrigen King George I. auf dem Thron von England, davor die Britannia, setzte Hannibal dem Beginn der Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover ein Denkmal.[6]

Im Folgejahr 1715, konkret zunächst „[…] bis Weihnachten 1715 […]“,[1] erhielt Ehrenreich Hannibal zusätzlich die Stellung eines Münz-Eisenschneiders an der Clausthaler Münzstätte im Harz.[5] Wenngleich Ehrenreich in den Kammerrechnungen des Kurfürstentums Hannover bis 1727/28 nachweisbar ist,[1] war er auch für andere Herrschaften tätig, so beispielsweise für das Kurfürstentum Köln, das Königreich Preußen, die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel und die Hansestadt Hamburg und verschiedene andere.[5]

Nach Ehrenreichs Tod 1741 folgte ihm sein Sohn Martin an der Münzstätte in Clausthal.[5]

Künstlersignatur

Während in verschiedenen Büchern über Münzen, aber auch auf Kupferstichen Hannibals selbst das Monogramm E. H. der erste Buchstabe mitunter fälschlicherweise als ein F. gedeutet wurde, existieren daneben zahlreiche Varianten der Signatur aus E. Hannibal und f. bzw. fecit.[5]

Werke (Auswahl)

Neben mehreren Kupferstichen[5] sind vor allem zahlreiche Medaillen Hannibals bekannt, die sich nahezu sämtlich in der Königlichen Münz- und Medaillensammlung der Welfen fanden:[6]

sowie

Literatur

  • Georg Kaspar Nagler: Hannibal, Ehrenreich, in ders.: Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten aus dem Leben und den Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter, etc., 5. Band, E. A. Fleischmann, München 1837, S. 550f.; online über Google-Bücher
  • Leonard Forrer: Biographical dictionary of medallists. Bd. 1, London 1904, S. 420–422 (Digitalisat).
  • Wilhelm Rothert: Allgemeine Hannoversche Biografie, Bd. 3: Hannover unter dem Kurhut 1646–1815. Sponholtz, Hannover 1916, S. 496
  • Hannibal, Ehrenreich. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 69, De Gruyter, Berlin 2010, ISBN 978-3-598-23036-3.

Anmerkungen

  1. Davon abweichend nennt Wolfgang Scheffler „Ungarn“ als Geburtsstätte

Einzelnachweise

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