Eike Holtzhauer
deutscher Sportfunktionär
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Eike Holtzhauer (* 9. Februar 1937[1] in der Lausitz[2]; † 19. Juli 2023)[3] war ein deutscher Sportfunktionär und 48 Jahre lang 2. Vorsitzender des Todtglüsinger Sportvereins. Er trug wesentlich zum Erfolg des mehrfach ausgezeichneten Vereins bei, der sich während seiner Amtszeit von einem kleinen Dorfverein zum drittgrößten Verein Niedersachsens entwickelte.

Leben
Eike Holtzhauer war gelernter Landwirt und Industriekaufmann.1945 kam er als Flüchtlingskind mit seinen Eltern nach Höckel, einem Ortsteil von Handeloh im Kreis Harburg. Er besuchte zunächst in Handeloh die Volksschule, wechselte später auf die Mittelschule in Tostedt.[4] Nach einer kurzen Zwischenstation in Diepholz kehrte er in den Kreis Harburg zurück, wo er die Landwirtschaftsschule in Tostedt besuchte und einige Jahre auf einem Hof in Klecken arbeitete.[2][4] Am 8. März 1958 heiratete er und übernahm gemeinsam mit seiner Frau deren elterlichen Hof in Todtglüsingen. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. 1970 begann Holtzhauer eine Ausbildung zum Industriekaufmann und arbeitete als Abteilungsleiter bei der landwirtschaftlichen Genossenschaft, der heutigen Raiffeisen.[5][2]
Wirken
1969 wurde Holtzhauer Mitglied beim Todtglüsinger Sportvereins. Von 1972 bis 2023 war er zweiter Vorsitzender des Vereins. Der Deutsche Olympische Sportbund bezeichnete ihn 2014 anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande als „Graue Eminenz beim Todtglüsinger SV“ und bescheinigt ihm „entscheidenden Anteil an seinem Erfolg“.[6] Das Hamburger Abendblatt kennzeichnet Holtzhauer als den „verdienten und einzigartigen Macher“ des Vereins.[4]
Holtzhauer stärkte den sportlichen Zusammenhalt der Gemeinschaft und überzeugte Politiker und Funktionäre von seinen Projekten. Zusammen mit den Vorsitzenden des Vereins, Karl-Heinz Schröder (bis 2013) und Renate Preuß (bis 2023), baute Holtzhauer den Todtglüsinger Sportverein von einem kleinen Dorfverein mit 100 Mitgliedern (1969)[6] zum drittgrößten[7] Sportverein Niedersachsens mit 8000[5] Mitgliedern aus. Selbst passionierter Judoka initiierte Holtzhauer schon 1972 die Gründung von Judo-, Ju-Jutsu-, Karate- und Gewichtheben-Sparten.[8] Er war maßgeblich an der Planung diverser Sportstätten beteiligt, die das Vereinswachstum erst ermöglichten.[9][8][10] 2007 wurde der Verein beim bundesweiten Wettbewerb Sterne des Sports des Deutschen Olympischen Sportbunds für sein modernes Vereinsmanagement mit dem einem Stern des Sports in Gold (3. Platz) ausgezeichnet.[11] 2022 bezeichnete der damalige niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil das auf 19 Sportstätten und Anlagen angewachsene Sportgelände (für über 75 Sportarten) des Vereins als „Copacabana von Tostedt“.[8]
Holtzhauer war im Vorstand des Vereins für das Thema Integration verantwortlich.[12] Er initiierte federführend Integrationsprojekte des Vereins, die wiederholt erfolgreich am Vereinswettbewerb Sterne des Sports des Deutschen Olympischen Sportbunds teilnahmen. Besondere Aufmerksamkeit bekam deutschlandweit das von ihm in Kooperation mit dem Amtsgericht Tostedt geleitete Tostedter Modell, straffällig gewordene Jugendliche ihren Freizeitarrest auf den Sportanlagen des Vereins mit gemeinnütziger Arbeit ableisten zu lassen und ihnen die Möglichkeit zu geben, Sport zu treiben.[9][13] Unter dem Projektnamen Wer kümmert sich um die Ausrutscher? wurde das Projekt Ende 2013 Landessieger bei den Sternen des Sports in Niedersachsen und erhielt dafür den „Großen Stern des Sports“ in Silber (Landesebene).[14] Beim anschließenden Wettbewerb auf Bundesebene wurde das Projekt auf den zweiten Platz gewählt und der Verein erhielt dafür wie 2007 einen Stern des Sports in Gold (Bundesebene), der mit 7.500 Euro Preisgeld belohnt wurde.[15][16][17] In den Pressemitteilungen des Deutschen Olympischen Sportbunds Preisträgern wird die herausragende Rolle, die Holtzhauer in diesem Projekt einnahm, deutlich herausgestellt.[17] 2017 musste das Projekt nach zehn Jahren aufgrund einer Gesetzesänderung beendet werden (außer bei Arbeitsauflagen).[13]
Auch im Bereich der Integration von zugewanderten Jugendlichen und Erwachsenen engagierte sich Holtzhauer und entwickelte Angebote.[9]
Schon 2009 verlieh das Land Niedersachsen Holtzhauer für sein jahrelanges ehrenamtliches Engagement mit der Niedersächsischen Sportmedaille die höchste Auszeichnung des Landes im Bereich Sport.[18] Auf Bundesebene wurde sein Einsatz 2014 durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande gewürdigt. Seine Heimatgemeinde Tostedt ehrte ihn 2022 durch die Ernennung zum Ehrenbürger.[7]


Im Alter von 86 Jahren starb Eike Holtzhauer im Juli 2023 an den Folgen einer Lungenentzündung.[4][5]
Ehrungen und Auszeichnungen
- Niedersächsische Sportmedaille (2009)
- Bundesverdienstkreuz am Bande (2014)[19]
- Ehrenmitglied des Kreissportbundes Harburg-Land (2020)[20]
- Ehrenbürger der Gemeinde Tostedt (2022)
- Ehrennadeln des Niedersächsischen Landessportbunds[20]
Weblinks
- Auszeichnung von Eike Holtzhauer als Ehrenbürger der Gemeinde Tostedt auf toester-buergerstiftung.de
- Jeder verdient eine zweite Chance auf: sterne-des-sports.de