Einheitsdistanz-Graph
geometrischer Graph
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Ein Einheitsdistanz-Graph ist ein geometrischer Graph, bei dem jede Kante gleich lang ist. Kanten eines Einheitsdistanz-Graphen dürfen sich überschneiden, d. h., der Graph muss nicht immer planar sein. Ein Einheitsdistanz-Graph ohne Überschneidungen wird Streichholzgraph genannt.

Das Problem von Hadwiger und Nelson beschäftigt sich mit der chromatischen Zahl des Graphen. Jeder Einheitsdistanz-Graph kann mit höchstens sieben Farben eingefärbt werden, bekanntlich existieren aber auch einige Graphen, die mindestens vier Farben benötigen. Ein anderes bekanntes Problem befasst sich mit der Frage, wie hoch das Verhältnis von Kanten- zu Knotenanzahl sein kann. Die genaue asymptotische Größenordnung dieser Kantenanzahl ist weiterhin unbekannt; eine lange verbreitete Vermutung von Erdős, nach der sie höchstens wie wachsen sollte, wurde 2026 widerlegt.[1]
Beispiele

Folgende Graphen sind Einheitsdistanz-Graphen:
- Jeder zyklische Graph
- Jeder Gittergraph
- Jeder Hyperwürfel-Graph
- Der Petersen-Graph
- Der Heawood-Graph
- Das Wagenrad W7
Strikter Einheitsdistanz-Graph

Einige Definitionen in der Literatur lassen die Möglichkeit zu, dass nicht benachbarte Knotenpaare ebenfalls Einheitsdistanz haben dürfen. Zum Beispiel gibt es eine Variante des Möbius–Kantor-Graphen von dieser Art.
Nach dieser abgeschwächten Definition sind alle verallgemeinerten Petersen-Graphen Einheitsdistanz-Graphen.[2] Um beide Definitionen zu unterscheiden, wird ein Graph, bei dem nur benachbarte Knoten eine Einheitsdistanz haben dürfen, strikter Einheitsdistanz-Graph genannt.[3]
Entfernt man beim Wagenrad W7 eine Speiche, erhält man einen nicht-strikten Teilgraphen. Es ist nicht möglich, die Knoten und insbesondere die beiden Endpunkte der fehlenden Speiche so anzuordnen, dass man wieder einen strikten Graphen erhält.[4]
Zählung von Einheitsdistanzen
Paul Erdős stellte 1946 das Problem, wie man in einer Menge von n Punkten die Anzahl an Punktpaaren mit Einheitsdistanz bestimmt. Schreibt man für die maximale Anzahl solcher Punktpaare unter allen ebenen Punktmengen mit n Punkten, fragt das Problem nach dem asymptotischen Wachstum von .[1] Graphentheoretisch formuliert: Wie dicht kann ein Einheitsdistanz-Graph sein?
Der Hyperwürfel-Graph besitzt für die Anzahl an Einheitsdistanzen eine untere Schranke proportional zu n·log n. Werden die Punkte in einem Quadratgitter mit vorsichtig gewählten Zwischenräumen angeordnet, gibt es nach Erdős eine verbesserte untere Schranke von
für eine geeignete Konstante . Erdős vermutete lange, dass diese Gitterkonstruktionen im Wesentlichen optimal seien; in einer stärkeren Form der Vermutung sollte es eine absolute Konstante geben, so dass für alle hinreichend großen die obere Schranke gilt.[1] Erdős bot ein Preisgeld von 500 $, falls jemand eine ähnliche Funktion für die obere Schranke findet.[5]
Im Jahr 2026 wurde diese Vermutung widerlegt: Eine von OpenAI veröffentlichte Konstruktion zeigt, dass es ein festes und unendlich viele positive ganze Zahlen gibt, für die gilt.[1] Eine begleitende Arbeit mehrerer Mathematiker gibt eine gekürzte, menschlich überprüfte und leicht verallgemeinerte Fassung des Beweises.[6] Die Konstruktion lässt sich als hochdimensionale Variante der Arithmetik hinter Erdős’ klassischer Gitterkonstruktion verstehen: An die Stelle der gaußschen ganzen Zahlen treten Zahlkörper über total reellen Körpern wachsenden Grades; vollständig zerlegte Primzahlen, beschränkte Wurzeldiskriminanten und Klassenkörpertürme liefern viele Elemente, die unter allen komplexen Einbettungen Betrag 1 haben und nach einer Gittereinbettung sowie Projektion Einheitsdistanzen in der Ebene erzeugen.[1]
Die beste bekannte obere Schranke[7][1] liegt weiterhin proportional zu
Diese Grenze kann auch als Zählung der Inzidenzen zwischen Punkten und Einheitskreisen betrachtet werden und ist nah mit dem Satz von Szemerédi und Trotter für Inzidenzen zwischen Punkten und Geraden verwandt. Das Einheitsdistanz-Problem von Erdős ist daher weiterhin offen, liegt aber nach der Widerlegung der früheren Vermutung nun zwischen einer bekannten unteren Schranke für unendlich viele und der allgemeinen oberen Schranke .[1]
Verallgemeinerung für höhere Dimensionen
Die Definition des Einheitsdistanz-Graphen kann selbstverständlich auch auf höherdimensionale euklidische Räume verallgemeinert werden. Jeder Graph kann als Punktmenge in eine genügend hohe Dimension eingebettet werden. Maehara und Vojtěch Rödl zeigten 1990, dass die notwendige Dimension, um einen Graphen auf diese Weise einzubetten, durch den doppelten Maximalgrad des Graphen beschränkt ist.
Die notwendige Dimension, um einen Graphen so einzubetten, dass alle Kanten Einheitsdistanz haben, und die notwendige Dimension, um einen Graphen so einzubetten, dass alle Kanten genau den Einheitsdistanz-Paaren entsprechen, können sich stark voneinander unterscheiden: Der Johnson-Graph mit 2·n Knoten kann so in die vierte Dimension eingebettet werden, dass all seine Kanten Einheitsdistanz haben, benötigt jedoch n − 2 Dimensionen für eine Einbettung, bei der nur die Kanten Einheitsdistanz-Paare sind.[8]
Siehe auch
Literatur
- F. S. Beckman, D. A. Quarles: On isometries of Euclidean spaces. In: Proceedings of the American Mathematical Society. Band 4, 1953, S. 810–815 (MR0058193).
- Paul Erdős: On sets of distances of n points. In: American Mathematical Monthly. Band 53 (5). The American Mathematical Monthly, Vol. 53, No. 5, 1946, S. 248–250, doi:10.2307/2305092, JSTOR:2305092.
- Paul Erdős, Miklós Simonovits: On the chromatic number of geometric graphs. In: Ars Combinatoria. Band 9, 1980, S. 229–246.
- Eberhard H.-A. Gerbracht: Eleven unit distance embeddings of the Heawood graph. 2009, arxiv:0912.5395.
- Severino V. Gervacio, Yvette F. Lim, Hiroshi Maehara: Planar unit-distance graphs having planar unit-distance complement. In: Discrete Mathematics. Band 308 (10), 2008, S. 1973–1984, doi:10.1016/j.disc.2007.04.050.
- Greg Kuperberg: The Erdos kitty: At least $9050 in prizes! 1992 (Posting in der Usenet-Gruppe rec.puzzles and sci.math).
- Hiroshi Maehara: Distances in a rigid unit-distance graph in the plane. In: Discrete Applied Mathematics. Band 31 (2), 1991, S. 193–200, doi:10.1016/0166-218X(91)90070-D.
- Hiroshi Maehara: Extending a flexible unit-bar framework to a rigid one. In: Discrete Mathematics. Band 108 (1–3), 1992, S. 167–174, doi:10.1016/0012-365X(92)90671-2 (MR1189840).
- Hiroshi Maehara, Vojtech Rödl: On the dimension to represent a graph by a unit distance graph. In: Graphs and Combinatorics. Band 6 (4), 1990, S. 365–367, doi:10.1007/BF01787703.
- Alexander Soifer: The Mathematical Coloring Book. Springer-Verlag, 2008, ISBN 978-0-387-74640-1.
- Joel Spencer, Endre Szemerédi, William T. Trotter: Unit distances in the Euclidean plane. In: Graph Theory and Combinatorics. Academic Press, 1984, S. 293–308.
- Apoloniusz Tyszka: Discrete versions of the Beckman-Quarles theorem. In: Aequationes Mathematicae. Band 59 (1–2), 2000, S. 124–133, doi:10.1007/PL00000119 (MR1741475).
- Arjana Žitnik, Boris Horvat, Tomaž Pisanski: All generalized Petersen graphs are unit-distance graphs. Band 1109, 2010 (online [PDF; 377 kB] IMFM preprints).
Weblinks
- Suresh Venkatasubramanian: Problem 39: Distances among Point Sets in R2 and R3. In: The Open Problems Project. Abgerufen am 16. Oktober 2011.
- Eric W. Weisstein: Unit-Distance Graph. In: MathWorld (englisch).