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Eisenbarrenfund von Hartkirchen

Fund in der oberösterreichischen Gemeinde Hartkirchen From Wikipedia, the free encyclopedia

Schnelle Fakten
Eisenbarrenfund von Hartkirchen
Fundbezeichnung Deinham bars
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Lage der Fundstelle gelb markiert, Donaukarte von Florian von Pasetti, 1867
Lage der Fundstelle gelb markiert, Donaukarte von Florian von Pasetti, 1867

Lage der Fundstelle gelb markiert, Donaukarte von Florian von Pasetti, 1867

Lage Bezirk Eferding, Oberösterreich
Fund in Kiesabbau rechts der Donau am Eingang zum Eferdinger Becken
Eisenbarrenfund von Hartkirchen (Oberösterreich)
Eisenbarrenfund von Hartkirchen (Oberösterreich)
Maße mind. 500 Barren, ca. 1035 kg
Wann Latènezeit (ca. 351 bis 57/59 v. Chr., Radiokarbondatierung)
Wo Deinham, Gemeinde Hartkirchen
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Doppelspitzbarren der Hallstattkultur aus einem anderen Fundzusammenhang

Der Eisenbarrenfund von Hartkirchen stammt aus einem Kiestagebau an der Donau bei der Ortschaft Deinham in der oberösterreichischen Gemeinde Hartkirchen. Arbeiter hatten ihn bei Kiesabbauarbeiten im Frühjahr 2019 als verrostete Eisenobjekte entdeckt.[1] Es handelt sich dabei um den bisher umfangreichsten Fund von Doppelspitzbarren aus Eisen, die aus der Latènezeit als einem Abschnitt der jüngeren Eisenzeit stammen.[2] Medial wurde der Fund mehrfach als „rostiger Schatz“ bezeichnet.[3]

Geschichte und Einordnung

Im Zuge der Auffindung informierten Mitarbeiter der Abbaustätte das Bundesdenkmalamt. Dieses veranlasste die Untersuchung der Fundstelle durch Wissenschaftler der Universität Innsbruck sowie weitere Abklärungen. Die Forschungen der Wissenschaftler ergaben, dass es sich bei den Fundobjekten um 540 Fragmente von 500 Eisenbarren aus der Latènezeit handelt. Diese hatten ein Gesamtgewicht von etwa 1035 Kilogramm. 193 der Eisenbarren konnten komplett geborgen werden, 52 weitere waren annähernd vollständig. Nur 19 Stück waren weniger als zur Hälfte erhalten.[4] Da unbeschädigte Objekte an beiden Enden spitz auslaufen, werden sie als Doppelspitzbarren bezeichnet. Marion Berranger und Peter Trebsche von der Universität Innsbruck kamen zum Schluss, dass es sich bei den Fundobjekten um Artefakte aus der Zeitspanne zwischen dem dritten und dem ersten vorchristlichen Jahrhundert[5][6] handelt. Es sind etwa 30 cm lange Halbfabrikate. Derartige Vorprodukte wurden zwischen Produzenten und Abnehmern, in der Regel Schmiede, gehandelt.

Zusammen mit den Eisenbarren ergaben sich auch 90 weitere Funde aus der Älteren Eisenzeit (8. bis Mitte 5. Jahrhundert vorchristliche Zeit; ein Tüllenbeil), dem Frühmittelalter (6. bis 10. Jahrhundert; ein Sax und ein Schwertfragment) und der Neuzeit (19. bis 20. Jahrhundert).

Laut einer Veröffentlichung der Forscher handelt es sich um den bisher umfangreichsten Fund von Eisenbarren aus der Latènezeit. Die Eisenmenge hätte für die Produktion von 500 Schwertern oder von 8000 Eisennägeln ausgereicht. Trebsche zeigte sich über den Fund in Anbetracht der Umstände verwundert:

„Es grenzt an ein kleines Wunder, dass dieser außergewöhnliche Fund nicht bei Schrotthändlern gelandet ist, sondern dem österreichischen Bundesdenkmalamt gemeldet wurde“

– Peter Trebsche[7]

Der Fundort befindet sich an der Stelle eines ehemaligen, heute verlandeten Donauarmes. Berranger und Trebsche nahmen an, dass der Untergang eines Donaufrachtschiffes zu einer so großen Zahl nahe beieinander liegender Fundstücke geführt haben dürfte.

Untersuchungen und museale Bewahrung

Schlossmuseum in Linz, Standort der Archäologischen Sammlung der Oberösterreichischen Landesmuseen. (2020)

Die Fundstücke wurden im Jahr 2023 von den Findern der Oberösterreichischen Landes-Kultur GmbH, der Trägergesellschaft der Oberösterreichischen Landesmuseen, geschenkt.[6] Die Eisenbarren wurden im Mikroarchäologischen Labor der Universität Innsbruck untersucht und katalogisiert. Weder zur Herkunft des Erzes noch zur Verarbeitungsstätte der Barren konnten die Wissenschaftler Ergebnisse erlangen. Angenommen wird eine Herkunft donauaufwärts im heutigen Niederbayern. Die Fundstücke lagern in einem archäologischen Depot in Linz. Wann und wo der Fund später in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert wird, ist bisher nicht bekannt.

Ähnliche Funde

Eisenbarren auf einem im Jahr 1409 versunkenen Schiff in der Ostsee

In spätkeltischer Zeit erreichte die Eisenverhüttung einen Höhepunkt. Eisen wurde in großen Mengen produziert und über weite Strecken gehandelt. Daher sind Eisenbarrenfunde in Mitteleuropa nicht ungewöhnlich. Bei Uttenweiler-Sauggart wurden zum Transport gebündelte Spitzbarren aus Eisen mit einem Gesamtgewicht von über 180 Kilogramm gefunden.[8] Auch im Wrack eines im Jahr 1409 in der Ostsee bei Danzig versunkenen Schiffes fanden sich historische Eisenbarren.

Literatur

  • Peter Trebsche, Marion Berranger: A sunken ship cargo of 500 bipyramidal bars? Implications for La Tène period iron production and trade along the Danube. In: Antiquity. 21. September 2026, ISSN 0003-598X, S. 1–20, doi:10.15184/aqy.2026.10404.

Einzelnachweise

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