Electronic Settlement Matching
Offener Standard für den Abgleich von Rechnungsdaten
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Electronic Settlement Matching (eSM) ist ein Offener Standard für den Austausch und Abgleich von Rechnungen bzw. Rechnungsdaten im Energiegroßhandel, der erstmals 2019 von den Energy Traders Europe (vormals European Federation of Energy Traders) verabschiedet wurde. Der Standard definiert den Nachrichtenfluss, den Nachrichteninhalt und die Nachrichtenstruktur sowie die Abgleichkriterien und Validierungsregeln des Datenabgleichprozesses.
Eigenschaften
eSM hat die automatisierte Risikokontrolle im Abrechnungsprozess zum Ziel und soll Straight Through Processing ermöglichen.[1] Es wird erwartet, dass eSM die Kosten von internen und unternehmensübergreifenden Abrechnungsprozessen senkt und bedeutende Effizienzsteigerungen ermöglicht.[2] Außerdem wird eSM als Mittel zur früheren bzw. häufigeren Abrechnung angesehen mit dem Potenzial, die Liquidität in außerbörslichen Märkten zu erhöhen und eine Parität zwischen OTC- und Börsenhandel herzustellen.[3]
eSM basiert auf der Commodity Product Markup Language (CpML) und dem AS2-Kommunikationsprotokoll, das Authentizität (Identitätsprüfung), Vertraulichkeit (Dokumentenverschlüsselung), Datenintegrität (Dokumentensignatur) und Nichtabstreitbarkeit (unwiderlegbarer Nachweis des Versands und Empfangs von Dokumenten) gewährleistet.
Der Standard definiert ein XML-basiertes strukturiertes Datenformat, das alle gesetzlich vorgeschriebenen Elemente einer Rechnung enthält und eine automatische und elektronische Verarbeitung ermöglicht. Damit entspricht der Standard der Richtlinie zur elektronischen Rechnungsstellung (2014/55/EU) der EU-Kommission und kann auf die europäische Norm EN 16931 abgebildet werden.[4]
Geschichte
Der erste Entwurf des Standards wurde im Dezember 2007 veröffentlicht. Danach erfolgten von 2008 bis 2018 keine weiteren Veröffentlichungen. Die erste offizielle Version 1.0 des eSM Standards wurde im Februar 2019 verabschiedet.[1] Version 4.0 wurde 2025 veröffentlicht[5] und enthält ein Syntax Mapping auf Peppol BIS 3.0.[4]
Funktionsweise
Datenabgleich
Der Datenabgleich von Abrechnungsdaten gemäß eSM basiert auf einem AggregationKey, der vorgibt, welche Einzelposten in einem Abrechnungsdokument enthalten sein müssen (vgl. Abschnitt Dokumentstruktur).[1][5] Erst die genaue Definition der exakten Menge der Einzelposten, die zur Abrechnung kommen, ermöglicht den automatischen Abgleich von Abrechnungsdaten aus voneinander unabhängigen Systemen des Rechnungssenders und -empfängers.
Zum Beispiel muss gemäß dem folgenden AggregationKey das Abrechnungsdokument alle Festpreis-Stromgeschäfte enthalten, die im Juni 2024 am Lieferort AREAEIC in der vereinbarten Volumeneinheit MWh physisch geliefert wurden und gemäß dem zwischen dem Lieferanten SUPPLIERVATID_PARTYEIC und dem Kunden CUSTOMERVATID_PARTYEIC unterzeichneten EFET-2007-Vertrag zum vereinbarten Zahlungstermin am 22. Juli 2024 in der vereinbarten Abrechnungswährung EUR zur Abrechnung kommen.
<AggregationKeys>
<PaymentDate>2024-07-22</PaymentDate>
<AgreementDetails>
<Agreement>EFET</Agreement>
<MasterAgreementVersion>2007</MasterAgreementVersion>
</AgreementDetails>
<Commodity>Power</Commodity>
<DeliveryPointOrZone>AREAEIC</DeliveryPointOrZone>
<TotalVolumeUnit>MWh</TotalVolumeUnit>
<Currency>EUR</Currency>
<InvoicePeriodStart>2024-06-01</InvoicePeriodStart>
<InvoicePeriodEnd>2024-06-30</InvoicePeriodEnd>
<FixedOrFloating>Fixed</FixedOrFloating>
<PhysicalOrFinancial>Physical</PhysicalOrFinancial>
<NatureOfPrice>PositiveOrZero</NatureOfPrice>
<SupplierSSDSID>SUPPLIERVATID_PARTYEIC</SupplierSSDSID>
<CustomerSSDSID>CUSTOMERVATID_PARTYEIC</CustomerSSDSID>
</AggregationKeys>
Ablauf

Geschäftspartner senden sich gegenseitig ihre Abrechnungsdaten über ihre jeweiligen eSM-Dienstleister zu, die den eSM-Standard implementieren und darüber hinaus i. d. R. Mehrwertdienste wie etwa ein Web-Frontend anbieten, das die Durchführung und Überwachung des eSM-Prozesses unterstützt.
Der eSM Datenabgleichprozess umfasst die folgenden Schritte:[1][5]
- Der Rechnungssteller versendet auf Grundlage seiner Lieferdaten aus seinem System ein eSM OfficialDocument mit den Abrechnungsdaten, die er dem Rechnungsempfänger in Rechnung stellen wird.
- Der Rechnungsempfänger versendet auf Grundlage seiner Bestelldaten aus seinem System ein eSM ShadowDocument mit den Abrechnungsdaten, die er auf der Rechnung des Rechnungsstellers erwartet.
- Die Geschäftspartner bzw. ihre eSM-Dienstleister vergleichen das OfficialDocument mit dem ShadowDocument gemäß den eSM-Abgleichkriterien und -regeln und tauschen anschließend das Ergebnis des Vergleichs gemäß eSM-Prozess als eSM MatchResult miteinander aus.
Falls OfficialDocument und ShadowDocument nicht übereinstimmen, beheben die Geschäftspartner alle Nichtübereinstimmungen außerhalb des eSM-Prozesses und können korrigierte OfficialDocuments und/oder ShadowDocuments erneut versenden. Die Web-Frontends der eSM-Dienstleister helfen dabei, Ursachen für Nichtübereinstimmungen hervorzuheben.
Stimmen OfficialDocument und ShadowDocument überein, gilt das eSM OfficialDocument als ausgestellte Rechnung.
Dokumentenstruktur
eSM-Dokumente werden als CpML-Dateien versandt und enthalten alle gesetzlich vorgeschriebenen Elemente einer Rechnung, d. h. nach dem Datenabgleich gemäß eSM Standard können Geschäftspartner alle relevanten Rechnungsdaten automatisch auslesen und in ihren IT-Systemen weiterverarbeiten.
Auf der Stammebene umfasst ein eSM-Dokument die folgenden Abschnitte:[1][5]
- Prozessinformationen (obligatorisch) legen technische Details für den Versand des eSM-Dokuments und für die Steuerung des eSM-Abgleichprozesses fest (z. B. ob eine strikte Übereinstimmung der Einzelposten erforderlich ist oder nicht);
- AggregationKeys (obligatorisch) zur Festlegung des Inhalts eines eSM-Dokuments (siehe Abschnitt Datenabgleich);
- InvoiceData (obligatorisch) und LineItems (optional), wobei InvoiceData die Rechnungskopfinformationen mit allen erforderlichen Rechnungselementen enthält.
eSM verwendet Umsatzsteuer-Identifikationsnummern und EICs zur Identifizierung von Geschäftspartnern und Lieferorten sowie IBANs und BICs zur Identifizierung von Bankkonten.
Beispieldokument
Ein Beispiel für ein eSM-Dokument mit InvoiceData und LineItems ist nachfolgend dargestellt. OfficialDocuments und ShadowDocuments verwenden dasselbe XSD-Schema. Für eine Übereinstimmung müssen nur die Werte der im Standard definierten „matching fields“ in OfficialDocument und ShadowDocument übereinstimmen.[1][5]
<ESMDocument>
<ProcessInformation>
<LineItemsIncluded>true</LineItemsIncluded>
<LineItemsMatching>NonStrict</LineItemsMatching>
<SenderRole>OfficialDocumentIssuer</SenderRole>
<DocumentID>INV_20240701_1234567890(at)supplier.com</DocumentID>
<DocumentVersion>1</DocumentVersion>
<SenderID>SUPPLIERVATID_PARTYEIC</SenderID>
<ReceiverID>CUSTOMERVATID_PARTYEIC</ReceiverID>
<DocumentUsage>Live</DocumentUsage>
</ProcessInformation>
<AggregationKeys>
<PaymentDate>2024-07-22</PaymentDate>
<AgreementDetails>
<Agreement>EFET</Agreement>
<MasterAgreementVersion>2007</MasterAgreementVersion>
</AgreementDetails>
<Commodity>Power</Commodity>
<DeliveryPointOrZone>AREAEIC</DeliveryPointOrZone>
<TotalVolumeUnit>MWh</TotalVolumeUnit>
<Currency>EUR</Currency>
<InvoicePeriodStart>2024-06-01</InvoicePeriodStart>
<InvoicePeriodEnd>2024-06-30</InvoicePeriodEnd>
<FixedOrFloating>Fixed</FixedOrFloating>
<PhysicalOrFinancial>Physical</PhysicalOrFinancial>
<NatureOfPrice>PositiveOrZero</NatureOfPrice>
<SupplierSSDSID>SUPPLIERVATID_PARTYEIC</SupplierSSDSID>
<CustomerSSDSID>CUSTOMERVATID_PARTYEIC</CustomerSSDSID>
</AggregationKeys>
<InvoiceData>
<InvoiceID>1234567890</InvoiceID>
<InvoiceDate>2024-07-01</InvoiceDate>
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