Eleonore Hodys
Hochstaplerin, Häftling in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Auschwitz
From Wikipedia, the free encyclopedia
Eleonore Maria Hodys, geborene Hodis, (* 10. August 1903 in Wien; † 1964) war eine österreichische Hochstaplerin, die im Konzentrationslager Ravensbrück, im Stammlager des KZ Auschwitz und im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau inhaftiert war. Der verheiratete Kommandant des KZ Auschwitz, Rudolf Höß, soll mit Hodys eine Liebesaffäre gehabt haben, die zum Gegenstand von Ermittlungen einer Korruptionssonderkommission im KZ Auschwitz unter der Leitung des SS-Untersuchungsrichters Konrad Morgen wurde.
Frühe Jahre
Eleonore Maria Hodis wurde am 10. August 1903 in Wien[1] als Tochter des Kaufmannes[2] Alexander Hodis (1882–1940)[3] und der Schneidermeisterin Anna Hodis (1881–1934)[4] (geb. Schill)[5] geboren.[6][7] Bei dem unter dem Künstlernamen „Ferry Forst“ in den USA und Europa der 1950er- und 1960er-Jahren auftretenden Zauberkünstler[8][9] Franz Alexander Hodis (1912–1993) handelt es sich um einen Bruder von Hodys.[10]
Über die frühen Jahre Eleonore Hodys’ sind nur wenige verlässliche und zum Teil widersprüchliche Angaben bekannt. Gegenüber der Internationalen Flüchtlingsorganisation (IRO) bekundete Hodys, im Jahr 1921 in Wien maturiert und nachfolgend im Zeitraum zwischen 1921 und 1927 an der Universität Wien Medizin studiert zu haben.[11]
Vor dem Wiener Strafbezirksgericht I äußerte Hodys im Jahr 1928, dass sie „vor ungefähr acht Jahren“, als damals 17-Jährige, in Italien einen gewissen Rainerio di Lorenzo geheiratet habe und sich seither berechtigt fühle, diesen Nachnamen zu führen, allerdings seitens ihrer Mutter keine Zustimmung erteilt worden sei, weshalb die Ehe ungültig blieb.[12]
Kriminelle Karriere vor dem Zweiten Weltkrieg
Am 30. Juni 1928 musste sich Eleonore Hodys in Wien erstmals vor Gericht verantworten.[13] Sie hatte sich in den Monaten zuvor gegenüber einem jungen Beamten als „Dr. Eleonore Matagliano“ aus Como in Italien vorgestellt und behauptet, bei einer italienischen Handelsfirma angestellt zu sein, welche jedoch bereits seit Monaten ihr ausständiges Gehalt einbehalten würde, woraufhin ihr der Mann im Laufe der Bekanntschaft insgesamt 230 Schilling (100 Schilling-Stück 1928, etwa 21 g Feingold) geborgt hatte.[13][14][15] Nachdem sich „Dr. Matagliano“ nach Erhalt der geborgten Summe nicht mehr bei dem Mann gemeldet hatte, erstattete er bei der Polizei Anzeige, die sie unter ihrem richtigen Namen ermitteln konnte und zudem im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen bei Hodys zwei falsche Pässe, lautend auf „Maria di Lorenzo“ und „Dr. Maria Mateniano“, auffand. Als Hodys im Verlauf der Verhandlung durch den Vorsitzenden Richter auf die beiden Pässe angesprochen wurde, behauptete sie, im Dienste einer fremden Macht zu stehen. Aufgrund des fehlenden Nachweises einer Schädigungsabsicht der Angeklagten sowie deren Angaben, dass sie die beiden aufgefundenen falschen Pässe nicht in Österreich benutzt habe, wurde sie freigesprochen.[16]
Nachdem Hodys seit Ende Februar 1929 im Parksanatorium in Hütteldorf unter dem Namen „Maria di Lorenzo“ aus Palermo, Magistra der Pharmazie und Mitinhaberin einer großen Wiener Apotheke, residiert hatte, wurde sie dort im April 1929 festgenommen, nachdem sie dort ihre angehäuften Schulden in der Höhe von 200 Schilling nicht mehr hatte bezahlen können.[17] Ein Zeitungsartikel der Pharmaceutischen Post weist darauf hin, dass der akademische Grad der „Magistra der Pharmazie“ in Italien nicht vergeben werde.[16] Vor Gericht behauptete Hodys, die in letzter Konsequenz zu drei Wochen Haft verurteilt wurde, dass sie sich im Dienste einer italienischen Mission befände und außerdem bereits im November 1928 einen erfolglosen Suizidversuch durch Einnahme von Chinin unternommen habe, woraufhin sie in eine psychiatrische Klinik verbracht worden sei.[16][17]

Am 31. August 1929 wurde Hodys neuerlich verhaftet, nachdem sie, so der Vorwurf, in mehreren Wiener Hotels als in Girgenti geborene Italienerin bzw. aus Paris stammende Bankiersgattin „Ines Lang“ Schulden angehäuft und – ohne sie zu bezahlen – wieder verschwunden sei.[18] Auf dem Kommissariat brach Hodys plötzlich zusammen und wurde umgehend mit Vergiftungserscheinungen in das Wiedner Spital eingeliefert, konnte zuvor selbst den Beamten jedoch noch mitteilen, dass sie vierzig Chinin-Tabletten in suizidaler Absicht eingenommen habe.[19] Im Verlauf der Ermittlungen kam zu Tage, dass Hodys bereits drei Tage vor ihrer Verhaftung auf dem Polizeikommissariat Wieden fälschlicherweise eine Strafanzeige wegen Vergewaltigung gegen einen Zimmerkellner eines jener Hotels erstattet habe, in dem sie zuvor Unterkunft genommen hatte, ohne ihre Rechnung zu bezahlen.[20]

Ende Dezember 1929 wurde Hodys erneut in Wien durch die Kriminalpolizei verhaftet, nachdem sie sich als „Dr. Maria Ines Mattaliano“, Tochter des italienischen Gesandten in Bukarest, ausgegeben hatte und u. a. einem Kraftdroschkenlenker einen Betrag in der Höhe von 1.500 Schilling sowie einem Hochschüler einen Anzug im Wert von 250 Schilling entlockt hatte.[21] Im März 1930 wurde Hodys deshalb wegen Betruges, Diebstahl und Falschmeldung am Landesgericht Wien zu sechs Monaten schwerem Kerker verurteilt.[22][23]
Bereits im November 1930 trat Hodys in Wien unter dem Namen „Ines R., geborene Mattagliano“, Gattin eines Piloten, erneut strafrechtlich in Erscheinung, als sie verdächtigt wurde, eine Tänzerin bestohlen zu haben.[24][25] Im März 1931 wurde Hodys unter dem Namen „Inez Mattaliano“ nach dem Diebstahl eines Pfandscheins über eine goldene Uhr an einer Gerüstersgattin neuerlich im Wiener Bezirk Wieden festgenommen, wobei sie bei ihrer körperlichen Durchsuchung eine „Schluckbewegung“ unternahm und nachfolgend die Worte „Jetzt ist es geschehen!“ ausstieß, was den Verdacht einer Vergiftung wachrief. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie gar kein Gift genommen hatte.[26]
Im Juni 1936 wurde Hodys wegen Betruges am Landesgericht Wien abermals zu einer Woche Haft verurteilt.[27] Sie hatte, vorgeblich als die Ärztin „Dr. Ines Hodis-Mattaliano“, Tochter eines ausländischen Gesandten, einem Kaufmann über einen Zeitraum von zwei Jahren insgesamt 11.430 Schilling entlockt. Als der Geschädigte auf die Rückzahlung des gewährten Darlehens drängte, drohte Hodys ihm mit Selbstmord und täuschte ihm mehrmals Schwangerschaften vor, um dadurch weiteres Geld von dem Mann zu erhalten.[28] Laut den Zeugenaussagen eines Polizeirates und eines Rechtsanwaltes gelang es Hodys zumindest eine Zeit lang, durch ihr außergewöhnliches rhetorisches Talent sowohl Kriminalisten als auch Juristen zu täuschen.[27]
Im Oktober 1936 hatte sich Hodys als Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten „Dr. Alexandrine Fehringer“ in einem Gasthof in Oetz eingemietet und unter Vortäuschung falscher Tatsachen den Gastwirt um einen Betrag in der Höhe 400 Schilling betrogen. Im Verlauf ihres Aufenthaltes behandelte „Dr. Fehringer“ auch einen Bauernburschen, der an Krätze litt.[29] Bei der Verhaftung durch die Gendarmerie nahm Hodys scheinbar eine größere Menge Gift zu sich, woraufhin sie in ein Krankenhaus verbracht wurde, wo sich herausstellte, dass es sich bei der eingenommenen Substanz lediglich um Speisesalz gehandelt habe. Am Landesgericht Innsbruck wurde deshalb Eleonore Hodys im Dezember 1936, die bereits 1932 aus Tirol verbannt worden war,[30] zu einem Jahr schwerem Kerker verurteilt.[31]
Im Oktober 1938 befand sich Hodys in der Frauenstrafanstalt Lübeck-Lauerhof wegen Betruges „unter Ausnutzung des Parteiabzeichens“,[32] Betrugsversuch, falscher Titelführung und „evtl auch Heimtückegesetz“[33] in Haft. Laut eigenen Angaben wurde Hodys im Jahr 1939 vom Oberlandesgericht Hamm zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt und nach Verbüßung der Zuchthausstrafe am 5. Dezember 1941 als politische Gefangene in das Konzentrationslager Ravensbrück eingewiesen.[34][35]
KZ-Haft in Auschwitz
Eleonore Hodys kam am 26. März 1943 mit dem ersten Transport von 999 weiblichen Häftlingen vom KZ Ravensbrück in das Konzentrationslager Auschwitz.[36][35] Hodys wurde die Häftlingsnummer 223 zugeteilt.[37] Nach ihrer Ankunft im Stammlager wurde ihr durch die Aufseherin Johanna Langefeld ein eigener Raum im Block 4 zugewiesen.[36][38] Einige Tage später meldete sich Hodys freiwillig als Kunststickerin, woraufhin sie laut eigenen Angaben mehrmals in der Dienstvilla des Lagerkommandanten Rudolf Höß beschäftigt wurde und dort u. a. zwei Gobelins, ein Gobelinkissen in Seide, Bettvorleger und Decken anfertigte.[39]

Bunkerarrest im Stammlager
Im Zeitraum zwischen 16. Oktober 1942 und 25. Juni 1943[1][40] befand sich Hodys aufgrund einer begangenen „Indiskretion im Haus des Kommandanten“ im Kellerarrest des Kommandanturgebäudes[41] sowie später im sogenannten „Bunkerarrest“ auf Block 11 und sei ebenda auch zwischenzeitlich in eine Stehzelle des Arrestgebäudes verbracht worden.[42]
Laut dem Auschwitzüberlebenden und Historiker Hermann Langbein war Hodys ursprünglich in Birkenau in der Effektenkammer beschäftigt und sei, so Langbein, deshalb im Lager unter dem Namen „Brillanten-Nora“ bekannt gewesen.[43] Die Annahme, dass Hodys’ Inhaftierung im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit in der Effektenkammer stand, basiert im Grunde auf den Aussagen des ehemaligen KZ-Häftlings Hugo Breiden bei seiner Zeugenaussage im Rahmen des ersten Frankfurter Auschwitzprozesses sowie aus den Aufzeichnungen des Leiters der politischen Abteilung in Auschwitz, SS-Untersturmführer Maximilian Grabner:
„[Hodys] war eine sehr bekannte Frau, denn die hatte – ich glaube, in Birkenau – die Schmucksachen, Gold und Brillanten, unter sich gehabt und stand unter dem persönlichen Schutz von Obersturmbannführer Höß. Nebenbei möchte ich das noch sagen, das ist eine Frau gewesen, die hatte in ihrem Bunker drin eine Genehmigung: Sie hat eine Katze bei sich gehabt. Also ich habe in diesen 93 Tagen mit der Frau sehr viel gesprochen. Und der Zufall wollte es, dass wir genau auf denselben Tag aus dem Bunker herausgekommen sind. Und auf dem Weg von Auschwitz I nach Birkenau und der S[traf]k[ompanie] erfahre ich, dass neben mir die Frau, die von der SS mit uns begleitet hat, diese Frau war, die mit mir im Bunker war. Ich habe die nie gesehen. Nur an demselben Tag war das ein Zufall, dass wir beide abmarschierten,[40] und da sagt die zu mir: ‚Ihre Stimme kommt mir so bekannt vor, obwohl die unten in dem Dunklen anders geklungen hat.‘ Und da sage ich: ‚Sind Sie die Frau gewesen, soundso?‘ Da sagt sie: ‚Ja.‘“
„Die ehemalige Insassin Hodys: ca. 45 Jahre alt, Wienerin, war monatelang durch Höß’ persönlichen Befehl dem Arrest unterstellt. […] Sie gab an, dass sie im Hause Höß gearbeitet hätte und dort Schmuck und Brillanten hinbringen hatte müssen. Höß hätte sie eingesperrt, weil sie einmal hievon gesprochen hätte. […] Als ich Höß fragen konnte, […] was eigentlich mit der Hodys sei, […] erklärte Höß: ‚Ich habe befohlen und dies genügt. Kümmern Sie sich nicht um Häftlinge, die sie nichts angehen. Eine Entlassung kommt für diese nicht in Frage.‘ Bei der dritten Bitte um Vorsprache, wo inzwischen drei Monate vorbei waren, gab Höß seine Zustimmung zur Entlassung […].“
Nach ihrer Entlassung aus dem Block 11 wurde Hodys im Lager in Birkenau als Vermesserin und in der Küche eingesetzt.[46]
Verhältnis Höß–Hodys
Hodys selbst gab später zum Grund ihrer Bunkerhaft an, dass sie ein Verhältnis mit dem Lagerkommandanten Rudolf Höß gehabt habe, aus dem sogar eine Schwangerschaft resultiert sei.[47] Die Einweisung in den Arrest durch Höß persönlich habe den Zweck verfolgt, die schwangere Hodys dort verhungern zu lassen.[32] Der Kommandant habe, so Hodys, sodann Vorsorge getroffen, den Vaterschaftsverdacht auf den Kapo Franz Fichtinger (Häftlingsnummer 15.473)[48] zu lenken, den Hodys im Sommer 1944 als ihren Verlobten[49] bezeichnete.[41] Es gelang Hodys schließlich, eine Abtreibung im Birkenauer Krankenbau zu arrangieren:[50]


„[…] Es war damals eine Affäre aufgeflogen, in die eine meiner Patientinnen verwickelt war. Angeblich war sie die Geliebte des früheren Lagerkommandanten Höss gewesen, der sie, als sie schwanger war, neun Tage in den Wasserbunker gestellt haben soll, um sie samt dem Kind los zu werden. Sie lag bei mir mit einer wahrscheinlich tuberkulösen Knochenmarksentzündung. Sie war aber so verlogen, dass man nicht recht wissen konnte, was von ihren romantischen Erzählungen zu halten war, obwohl ihr Inhalt durchaus im Bereich des Möglichen lag. Jedenfalls handelte es sich um einander würdige Menschentypen. Infolge einer Intrige […] kam die Mär von dieser Angelegenheit nach Berlin und wurde nun von höchster Stelle untersucht.“
Ermittlungen im Fall Hodys
Einer Korruptionskommission unter der Leitung des SS-Sturmbannführers Konrad Morgen wurden um die Jahreswende 1943/44 seitens eines Denunzianten, in der Person des SS-Hauptscharführers Gerhard Palitzsch, Informationen zum Verhältnis zwischen Höß und Hodys zugetragen.[52] Auf Veranlassung des SS-Untersuchungsrichters Gerhard Wiebeck wurde Hodys im April 1944 auf Block 10 des Stammlagers Auschwitz verlegt, wo sie Zeugin von Menschenversuchen an Häftlingsfrauen unter der Leitung des Gynäkologen Carl Clauberg wurde.[34]
“In May 1944, Dering was already brought to Block 10 as a civilian by Clauberg’s private car to be confronted by the prisoner Nora Hodys. The case of Nora Hodys-Dering-Höss-Wirths was the work of the underground organization of prisoners in Auschwitz. It was staged in order to discredit Höss, the then Oberkommandant of The Auschwitz camp, and to put him at odds with other Germans of the camp. I played a significant role in this effort, Höss had to face disciplinary action to his closer relations with the female prisoner.”
„Im Mai 1944 wurde Dering bereits als Zivilist in Claubergs Privatwagen zu Block 10 gebracht, um dort mit der Häftlingsfrau Nora Hodys konfrontiert zu werden. Die Angelegenheit um Nora Hodys-Dering-Höss-Wirths war das Werk der Untergrundorganisation der Häftlinge in Auschwitz. Sie wurde inszeniert, um Höss, den damaligen Oberkommandanten des Konzentrationslagers Auschwitz, zu diskreditieren und ihn mit anderen Deutschen des Lagers in Konflikt zu bringen. Ich spielte bei diesem Vorhaben eine bedeutende Rolle. Aufgrund seiner engeren Beziehungen zu der weiblichen Häftlingsperson musste Höss mit disziplinarischen Maßnahmen rechnen.“
Die Ermittlungen gegen den ehemaligen Lagerkommandanten Höß führten dazu, dass Hodys im Juli 1944 in die Strafanstalt München-Stadelheim[32] überstellt wurde, wo sie durch Morgen im Oktober 1944 als Zeugin vernommen wurde.[50] Noch im Jahr 1964 bekräftigte Morgen die Glaubwürdigkeit der Aussage der Hodys bei seiner Zeugenaussage vor dem Frankfurter Schwurgericht:
„Der verheiratete Standartenführer Höß hatte ein Liebesverhältnis mit einer tschechischen [sic!] Häftlingsfrau namens Hodys begonnen, und der weibliche Häftling war schwanger geworden. Damit die Sache nicht rauskam, da hat er seine Geliebte in den Block 11 bringen lassen, in den Bunker. Und zwar dort in dem Keller befanden sich auch Stehbunker. Ich habe die später beseitigen lassen. Das waren Gelasse, so etwa einen bis anderthalb Quadratmeter groß. Und unten war ein kleines Loch, in das man nur reinkriechen konnte, und dort musste der betreffende Häftling stehen, solange es der Lagerleitung gefiel. Und im Falle Hodys, da hatte er sogar Anweisung gegeben, dieser Frau, die schwanger war, nichts mehr zu essen zu geben. Sie sollte da verhungern. Aber selbst Teile dieser entmenschten Wachen, die haben diesen Befehl nicht ausführen können. Sondern es fand sich ab und zu einer, der ihr was zu essen gab. So hat sie ihr kümmerliches Leben da weiter fristen können. Und aus dieser Marter befreite ich diese Frau.“

Infolge des nahen Kriegsendes sowie der Untätigkeit des zuständigen Gerichtsherrn Oswald Pohl wurde Höß erst nach Kriegsende, vor dem Obersten Nationalen Tribunal Polens, angeklagt.[55]
Nachkriegszeit
Noch im Mai 1945 – also kurz nach Kriegsende – wurde aus nicht bekannten Gründen Hodys‘ Aussage zu den Korruptionsermittlungen im KZ Auschwitz vom Oktober 1944 im Bericht der 7. US-Armee zum KZ Dachau aufgeführt.[56]
Im August 1947 wurde Hodys als Zeugin vor der Polnischen Kommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechen zu den Medizinversuchen in Auschwitz auf Block 10 vernommen.[34]
Im März 1949 forderte Hodys, alias Dr. Eleonore Mattaliano, bei der Internationalen Flüchtlingsorganisation (International Refugee Organization) in Genf einen angeblich ausstehenden Betrag in der Höhe von 1.600 US-Dollar ein, der ihr unter anderem für geleistete medizinische Dienste in einem Lager in Berlin im Zeitraum zwischen August bis Dezember 1948 zustehe.[57] Während die IRO erklärte, dass sie in ihren Büchern zu keinem Zeitpunkt eine Person mit diesem Namen geführt habe, erteilte das Office of Military Government for Germany (U.S.), im März 1949 folgende Auskunft:
“She was a D.P. in Berlin under the supervision of a local medical officer, Dr. Gold[f]arb. There were stories of her black market deals in penicillin – narcotics disappeared while she was there from the Dispensary. She was evicted from the D.P. Camp. She said she had been a prisoner in Auschwitz but it is believed she was not a prisoner but an employee – nothing can be proved but everything about her is suspicious and strange.”
„Sie war eine Displaced Person (DP) in Berlin unter der Aufsicht eines örtlichen medizinischen Beamten, Dr. Gold[f]arb. Es kursierten Berichte über ihre Schwarzmarktgeschäfte mit Penicillin – Betäubungsmittel verschwanden während ihrer Tätigkeit aus der Ambulanz. Sie wurde aus dem DP-Lager ausgewiesen. Sie erklärte, sie sei Gefangene in Auschwitz gewesen, doch man glaubt, dass sie dort nicht als Häftling, sondern als Angestellte tätig war. Nichts davon kann bewiesen werden, aber alles an ihr erscheint verdächtig und ungewöhnlich.“
Im Januar 1955 musste sich Hodys vor dem Landesgericht Salzburg wegen Betruges verantworten, nachdem sie mehreren Leuten unter dem Vorwand, sie habe eine KZ-Entschädigung von etwa 38.000 Schilling zu erwarten, Bargeldbeträge in der Höhe von 2.500 Schilling entlockt hatte, und wurde deshalb zu einem Jahr schwerem Kerker verurteilt.[58]
Eleonore Hodys scheint im Gewerbeverzeichnis der Stadt Salzburg des Jahrgangs 1958 unter dem Namen „Dr. Eleonore Hodys“ als Dolmetscherin auf.[59]
Laut dem Enkel des ehemaligen Lagerkommandanten von Auschwitz, Rainer Höß (* 1964), der eine nicht unumstrittene Bekanntheit erlangte,[60][61] starb Hodys im Jahr 1964.[62]