Elf Bagatellen

Musikalbum des Schlippenbach Trio um den Pianisten Alexander von Schlippenbach From Wikipedia, the free encyclopedia

Elf Bagatellen ist ein Musikalbum des Schlippenbach Trio um den Pianisten Alexander von Schlippenbach. Die am 27. Mai 1990 im FMP-Studio Berlin entstandenen Aufnahmen erschienen am 11. Dezember 1990 auf Free Music Production. 2026 wurde das Album als Doppel-LP und Download auf dem Label Cien Fuegos wiederveröffentlicht.

Veröffent-
lichung

1990

Aufnahme

1990

Format(e)

2LP, CD, Download

Schnelle Fakten Studioalbum von Schlippenbach Trio, Veröffent-lichung ...
Elf Bagatellen
Studioalbum von Schlippenbach Trio

Veröffent-
lichung

1990

Aufnahme

1990

Label(s)

Free Music Production

Format(e)

2LP, CD, Download

Genre(s)

Jazz, Neue Improvisationsmusik

Titel (Anzahl)

11

Länge

1:09:51

Besetzung

Produktion

Jost Gebers

Chronologie
Detto Fra di Noi
(1983)
Elf Bagatellen Physics
(1993)
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Hintergrund

Das wegweisende Schlippenbach Trio – bestehend aus dem deutschen Pianisten Alexander von Schlippenbach, dem britischen Sopran- und Tenorsaxophonisten Evan Parker und dem deutschen Schlagzeuger Paul Lovens – nahm mit Elf Bagatellen erst sein zweites Studioalbum während seines Bestehens auf – nach Pakistani Pomade (1972) fast zwanzig Jahre zuvor.[1] Das Trio spielte auf seinem Album Elf Bagatellen freie Improvisationen, insgesamt acht Triostücke, zwei Solowerke für Piano (die diese einrahmen) und ein Solostück für Saxophon.[2] Der Albumtitel ist eine Anspielung auf Ludwig van Beethovens11 Bagatellen für Klavier“ (op. 119).[3]

Elf Bagatellen erschien ursprünglich 1990 bei FMP, 2010 in einer remasterten Version des Gitarristen und Toningenieurs Olaf Rupp für FMP und wurde 2026 für die erste Vinyl-Veröffentlichung vom Gitarristen und Toningenieur Martin Siewert für das Wiener Label Cien Fuegos (ein Sublabel von Trost Records) erneut remastert. Auch die Neuauflage enthält die Original-Liner Notes des deutschen Musikwissenschaftlers und Musikkritikers Wolfgang Burde,[3] die schon der ursprünglichen CD beigelegt war.

Titelliste

Evan Parker und Paul Lovens bei einem Auftritt des Schlippenbach Trio im KULT, Niederstetten
  • Schlippenbach Trio: Elf Bagatellen (FMP – FMP CD 27)[4]
  1. Aries (Schlippenbach) 2:17
  2. Beelzebub’s Tales: Revised 2:27
  3. The Forge: Rebellowed 12:54
  4. Analogue: Scaled 9:48
  5. Resurrection of Yarak 8:25
  6. K. K. Maximus (Evan Parker) 2:47
  7. Yarak: Reforged 9:39
  8. Elster-Werda Nocturno 2:25
  9. Sun-Luck: Revisited 16:32
  10. Bovist 2:46
  11. Fux (Schlippenbach) 1:32

Wenn nicht anders vermerkt, stammen die Kompositionen von Alexander von Schlippenbach, Evan Parker und Paul Lovens.

Rezeption

Das Schlippenbach Trio im Kult Niederstetten

Peter Bastian stellte in seiner Besprechung des Albums für das Jazz Podium 1991 fest, dass sich die Musiker des Trios in den letzten 20 Jahren weiterentwickelt hätten. „Sie gehen liebevoller mit einem um, aufregende Klangkaskaden und ruhige nachdenkliche Momente miteinander verbindend.“ In verhaltenen Balladen, wie dem einleitenden „Aries“ schlichen sich Lovens einfühlsame Besen ebenso wie Parkers ostinates Sopran ein. In dem 13-minütigen „The Forge Rebellowed“ würden Schlippenbach und Parker sanft Dialog miteinander führen, während Lovens eruptiv akzentuiere. Das Stück gipfele in virtuosen, gemeinsamen Ausflügen, wobei alle drei solistisch brillieren. „Diese CD zeigt in besonders überzeugender Weise, was im europäischen Free-Jazz heutzutage möglich ist.“[5]

Art Lange urteilte im Down Beat, dass mit Elf Bagatellen dem Schlippenbach Trio ein perfekter Kompromiss gelinge. Die Entdeckungslust – die Selbstentdeckung der Musiker, während sie sich mit ihren jeweiligen Instrumentaltechniken der Musik widmen und diese an den Hörer weitergeben – sei spürbar. Die fragmentierten Linien des Saxofonisten Evan Parker würden in unbekannte Gefilde vordringen, während Pianist Alex von Schlippenbach und Perkussionist Paul Lovens zusammenwirkten und die Form ihrer fließenden Klangwelten mit Bedacht veränderten. Von extremen Ausbrüchen bis hin zu stiller Introspektion könne die Musik komplex und unberechenbar sein; je vertrauter man mit ihrer einzigartigen Tonsprache sei, desto besser erschließe sie sich. Doch auch für Neulinge sei dies ein guter Einstieg – erfahrene Hörer würden schlichtweg begeistert sein.[6]

Eugene Chadbourne stellte in seiner Besprechung der Elf Bagatellen für Allmusic fest, dass die Länge der einzelnen Stücke die eigentliche Überraschung „dieser wunderbaren CD mit kraftvollem, zeitgenössischem Jazz“ sei. Üblicherweise höre man vom Schlippenbach-Trio so kurze Stücke meist nur als Zugabe. Es sei ein tolles Konzept, dass sie elf ihrer eigenen Mini-Bagatellen aufgenommen hätten. Das sei ein erstklassiges Hörerlebnis bei einer Gruppe mit so viel Einfühlungsvermögen. „Hier finden sich ein halbes Dutzend Stücke zwischen einer und zwei Minuten Länge, und diese ultrakurzen Stücke sind wie musikalische Glückskekse – ihre Prophezeiungen werden wahr.“[7]

Todd S. Jenkins meinte zu Elf Bagatellen in seinem Werk Free Jazz and Free Improvisation, dass Schlippenbachs Interpretation von „Aries“ erkennen lasse, dass er direkt der Monk-Schule des Jazzpianos entstamme: Er spiele wuchtige Akkorde und regelmäßig verzerrte Melodielinien in steifen Tempi. Parker setze „The Snake“ gekonnt ein, und im Hintergrund kommentiere, stolpere Lovens und steigere sich zu einem gewaltigen Beckenwirbel. Die Pausen seien hier nicht so weitläufig wie in manchen Projekten der AACM, da die Musiker schnell neue Ideen entwickeln und diese forsch einbringen würden.[2]

Richard Cook & Brian Morton verliehen dem Album in The Penguin Guide to Jazz on CD die Höchstnote von vier Sternen, nicht nur wegen des deutlich verbesserten Klangs [gegenüber der ursprünglichen Ausgabe], sondern auch wegen der schieren, unerbittlichen Intensität der Darbietungen des Trios. Zudem fungiere es als eine sehr bewusste Zusammenfassung der fast zwei Jahrzehnte währenden Karriere des Trios. Es sei, unvermeidlich, eher vorbestimmter als eine spontanere Darbietung, und überall seien Melodiefragmente verstreut. Doch Parker und Lovens hätten niemals besser zusammen gespielt, „und falls Schlippenbach stellenweise etwas zurückhaltend wirkt, so macht der Reichtum des Klangs einen leichten Rückgang der Pulsfrequenz mehr als wett“.[8]

Die Elf Bagatellen würden von minimalistischen Miniaturen eingeleitet und beschlossen, doch die übrigen Stücke seien komplex, intensiv, hochkreativ und völlig spontane Dialoge zwischen Schlippenbach, Parker und Lovens – mal miteinander, mal gegeneinander, meint Eyal Hareuveni (Salt Peanuts). Diese Stücke würden das poetische, fast telepathische Zusammenspiel des Trios unterstreichen; sie flössen organisch, fänden trotz der oft sprunghaften Dynamik beinahe augenblicklich zu freien Formen und klängen frisch, inspirierend und tiefgründig. Das Trio würden ein eigenes visionäres musikalisches Universum entwerfen, genährt von der langjährigen Erfahrung der Musiker im Free Jazz, bestehe aber auf einem völlig freien Idiom, das auf feste Themen oder rhythmische Muster verzichtet. Elf Bagatellen biete 75 Minuten (sic!) meisterhafte, beglückende Freiheit.[3]

Einzelnachweise

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