Elfchen

kurzes Gedicht aus elf Wörtern, die in einer bestimmten Form auf fünf Verszeilen verteilt werden From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein Elfchen ist ein kurzes Gedicht mit einer vorgegebenen Form. Es besteht aus elf Wörtern, die in festgelegter Folge auf fünf Verszeilen verteilt werden. Für jeden Vers wird eine Anforderung formuliert, die (je nach gegebenenfalls vorhandener didaktischer Vorgabe) variiert werden kann.

Das Elfchen wurde in den 1980er Jahren im Amsterdamer Taaldrukwerkplaats erstmals in den Niederlanden eingeführt. 1988 wurde es auf einem Workshop zu kreativem Schreiben in Aachen von dem niederländischen Theaterwissenschaftler und Schriftsteller Jos von Hest vorgestellt und deutschsprachigen Pädagogen bekannt gemacht.[1][2]

Aufbau und Verwendung

Typischerweise sieht der Aufbau eines Elfchens so aus:

Weitere Informationen Zeile, Wörter ...
Zeile Wörter Inhalt
1 1 Ein Gedanke,
ein Gegenstand, eine Farbe, ein Geruch o. ä.
2 2 Was macht das Wort aus Zeile 1?
3 3 Wo oder wie ist das Wort aus Zeile 1?
4 4 Was denkst du?
(Über das Wort in Zeile 1 / das allgemeine Thema)
5 1 Fazit: Was kommt dabei heraus?
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Das Elfchen findet vor allem im Grundschulunterricht, aber auch an weiterführenden Schulen sowie im Fremdsprachenunterricht Verwendung. Pädagogisches Ziel ist, die Schüler über das eigene Dichten sowohl zu Kreativität als auch zu Mitteilsamkeit anzuregen. Nebenbei wird in spielerischer Weise auch das Einhalten von Regeln vermittelt.

Die Methode wird auch in der Bildungsarbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen, ebenso wie in der religiösen Bildungsarbeit, eingesetzt. Sie kann dabei als Einstieg in ein Thema dienen oder im Rahmen einer Schreibwerkstatt eingesetzt werden. Das Elfchen eignet sich neben dem Brainstorming auch als Kreativitätsmethode, um den Horizont zu weiten, wenn eine Sitzung oder Planung nicht mehr weiter kommt.

Die Deutsche Nationalbibliothek prämierte zu ihrem 111ten Jubiläum 100 Elfchen.[3]

Beispiele

Spätsommer
Goldenes Licht
Sonne verströmt Wärme
Fülle der Früchte lockt
Dankbarkeit

Reife
Sommerliches Nachklingen
Herbst naht unaufhaltsam
Mein Leben schwingt mit
Öffnung

Stille
Intensives Da-Sein
Erde duftet herb
Höhepunkt des Jahres schwindet
Sehnsucht

Diese drei Elfchen sind zudem in ihrer Gesamtheit ein Gedicht, dabei ist jedes Einzelne eine Strophe. Sie entstammen einer Schreibwerkstatt.

Siehe auch

Literatur

  • P. Hiebel, C. Stopfel: Elf Wörter brauchst Du nur. In: Grundschulmagazin. (3) 1998
  • I. Weigel: Motivierende Schreibanlässe im zweiten und dritten Schuljahr. In: L. Blumenstock, E. Renner (Hrsg.): Freies und angeleitetes Schreiben. 4. Auflage, Basel 1996
  • U. Marbot, Pfr. S. Stucki: Mit Freude schreiben – Tag für Tag. 2012. (Inhalt: Elfchenbeispiele und Anleitung zum Selberschreiben)
Wiktionary: Elfchen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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