Elise Boulding
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Elise M. Boulding (* 6. Juli 1920 in Oslo; † 24. Juni 2010 in Needham, Massachusetts; geborene Biorn-Hansen) war eine norwegisch-amerikanische Soziologin und Pazifistin. Sie gilt als eine der Begründerinnen der Friedensforschung. Für ihre Arbeiten, in denen sie vor allem die Rolle von Frauen und Familie im Friedensprozess untersuchte, wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Boulding wurde 1990 für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen und 1996 in die Colorado Women's Hall of Fame aufgenommen.

Leben und Werk
Elise Boulding wurde 1920 in Oslo als älteste Tochter von Birgit Marianne Johnsen und Josef Biorn-Hansen geboren. Aufgrund der schweren Wirtschaftskrise in Norwegen emigrierte ihre Familie 1923 in die Vereinigten Staaten. Ihr Vater fand eine Stelle als Ingenieur in New Jersey.[1]
Boulding studierte zunächst Englisch und machte 1940 ihren BA am New Jersey College for Women (heute Douglas College at Rutgers). Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und die deutsche Invasion Norwegens 1940 prägten sie nachhaltig. Ihre Mutter hatte ihr das Bild einer friedlichen, Geborgenheit bietenden Heimat vermittelt.[2] Nun gewann sie die Überzeugung, dass Gewalt nicht die Antwort auf die Probleme der Welt sein konnte und dass, wenn selbst dieses friedliche Land gefährdet war, Gewalt wirklich ein systemisches Weltproblem war. Sie beteiligte sich aktiv an Antikriegsaktivitäten und schloss sich der pazifistischen Religionsgemeinschaft der Quäker an. In der Gemeinde lernte sie ihren späteren Mann Kenneth Boulding kennen, damals bereits ein angesehener Ökonom[3].
1949 erhielt Boulding einen Master-Abschluss in Soziologie am Iowa State College und 1967 einen Ph.D. in Soziologie an der University of Michigan. Sie lernte die Soziologin und spätere Friedenspreisträgerin Alva Myrdal kennen, die ihr Denken hinsichtlich der Rolle von Frauen stark beeinflusste.[1.1] Auch die Anthropologin Margaret Mead zählte zu ihren Mentorinnen.[2.1]
Mit Kenneth Boulding, den sie 1941 geheiratet hatte, war sie zunächst nach Princeton gezogen, wo ihr Mann beim Völkerbund arbeitete. Nachdem er diese Stelle 1944 wegen seiner pazifistischen Aktivitäten verloren hatte, ging er als Professor an die University of Michigan und später die University of Colorado at Boulder. Elisa Boulding begleitete ihn und widmete sich in dieser Zeit der Erziehung ihrer fünf Kinder, neben ihrem Soziologiestudium.[2.2] Gleichzeitig war sie auf verschiedenen Ebenen als Friedensaktivistin tätig, bemühte sich um Verständigung und Vernetzung.
In den 1960er Jahren kandidierte Boulding als Vertreterin der Peace Party für den amerikanischen Kongress und unterstützte Initiativen gegen den Vietnamkrieg. Sie entwickelte jedoch ihre eigene feministische Perspektive, die über eine reine Protesthaltung hinausging. Ihrer Auffassung nach kam Frauen die umfassende Aufgabe zu, Frieden konstruktiv zu verstehen und eine positive Gesellschaftsvision zu entwickeln.[4]
Boulding hatte viele Führungspositionen in Friedensorganisationen inne. In der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (WILPF) war sie seit 1961 aktiv, zu einer Zeit, als sie sich am Center for Conflict Resolution der Universität Michigan in die Friedens- und Konfliktforschung einarbeitete. 1967 wurde sie zur Vorsitzenden gewählt und setzte sich weltweit für Friedensforschung und Bildung ein.[1.1] 1964 gründete sie zusammen mit den Friedensforschern John Burton und Johan Galtung die International Peace Research Association (IPRA). Es gelang ihr, die ersten Lehrpläne für Frauenstudien, Friedensstudien und Zukunftsstudien an der Universität Boulder, Colorado, und am Dartmouth College zu etablieren, wo sie zwischen 1967 und 1985 unterrichtete.[3.1] Für die UNESCO war sie im Rahmen des Programms Cultures of Peace gemeinsam mit ihrem Mann beratend tätig.[2.1]
Ein besonderes Anliegen war Boulding die Friedenserziehung.[3.2] Die von ihr entwickelte Methodik zur Vermittlung und Verbindung von Forschung, Bildung und Handeln baute auf dem Werk des niederländischen Zukunftsforschers Fred Polak auf. Sie verfasste zahlreiche Artikel und Bücher, in denen sie ihr umfassendes Verständnis von Friedensforschung als Friedenskultur, die Notwendigkeit der organisatorischen Etablierung und curricularen Verankerung in Studiengängen darlegte.
1990 wurde Boulding von American Friends Service Committee für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.[5] Für ihr Lebenswerk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Distinguished Career Award der American Sociological Association.[6]
Ausgewählte Publikationen
- The Underside of History: A View of Women through Time, Westview Press, New York 1976, ISBN 0-89158-009-3.
- Women in the Twentieth Century World, Halsted, New York 1977
- Children's Rights and the Wheel of Life, Transaction, New Brunswick 1979
- Building a Global Civic Culture: Education for an Interdependent World, Teachers College Press, New Yourk 1988
- One Small Plot of Heaven: Reflections on Family Life by a Quaker Sociologist, Pendle Hill Press, Philadelphia 1989
- Cultures of Peace: The Hidden Side of History, Syracuse University Press, Syracuse 2000
- (mit Daisaku Ikeda:) Into Full Flower: Making Peace Cultures Happen, Dialogue Path Press, 2010
Weblinks
- Schumacher Center for New Economics: Elise M. Boulding
- Mary Lee Morrison, Remembering Elise Boulding: The Legacy of Her Journaling, Friend's Journal, 1. Dezember 2011
- Bücher und Artikel von Elise Boulding in der digitalen Bibliothek der UNESCO