Elizabeth Balfour, Countess of Balfour
britische Frauenrechtlerin
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Elizabeth (Betty) Edith Balfour, Countess of Balfour, geborene Bulwer-Lytton (* 12. Juni 1867 in Hyde Park Gate, Kensington, London; † 28. März 1942 in Fisher’s Hill, Woking, Surrey) war eine englisch-britische Frauenrechtlerin, Politikerin und Autorin. Als überzeugte Konservative amtierte sie als Dame President der Woking Habitation der Primrose League und war Gründungsmitglied und Präsidentin der Conservative and Unionist Women’s Franchise Association. Nachdem dem Scheitern der Conciliation Bill von 1910 im Unterhaus, unternahm sie eine Vortragsreiswar sie die erste Frau im Woking Borough Council.[1]

Leben
Balfour war die älteste Tochter von Robert Bulwer-Lytton, 1. Earl of Lytton, Dichter und Diplomat, und Edith Villiers, einer Hofdame von Königin Victoria. Balfour war das zweite von sieben Kindern. Zu ihren Geschwistern gehörten Constance Bulwer-Lytton, Emily Lutyens, Victor Bulwer-Lytton, 2. Earl of Lytton, und Neville Bulwer-Lytton, 3. Earl of Lytton. Väterlicherseits war sie eine Enkelin von Edward Bulwer-Lytton, 1. Baron Lytton, und Rosina Bulwer-Lytton, sowie eine Urenkelin der Frauenrechtlerin Anna Doyle Wheeler. Mütterlicherseits war sie eine Urenkelin von George Villiers und Theresa Parker, einer Großnichte von George Villiers, 4. Earl of Clarendon, und eine Nichte von Henry Loch, 1. Baron Loch, dem Ehemann der Zwillingsschwester ihrer Mutter.[2][3]
Während Balfours Kindheit war ihr Vater als Diplomat in Lissabon, Madrid und Wien stationiert. Sie und ihre Schwestern wurden von Gouvernanten unterrichtet. 1876 wurden ihre Eltern zum Vizekönig und zur Vizekönigin von Indien ernannt, und die Familie zog nach Indien. Ihr Vater hatte 1873 den Titel 2. Baron Lytton geerbt und wurde nach seinem Rücktritt als Vizekönig 1880 zum Earl of Lytton erhoben, wodurch Balfour das Recht erhielt, das Höflichkeitsprädikat Lady zu führen. Die Familie kehrte noch im selben Jahr aus Indien zurück und bezog den Familiensitz Knebworth House in Hertfordshire. Ihr Vater diente später als britischer Botschafter in Frankreich. Als Reisebegleiterin ihres Vaters übernahm Balfour viele der gesellschaftlichen Pflichten ihrer Mutter als Gastgeberin.[2][3][4]
1887 heiratete sie Gerald Balfour, einen schottischen Aristokraten und konservativen Unterhausabgeordneten. Ihr Ehemann war der Bruder des späteren Premierministers Arthur James Balfour, 1. Earl of Balfour, und ein Neffe des Premierministers Robert Gascoyne-Cecil, 3. Marquess of Salisbury.[2][3] Ein weiterer Bruder ihres Mannes, der Architekt Eustace Balfour, heiratete Frances Campbell, die zu Balfours engen Freundinnen zählte und in der Frauenwahlrechtsbewegung aktiv war.[5] Ihr Ehemann bekleidete das Amt des Chief Secretary for Ireland sowie das des President of the Board of Trade. Das Paar hatte fünf Töchter und einen Sohn:[1]
- Lady Ruth Balfour († 1967), ⚭ 1914 Brigadier Edward William Sturgis Balfour, 9. Laird of Balbirnie (1884–1955);
- Lady Eleanor Balfour (1890–nach 1980), ⚭ 1917 Hon. Galbraith Lowry Egerton Cole (1881–1929);
- Lady Mary Edith Balfour (1894–1980);
- Lady Evelyn Barbara Balfour (1898–1990);
- Robert Arthur Lytton Balfour, 3. Earl of Balfour (1902–1968), ⚭ 1925 Jean Lily West Roundel Cooke-Yarborough (1900–1981);
- Lady Kathleen Constance Blanche (1912–1996), ⚭ 1933 Richard Charles Oldfield († 1972).
1900 zogen sie nach Woking, Surrey. Sie beauftragten Edwin Lutyens, den Schwager Balfours, mit dem Entwurf eines Landhauses in Woking. Die Gärten wurden von Gertrude Jekyll gestaltet. 1901 bezogen die Balfours das Haus Fisher Hill. Dort veranstalteten sie zahlreiche gesellschaftliche und musikalische Zusammenkünfte und Empfänge. Sie wurden Teil des elitären sozialen und intellektuellen Kreises The Souls. Balfour war eine begabte Musikerin und enge Freundin der Komponistin und Suffragistin Ethel Smyth, die eine Nachbarin war.[2][3]
Balfour war politisch sehr aktiv und Mitglied der konservativen Vorfeldorganisation Primrose League. Als Befürworterin des Frauenwahlrechts trat sie der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS) bei. Sie glaubte an die Bedeutung der Frauenbildung und ermutigte alle ihre Töchter zu einer akademischen Ausbildung; ihre älteste Tochter unterstützte sie bei der Ausbildung zur Ärztin, eine jüngere Tochter beim Studium der Landwirtschaft an der Universität Reading.[3][4]
1908 gründete sie gemeinsam mit Maud Palmer, Countess of Selborne, Alice Blanche Balfour, Evelyn Balfour, Baroness Rayleigh, Lady Eleanor Cecil, Augusta Spencer‑Churchill, Thomazine, Lady Lockyer, Mary Brabazon, Countess of Meath, Madeline Brodrick, Viscountess Midleton, Jane, Lady Strachey, Constance Jones, Margaret Tuke und Louisa Twining die Conservative and Unionist Women’s Franchise Association.[3] Später wurde sie Präsidentin der Association in Edinburgh. Zudem amtierte sie als Vizepräsidentin des International Women’s Franchise Club.[2]
Balfour trat 1910 als Dame President des Woking-Zweigs der Primrose League zurück, nachdem der konservative Abgeordnete Donald Macmaster die Conciliation Bill abgelehnt hatte. Im Namen der Conservative and Unionist Women’s Franchise Association trat Balfour in ganz Großbritannien als Rednerin auf, darunter in Kendal, Penzance, Gloucester und Ulster. 1913 sprach sie in Worcestershire, Lancashire, Cheshire, Shropshire, Staffordshire und Gloucestershire. Ihre Schwägerin Lady Frances Balfour erklärte, dass Balfours Weg, konservative Führungspersönlichkeiten offen zur Unterstützung des Frauenwahlrechts aufzufordern, zu den schwierigsten Aufgaben der Frauenwahlrechtsbewegung gehöre.[2][3]
Balfour stand der Women’s Social and Political Union (WSPU) unterstützend gegenüber[6] und leitete 1911 eine Versammlung in Nairn, auf der Emmeline Pankhurst als Hauptrednerin auftrat. Sie lehnte jedoch die gewaltsamen Aktionen der WSPU ab und sammelte Gelder für den Wiederaufbau, nachdem die mittelalterliche Whitekirk Parish Church in East Lothian vorgeblich von Suffragetten in Brand gesetzt worden war.[2][7]
Im April 1919, kurz nach Inkrafttreten des Representation of the People Act 1918, der Frauen in Großbritannien das Wahlrecht einräumte, wurde als erste Frau in den Woking Borough Council gewählt und vertrat dort den St John’s Ward.[3][8]
Balfour verfasste eine Darstellung der Amtszeit ihres Vaters in Indien unter dem Titel The History of Lord Lytton’s Indian Administration, 1876 to 1880, die noch vor seinem Tod im Jahr 1891 entstand.[2] 1894 veröffentlichte sie eine Auswahl seiner Gedichte und gab 1906 The Personal and Literary Letters of Robert, First Earl of Lytton heraus.[4]
1910 veröffentlichte die Conservative and Unionist Women’s Franchise Association ihre Analyse einer Debatte im Unterhaus über die Women’s Franchise Bill. 1925 gab sie Letters of Constance Lytton, die Briefe ihrer Schwester, heraus.[3]
1930 beerbte ihr Mann seinem Bruder als 2. Earl of Balfour, wodurch sie den Höflichkeitstitel Countess of Balfour erhielt.[4]
Balfour starb 1942 in einem Cottage bei Fisher Hill an einem Magendurchbruch.[2][3] Sie ist auf dem Friedhof von Whittingehame in East Lothian beerdigt.[9]
Weblinks
- Lady Elizabeth Edith Bulwer-Lytton auf thepeerage.com