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Elize Baart

niederländische Feministin, Schriftstellerin und Rhetorikwissenschaftlerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Elize Baart (geboren 20. Juni 1854 in Middelburg; gestorben 13. Oktober 1879 in Groningen) war eine niederländische Feministin, Schriftstellerin und Rhetorikwissenschaftlerin.

Elize Baart

Leben

Elize Baart wurde am 20. Juni 1854 in Middelburg geboren. Ihr Vater war der Tuchhändler Kornelis Baart (1842–1897), ihre Mutter Wilhelmina Maria Beunke (1812–1896). Sie war die dritte von vier Töchtern und wuchs in einer gebildeten, bürgerlichen Familie in Middelburg auf. Ihr Vater stammte aus der Landwirtschaft und hatte sich zum Kaufmann hochgearbeitet, er prägte das kulturelle Leben in Middelburg. Er sorgte auch dafür, dass seine Töchter eine gute Ausbildung erhielten, zu der auch Fremdsprachenunterricht gehörte. Der belgische Schriftsteller Charles de Coster, der 1873 Zeeland bereiste, vermerkte in seinem Bericht, dass Elize Baart Autoren wie Corneille, Molière, Shakespeare, Schiller und Goethe in ihrer Muttersprache las. Ihr Vater legte auch Wert darauf, dass die Töchter auf eigenen Beinen stehen konnten, um nie gegen ihren Willen heiraten zu müssen.[1]

Vermutlich hörten Elize Baart und ihre Schwester Lucy einen Vortrag von Mina Kruseman, als diese im Dezember 1873 Middelburg bereiste und aus ihrer Novelle „Echtscheiding“ (Scheidung) las. Zu dem Zeitpunkt hatte Elize Baart, die 19 Jahre alt war, ihre erste Novelle vollendet. Es handelte sich um eine Geschichte über drei Schwestern, die die Ehe ablehnen und jeweils den Beruf als Übersetzerin, Sängerin und Lehrerin ergreifen. Baart nahm Kontakt mit Kruseman auf und ließ ihr die Novelle zukommen. Durch die Vermittlung von Kruseman erschien sie unter dem Titel „Emanzipiert“ in der Monatszeitschrift Europa. Dafür erhielt Elize Baart ein Honorar von 36 Gulden. Sie veröffentlichte zwei weitere Novellen in Eigenregie: „Koket“ (Kokette) und „Een oude jongejuffrouw“ (Eine alte junge Dame). Beide las sie im November mit einer Einleitung von Kruseman in der Amsterdamer Zeitung Frascati vor.[1]

Karriere

Baart spielte im Frühjahr 1875 die Hanna in Multatulis Vorstenschool (Fürstenschule). In dem Stück spielte Kruseman die Rolle der Königin. Die Kritiken dazu waren positiv und das Publikum war von der Leistung von Elize Baart begeistert. Jedoch war Multatuli nicht mit ihren Leistungen zufrieden und nach 26 Aufführungen ließ er Kruseman und Baart ersetzen. Danach kündigten diese an, ins Ausland zu ziehen, vermutlich nach Brüssel und ab November 1875 tourte Kruseman mit Baart und Hélène Gerritsen, einer weiteren Schülerin von Kruseman mit Krusemans dramatischer Skizze „Ein Blick in die Welt des Künstlers“ durch die Niederlande. Das Stück wurde verhalten aufgenommen, jedoch wurde die Leistung von Baart gelobt. Sie erhielt eine Einladung der Theatergesellschaft Nederlandsch Tooneel, die ihr für ein Engagement 1.500 Gulden im Jahr boten. Doch aufgrund der Bedingungen, die sie stellte, nur zwei Aufführungen pro Woche, nur in den Stadttheatern großer Städte, keine Stücke von Multatuli und weitere, scheiterten die Verhandlungen.[1]

Sie lernte den Lehrer an der Königlichen Militärakademie in Breda und Freidenker Bastiaan Pieter Korteweg (1849–1879) im Frühjahr 1876 kennen. Er verlor seine Stelle aufgrund seiner antimilitaristischen Ansichten. Im August gaben sie ihre Verlobung bekannt. Daraufhin schrieb die Presse, Baart wäre nun für die Bühne verloren. Doch Korteweg antwortete in einem Leserbrief im „Provinciale Groninger Courant“: Eine verheiratete Frau könne ein unabhängiges Leben führen. Als Multatuli von der Verbindung erfuhr, lud er Kruseman ein, zu ihm nach Wiesbaden zu kommen und zu arbeiten. Dies beendete die inzwischen jedoch auch angespannte Beziehung von Elize Baart zu Mina Kruseman. Elize Baart ging Ende 1876 auf Solotournee, doch es gab eine eher verhaltene Resonanz. Vermutlich fand ihr letzter öffentlicher Auftritt am 9. Dezember 1877 statt. Sie las im Konzertsaal des Niederländischen Theaters in Antwerpen ihre Novelle „Mathilde van Molenbeek“ über eine wohlhabende junge Frau, die nach einer unglücklichen Liebe beschließt, sich um psychisch Kranke zu kümmern, aber der schweren Arbeit erliegt. Danach veröffentlichte sie in dem Jahr noch in der Freidenkerzeitschrift „De Tolk van den Vooruitgang“, deren Herausgeber Korteweg war, ihre melodramatische Geschichte „Zwei zerstörte Leben“ über einen Grafen, der das Leben eines Dorfmädchens zerstört und erst zu spät Reue empfindet. Des Weiteren veröffentlichte sie „Drei Novellen“ (1878) und „Uit’s Levensstrijd“ (Aus dem Kampf des Lebens) in der Monatszeitschrift „Europa“ (1879). Auch ein Plädoyer für Verhütungsmittel in „De Werkmansbode“ erschien am 16. April 1879. Laut dem Historiker Hugo Röling war sie die erste Frau in den Niederlanden, die dies öffentlich tat.[1]

Hochzeit und Tod

Am 15. Februar 1879 heiratete Elize Baart in Middelburg Bastiaan Pieter Korteweg. Die Ehe blieb kinderlos. Sie zogen nach Groningen, dort arbeitete Korteweg als Börsenmakler, und hatten eine finanzielle Unterstützung von seiner Familie erhalten. In Groningen lebten sie in einer Pension und ließen sich ihre Lebensmittel liefern. Korteweg litt unter Depressionen. Sie tranken acht Monate später, am 13. Oktober 1879 ein mit Zyanid versetztes Glas Wein und starben in den Armen des anderen.[1]

Sie hatten einen Abschiedsbrief verfasst, in dem sie mitteilten, dass sie des Lebens müde seien und sich nach dem Nirwana sehnten. Der „Provinciale Groninger Courant“ kommentierte: „Arme Elize! Bedauernswerter Ehemann, der offenbar nicht allein sterben konnte.“ Auch Kruseman gab Korteweg die Schuld: Elize hätte ihn niemals heiraten sollen. Bekannt wurde Elize Baart als Mina Krusemans gescheiterte Schülerin. Eine Feministin, die sich mit emanzipatorischen Romanen und Vorträgen für Frauenrechte einsetzte, aber vor allem durch ihren tragischen Tod Berühmtheit erlangte. 1993 veröffentlichte Jeroen Brouwers die Broschüre „Zwei zerstörte Leben“ über das Leben und den Selbstmord des Ehepaars Korteweg-Baart. Darin bezeichnet er Elize Baarts Werk, es umfasst neun Novellen und einen unvollendeten Roman, als „nichts davon lesenswert“.[1]

Einzelnachweise

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