Ella Kroch
deutsche Ärztin und Opfer des Nationalsozialismus
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Ella Kroch (geb. Baruch; * 16. Juli 1896 in Karlsruhe; † 12. Mai 1942 in der Tötungsanstalt Bernburg) war eine deutsche jüdische Ärztin. Sie wurde im Februar 1940 bei einem Fluchtversuch verhaftet, im Mai 1940 ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert und 1942 im Rahmen der nationalsozialistischen Aktion 14f13 in Bernburg ermordet.

Leben
Ella Baruch wurde am 16. Juli 1896 in Karlsruhe als Tochter des Chasans und Religionslehrers Israel Baruch (geb. Kwiatkowsky, 1863–1932) und seiner Ehefrau Babette, geb. Würzburger (1859–1925), geboren. Sie wuchs in einem orthodox- jüdischem Elternhaus auf und erlangte das Abitur.[1]
Sie begann 1914/15 ein Chemiestudium an der Technischen Hochschule Karlsruhe, wechselte 1916 an die Universität Heidelberg und studierte ab Wintersemester 1916/17 Humanmedizin an der Universität Leipzig. Das Studium schloss sie im Sommer 1922 ab. Sie gehörte damit zu den ersten akademisch ausgebildeten Ärztinnen ihrer Generation in Deutschland.[2]
Am 16. Mai 1919 heiratete sie standesamtlich den Leipziger Bankier Hans Kroch; die jüdische Trauung fand zwei Tage später in der Talmud-Thora-Synagoge statt. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor[3]:
- Ruth (* 1920, † 1933, starb mit 13 Jahren an einer damals unheilbaren Krankheit)
- Jacob (Ernst) (* 1923, † 1948, gefallen im Israelischen Unabhängigkeitskrieg)
- Ilse (* 1925)
- Edith (* 1927)
- Hedda Hermine (* 1929)
Nach der Heirat widmete sich Ella Kroch dem Familienleben und führte einen koscheren Haushalt. Eine berufliche Tätigkeit als Ärztin nahm sie nicht auf. Sie engagierte sich in der jüdischen Gemeinde Leipzigs, unter anderem im Israelitischen Frauenverein, im Kindergarten der Gemeinde und im Jüdischen Kulturbund.[4]
Flüchtlingshilfe 1938
Nach der sogenannten Polenaktion im Oktober 1938 leitete Ella Kroch die Hilfsaktion im Polnischen Generalkonsulat in Leipzig und organisierte die Versorgung der etwa 1.300 dort Schutz suchenden polnisch-jüdischen Flüchtlinge mit Lebensmitteln, Decken und Zelten.[5]
Verfolgung und Ermordung
Nach den Novemberpogromen 1938 und der Arisierung des gesamten Kroch-Vermögens floh Hans Kroch im August 1939 mit den vier überlebenden Kindern nach Amsterdam (später Argentinien). Ella Kroch blieb zunächst zurück, um die Flucht zu decken und letzte Angelegenheiten zu regeln.
Im Februar 1940 wurde sie bei einem Fluchtversuch ohne Reisepass an der deutsch-niederländischen Grenze verhaftet, am 21. März 1940 nach Berlin überstellt und am 10. Mai 1940 in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück deportiert[6] (Häftlingsnummer 3743[7]).
Im März/April 1942 wurde sie im Rahmen der Aktion 14f13 in die Tötungsanstalt Bernburg überstellt und dort mit Kohlenmonoxid ermordet. Die Lagerkommandantur Ravensbrück gab offiziell den 12. Mai 1942 als Todesdatum an.[8]
Gedenken

Seit dem 24. Mai 2007 erinnert ein Stolperstein vor dem ehemaligen Wohnhaus Sebastian-Bach-Straße 53 in Leipzig an Ella Kroch.[9]
Literatur
- Hans-Otto Spithaler u. a.: Kroch – Der Name bleibt. Geschichte einer jüdischen Familie und ihres Unternehmens in Leipzig. Mitteldeutscher Verlag GmbH, Halle (Saale) 2018, ISBN 978-3-96311-007-8
Weblinks
- Ella Kroch (geborene Baruch) – Stadt Leipzig
- Stolperstein Ella Kroch – Stolperstein-Initiative Leipzig
- Gedenkbuch der Stadt Leipzig – Eintrag Ella Kroch
- Mitgliedskartei Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig – Arolsen Archives