Ellinika Chronika
erste regelmäßig veröffentlichte griechische Zeitung der Griechischen Revolution
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Die Ellinika Chronika (griechisch Ἑλληνικά Χρονικά, „Griechische Chroniken“) war eine während der Griechischen Revolution in Mesolongi erscheinende Zeitung.[1] Sie gilt als erste regelmäßig veröffentlichte griechische Zeitung des Unabhängigkeitskrieges und wurde von dem Schweizer Philhellenen Johann Jakob Meyer herausgegeben.[1][2] Die Publikation bestand von 1824 bis 1826.[3]

Geschichte
Die Zeitung erschien erstmals am 1. Januar 1824 in Mesolongi und wurde von dem Schweizer Philhellenen Johann Jakob Mayer gegründet. Die Initiative zur Gründung ging vom irischen Philhellenen Leicester Stanhope aus, der auch den Aufbau der Druckerei organisierte.[3]
Bis zum 20. Februar 1826 waren insgesamt 226 Ausgaben erschienen; 106 im Jahr 1824, 105 im Jahr 1825 und 15 in den ersten Wochen des Jahres 1826. Nach der Zerstörung der Druckerei durch ein französisch-ägyptisches Bombardement Ende Februar 1826 musste die Zeitung ihr Erscheinen einstellen.[3]
Inhalt
Griechische Revolution
Schon in ihrer ersten Ausgabe wies die Zeitung auf die Belastung des „nationalen Budgets“ durch das erste Unabhängigkeitsdarlehen von 800.000 Pfund hin und berichtete fortlaufend über die Darlehen von 1824 und 1825.[2] Darüber hinaus schilderte sie ausführlich die Ereignisse des Unabhängigkeitskrieges, die Verwaltung Westgriechenlands, Seeschlachten sowie insbesondere die zweite Belagerung von Mesolongi.[3]
Die Zeitung erschien in Katharevousa, einer konservativen Hochsprache, und führte als Leitspruch den Satz „Publicity is the very soul of justice“, der heute in der Journalistenvereinigung von Athen als Ehrung für Mayer angebracht ist.[3]
Am 16. Februar 1824 forderte sie, Griechenland solle die „weise Gesetzgebung der Amerikaner“ nachahmen, und am 21. Mai 1824 erklärte sie, die Vereinigten Staaten besäßen das beste Regierungssystem, da ihre Gesetze einfach und für alle verständlich seien.[1]
Internationaler Philhellenismus

Ellinika Chronika nahm eine wichtige Stellung im europäischen Philhellenismus ein, indem sie über Spenden, militärische Hilfe und die Tätigkeiten philhellenischer Gesellschaften, insbesondere aus Deutschland und der Schweiz, berichtete und so die internationale Solidarität mit dem griechischen Unabhängigkeitskampf festigte. Außerdem veröffentlichte sie Übersetzungen aus europäischen und amerikanischen Zeitungen, Regierungsproklamationen, Briefe von Philhellenen-Komitees sowie Kommentare und Leserbriefe.[3]
Auch in späteren Ausgaben übersetzte und kommentierte Ellinika Chronika Reden des US-Präsidenten James Monroe und berichtete positiv über die amerikanische Unterstützung der griechischen Sache. So übersetzte die Zeitung etwa am 16. und 27. Februar 1824 Monroes Ansprachen und betonte, dass alle Amerikaner den griechischen Freiheitskampf mit großem Eifer unterstützten. Am 14. Mai 1824 versicherte sie ihren Lesenden, die amerikanische Bevölkerung stehe geschlossen hinter Griechenland.[1]
Sie veröffentlichte zudem Nachrichten über private Spenden für den Freiheitskampf, darunter 7000 Florin aus den Niederlanden, 6500 Pfund aus Amerika und 1860 Pfund aus Kalkutta.[2]
Wirken
Die Zeitung sympathisierte mit dem Politiker Alexandros Mavrokordatos und vertrat eine liberale, republikanisch geprägte Linie.[1]
Ellinika Chronika machte die Praxis ausländischer Staatsdarlehen, die damals neuartig war, einer breiteren griechischen Leserschaft bekannt und trug zur öffentlichen Diskussion über staatliche Finanzierung und Schulden bei. Die Zeitung richtete sich vor allem an Abonnenten, doch gibt es laut heutigem Forschungsstand kaum Belege für eine weite Verbreitung in ruralen Gebieten, sodass ihr direkter Einfluss auf die aufständische Bevölkerung oder die griechische Diaspora nur schwer nachzuweisen ist.[2]
Ellinika Chronika trug dazu bei, liberal-demokratische Ideen in Griechenland zu verbreiten, indem sie die USA als politisches Vorbild darstellte und den amerikanischen Philhellenismus betonte. Sie fungierte als bedeutendes Sprachrohr für Bewegungen, die im Verlauf des Griechischen Unabhängigkeitskriegs ein republikanisches, nach dem Vorbild der USA ausgerichtetes Regierungssystem befürworteten.[1]