Elektronische Gegenmaßnahmen

Mittel der elektronischen Kriegsführung, die auf die Störung oder Täuschung des gegnerischen Radars oder vergleichbarer Systeme zielen From Wikipedia, the free encyclopedia

Elektronische Gegenmaßnahmen (EloGM; englisch electronic countermeasures – ECM, electronic attack – EA) sind neben den Elektronischen Schutz- (EloSM) und Unterstützungsmaßnahmen (EloUM) Teil des Elektronischen Kampfes (EK). Sie haben das Ziel, durch Anwendung elektromagnetischer Energie die wirksame gegnerische Nutzung des elektromagnetischen Spektrums zu verhindern oder einzuschränken.[1]

Zwei EA-6-Abstandsstörer mit je drei AN/ALQ-99-Behältern für EloGM

Kategorien

Die elektronischen Gegenmaßnahmen umfassen „Stören“, „Täuschen“ und „Neutralisieren“:

  • Elektronisches Stören (englisch electronic jamming) ist absichtliches (Wieder-)Ausstrahlen oder Reflektieren elektromagnetischer Energie mit dem Ziel, den Gegner an der Nutzung seiner elektronischen Geräte und Systeme zu hindern oder darin zu beeinträchtigen.
  • Elektronisches Täuschen (englisch electronic deception) bezeichnet das absichtliche (Wieder-)Ausstrahlen, Verändern, Absorbieren oder Reflektieren elektromagnetischer Energie mit dem Ziel, den Gegner oder seine elektronischen Systeme abzulenken, irrezuführen oder zu verwirren.
  • Elektronisches Neutralisieren (englisch electronic neutralization) ist der absichtliche Einsatz elektromagnetischer Energie mit dem Ziel, gegnerische elektronische Geräte oder Systeme zeitweise oder auf Dauer funktionsunfähig zu machen.

Überblick

Das Russisches Krassucha-4 EW-System wird bei der Invasion in die Ukraine eingesetzt. Auswertefahrzeug links und Gerätefahrzeug rechts.

Vor der Anwendung von Gegenmaßnahmen ist es erforderlich, möglichst viele Informationen über die Anlagen zu erhalten, die beeinflusst werden sollen. Dies ist die Aufgabe der elektronischen Unterstützungsmaßnahmen (englisch electronic support measure – ESM). Hier wird alle von der Gegenseite ausgestrahlte elektromagnetische Energie aufgefangen, geortet und aufgezeichnet. Über die Auswertung wird die geeignete Gegenmaßnahme gewählt.

Zu stören sind meist Radaranlagen, seltener auch Funkverbindungen. Ist bei einer Funkverbindung die Verschlüsselung geknackt, kann neben Datenmüll auch Gromolo gesendet werden, um die gegnerische Kommunikation zu blockieren. Meist ist dies jedoch nicht der Fall, da Frequenzspreizung und Verschlüsselung dem im Wege stehen. Funkstörpanzer wie Hummel oder Flugzeuge zur elektronischen Kampfführung wie die EA-6B senden deshalb meist weißes Rauschen, damit das Funksignal am Empfänger im Rauschen des Störsenders untergeht.

Bei Radaranlagen gibt es eine Vielzahl an Störtechniken, welche unten (nicht vollständig) aufgelistet sind. Prinzipiell arbeiten die Störsender hier auf zwei verschiedene Arten: mit Sendeimpulsen (einspielen von Falschzielen) und mit weißem Rauschen (Maskierung vorhandener Ziele). Die aktive Auslöschung stellt einen Sonderfall dar, da zwar auch mit Sendeimpulsen gearbeitet wird (wenn das zu störende Radar kein Dauerstrichradar ist), allerdings auch die Erzeugung von Falschzielen möglich ist.

Das Prinzip der Störung durch Sendeimpulse ist einfach: Ein Impulsradar pingt in den Raum, und lauscht auf ein Echo. Der Störsender pingt das Radar nun permanent an und erzeugt so viele Echos, welche sich je nach Größe der Nebenkeulen über einen größeren Winkelbereich erstrecken können, wodurch das Radar nicht mehr weiß, welches Eingangssignal zum Sendeimpuls gehört. Dies erfolgt entweder direkt (Impulsantwortstörungen) oder indirekt (Ground Bounce), mit Phasenmanipulation (Cross-Eye, Cross-Polarisation), um eine Aufschaltung zu lösen (Gate Pull-Off), oder im Team (Blinking).

EA-18G Growler

Bei der Störung durch weißes Rauschen sendet der Störsender auf allen Frequenzen gleichzeitig, die vom gegnerischen Radar benutzt werden. Dadurch verschlechtert sich das Signal-Rausch-Verhältnis am Radar (die Empfängerempfindlichkeit sinkt), somit sinkt die effektive Reichweite des Radars. Je nach Größe der Nebenkeulen erstreckt sich der reduzierte Erfassungsbereich über einen größeren Winkelbereich. Da moderne Radare wie das AN/APG-63 die Sendefrequenz bei jedem Sendeimpuls wechseln, ist das Senden von Rauschen die effektivste Art der Radarstörung. Das macht Störflieger wie die Boeing EA-18 Growler nützlich, weil sie die effektive Reichweite von Radaren in einem bestimmten Winkelbereich reduzieren können (im Extremfall übersteuert der Empfänger des Radars, sodass es nutzlos wird). Allerdings gibt es meist den Fall, dass das Echo des Radars ab einer bestimmten Entfernung aus dem gesendeten weißen Rauschen herausragt. Diese Distanz wird als Durchbrennentfernung (englisch burn-through range) bezeichnet, unterhalb der Rauschstören das Radarziel nicht mehr verdeckt. Ursächlich hierfür ist die Tatsache, dass eine Halbierung der Entfernung zwar die Energiedichte des Störsignals vervierfacht, allerdings eine 16-fache Absenkung der Empfängerempfindlichkeit nötig wäre, um denselben Effekt zu erzielen.

Bei FMCW-Radaren arbeiten die Sender im Gegensatz zu einem Impulsradar während der Dauer des Messvorganges ununterbrochen, sodass die Störung durch Sendeimpulse wirkungslos ist. Rauschstören ist hier meist die einzige ECM-Lösung, wogegen FMCW-Radare durch ihre geringe Sendeleistung empfindlicher sind. Ferner können FMCW-Radare im Home-on-Jam-Modus von Flugkörpern wie AGM-88 HARM und Ch-31 leichter angesteuert werden.

Techniken

Einspielen von Falschzielen

Impulsantwortstörungen

Bei Impulsantwortstörungen wird im Empfänger des Radargerätes eine möglichst große Anzahl von Scheinzielen durch das Aussenden kurzer Impulse vorgetäuscht. Deren Folgefrequenz ist entweder nichtsynchron zur Impulsfolgefrequenz des Radargerätes, oder die Folgefrequenz ist synchron zur Impulsfolgefrequenz des Radargerätes, oder wird gar von dessen eigenem Sendeimpuls abgeleitet (englisch repeater jammer). Der zur Täuschung ausgesendete Impuls hat dann eine andere Entfernung, einen anderen Seitenwinkel und/oder eine andere Geschwindigkeit als das echte Zielzeichen. Bei Radargeräten mit automatischer Zielerkennung (Plotextraktor) kann der Prozessrechner schnell an die Grenze seiner Kapazität gelangen. Das seit den 1980er Jahren in vielen Ländern des ehemaligen Warschauer Vertrages lange eingesetzte Luftraumüberwachungsradar ST-68U kann bis zu 128 Zielzeichen automatisch verarbeiten, von denen wiederum nur 32 Ziele dann als echte Zielzeichen erkannt und automatisch gemeldet und begleitet werden. Wird der Verarbeitungskanal durch eine Vielzahl von Scheinzielen übersteuert, so gehen einige echte Zielzeichen verloren oder der Prozessrechner kann nicht mehr alle Ziele korrelieren.[2]

Digital Radio Frequency Memory (DRFM)

Modernerer digitaler Signalverarbeitung und hoher Rechnerleistung bedient sich die Technik des Digital Radio Frequency Memory (DRFM). Hier werden Sendeimpulse z. B. eines Radars empfangen und digital dupliziert. Das empfangene Signal wird dazu digitalisiert und gespeichert und kann anschließend bearbeitet und wieder abgestrahlt werden. Dadurch kann das Signal nahezu latenzfrei mit einer Dopplerverschiebung überlagert werden, um die Geschwindigkeitsmessung des Radars zu täuschen, oder gezielt in die Nebenkeulen des Radars gesendet werden, um ein Scheinziel an einer bestimmten Position zu erzeugen.[3]

Ground Bounce

Beim Ground Bounce wird ein gerichtetes Störsignal schräg auf den Boden gesendet, von dort reflektiert und gelangt in den Monopuls-Radarsucher einer Lenkwaffe. Für semi-aktive und aktive Raketen kommt die Wellenfront so aus Richtung des Bodens, sodass die Flugkörper im Home-on-Jam-Betriebsmodus (HOJ) in den Sinkflug gehen, bis diese mit dem Boden kollidieren. Der Störsender benötigt dafür eine gewisse Leistung, da die Streuverluste am Boden kompensiert werden müssen, und eine Richtbarkeit zumindest im Elevationswinkel. Die Nebenkeulen des Störsenders müssen ebenfalls gering sein, um einen direkten Anflug des Störers im HOJ-Modus zu verhindern.[4]

Cross-Eye

Monopuls-Antennen können mit nur einem Puls den Winkel zum Ziel bestimmen, da diese in der Regel vier Zuleitungen haben. Wenn das Radar einen Puls in den Raum sendet, und das Signal von einem Ziel rechts von der Antenne reflektiert wird, dann kommt die Wellenfront des Echos zuerst auf der rechten Seite der Antenne an, dann auf der linken. Aus der zeitlichen Differenz der empfangenen Signale kann der Winkel zum Ziel bestimmt werden, auf den sich die Antenne dann ausrichtet. Cross-Eye-Jamming manipuliert dieses Verfahren, indem das Ziel eine schräge Wellenfront erzeugt, sodass der Sucher ein Scheinziel verfolgt.[4]

Dazu werden zwei räumlich getrennte Sende- und Empfangsantennen benötigt, welche miteinander verbunden sind. Ein Pfad verschiebt sein empfangenes Signal mit einer Phase von 180°, um das Signal in Richtung des Radars auszulöschen. Phasen- und Amplitudenkontrolle sind in einem Pfad ebenfalls vorhanden, um die Repeater Jammer aufeinander abzustimmen. Dadurch wird sichergestellt, dass die Signale der beiden kohärenten Störsender dieselbe Amplitude und 180° Phasenverschiebung aufweisen, unabhängig vom Winkel zum Radar. Um erfolgreich zu sein, muss das Verfahren das wahre Echo des Zieles überdecken, wofür ein Störsignal-zu-Signal-Verhältnis von mindestens 20 dB erforderlich ist.[4]

Cross-Polarisation

Manche Monopuls-Radarantennen geben falsche Winkelinformationen aus, wenn das empfangene Signal gegenüber der Antennenpolarisation orthogonal polarisiert ist. Dadurch dreht sich die Monopuls-Antenne vom Signal weg, statt wie üblich zum Signal hin. Wenn die normal polarisierte Komponente den Anteil der orthogonal Polarisierten überwiegt, kann der Störsender allerdings im HOJ-Modus angeflogen werden. Um das zu verhindern, muss der Polarisationswinkel auf ±5° genau kontrolliert werden können. Planare Antennen und solche mit Polarisationsfiltern können mit Cross-Polarisation nicht gestört werden.[4]

Gate Pull-Off

Gate Pull-Off kommt dann zum Einsatz, wenn ein Radarsystem bereits ein Ziel erfasst hat. Um Störungen zu vermeiden und um das Signal-Rausch-Verhältnis zu verbessern, definiert das Suchsystem anhand des gemessenen Dopplereffekts ein kleines Entfernungs- (Range Gate) und Geschwindigkeitsfenster (Velocity Gate) und blendet alle eingehenden Signale außerhalb dieses Fensters aus. Mittels Range Gate Pull-Off (RGPO) und Velocity Gate Pull-Off (VGPO) wird nun versucht, die Signale so zu manipulieren, dass sich das Ziel scheinbar außerhalb des Fensters befindet, womit dann die Zielerfassung gebrochen wird und das Radar wieder in den Suchmodus umschalten muss, um das Ziel wiederzufinden.[5][6]

Um dies zu erreichen, wird die Impulsfolgefrequenz ermittelt und das eingehende Signal zunächst schwach und unverändert wieder abgestrahlt. Über die Zeit wird das abgestrahlte Signal so lange erhöht, bis es das Radarecho des Ziels übersteigt. Um einer Überlastung vorzubeugen, reduziert das Radar nun seine Empfindlichkeit, wodurch das Radarecho des Zieles im Hintergrundrauschen untergeht. Nun ist das Radar auf die Signale des Störsystems aufgeschaltet anstatt auf das Ziel. Als Nächstes wird ein weiteres Signal erzeugt, das verzögert zum ersten ausgestrahlt wird und ein Ziel mit einer anderen Geschwindigkeit simuliert. Das erste Signal wird nun kontinuierlich abgeschwächt, während das zweite immer stärker wird. Hierdurch schaltet das Radar auf das zweite Signal auf, dessen Geschwindigkeit immer weiter von der des Zieles abweicht. Das Geschwindigkeitsfenster bleibt hierbei auf dieses scheinbare Ziel fixiert, womit das Radarecho des wahren Zieles ausgeblendet wird. Wenn nun der Störsender seine Aktivität einstellt, verschwindet das Scheinziel und aufgrund des falsch definierten Geschwindigkeitsfensters kann das Radar nicht mehr auf das wirkliche Ziel aufschalten und muss wieder zurück in den Suchmodus. Idealerweise befindet sich am Ende des Prozesses das Fenster im Bereich anderer bewegter Objekte (z. B. Schleppstörsender oder Düppel), so dass das Radar auf diese aufschaltet und somit zumindest zeitweise neutralisiert ist.[5][6]

Blinking

Beim Blinking strahlen mehrere räumlich verteilte Störsender ein Monopuls-Radar zeitlich versetzt an. Das Radar wechselt deshalb schnell das Ziel. Läuft das Blinking schnell genug ab, kommt der Servo des Radars nicht mehr hinterher, und das Ziel geht verloren. Bei noch schnellerem Blinking wird das Monopuls-Radar die Störquellen mitteln, und einen Punkt zwischen diesen ansteuern.[4]

Maskierung vorhandener Ziele

Beim Rauschstören (englisch noise jamming) handelt es sich um eine sehr einfache Störform, weswegen sie bereits sehr früh eingesetzt wurde. Bei dieser Technik wird mittels weißem Rauschen versucht, das Signal-Rausch-Verhältnis des Empfängers so weit zu verschlechtern, dass er das ursprüngliche Signal nicht mehr empfangen kann. Hierbei gibt es verschiedene Ausprägungen des Noise Jammings. Die aktive Auslöschung von Radarsignalen und das Stören von abbildenden Verfahren ist hingegen relativ neu, da dazu schnelle Computer mit hoher Rechenleistung nötig sind.

Breitbandige Rauschstörungen

Bei breitbandigen Rauschstörungen (englisch barrage jamming) wird das gesamte Empfangsspektrum des Empfängers gestört. Meist ist der Empfangsbereich jedoch recht schmal, was diese Technik sehr ineffektiv macht. Selbst zur Störung schwacher Signale wird eine große Sendeleistung, d. h. eine große Energiemenge benötigt. Dieses Problem verschärft sich, je größer die Bandbreite des Empfängers und je kleiner die Bandbreite des Signals ist. Als Vorteil wird gesehen, dass Breitbandige Rauschstörungen als einzige Störform nicht durch Frequenzwechsel neutralisiert werden können. Auch die häufig angewandte ECCM-Technik der Frequenzspreizung ist hier wirkungslos.[7]

Gezielte Rauschstörungen

Um die Energieeffizienz zu erhöhen, wird bei gezielten Rauschstörungen (englisch spot jamming) nur der Frequenzbereich gestört, der von dem aktuellen Signal verwendet wird. Dies erfordert allerdings eine schnelle Messung der Signalfrequenz- und Bandbreite sowie die Möglichkeit zu schnellen Frequenzwechseln. Sowohl Frequenzspreizung als auch Frequenzwechsel sind geeignete Gegenmaßnahmen gegen diese Form von Noise Jamming.[7]

Modulierte Rauschstörungen

Modulierte Rauschstörungen (englisch swept jamming) sind eine weitere Verfeinerung der Spot-Jamming-Technik. Das abgestrahlte Signal ist hierbei deutlich schmalbandiger und deckt nur einen kleinen Teil der Empfänger-Bandbreite ab. Die Frequenz des Störsignals wird mit hoher Geschwindigkeit geändert, so dass es die Empfängerbandbreite extrem schnell durchläuft. Hierbei kann das zu störende Signal meist nicht komplett überdeckt werden, allerdings wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest ein Teil der Übertragung gestört. Viele Funk- oder Radarsysteme haben hier Probleme, die teilweise gestörten Signale noch effektiv zu nutzen.[7]

Gepulste Rauschstörungen

Beim Cover pulse jamming wird ein breitbandiger, langer Rauschpuls erzeugt, welcher das Gate des Radars abdeckt. Dazu muss der Störsender wissen, wann die eigene Plattform vom Radar beleuchtet wird, um kurz davor mit dem Rauschstören zu beginnen.[8]

Aktive Auslöschung von Radarsignalen

Bei der aktiven Auslöschung (englisch active cancellation) sendet der Störsender Signale aus, welche in Amplitude, Frequenz, Pulswiederholrate und Polarisation mit dem Radarsignal identisch sind, allerdings um 180° phasenverschoben. Dazu verfügt das Störsystem über eine Datenbank mit dem Radarquerschnitt (RCS) der eigenen Plattform aus jedem Winkel, um so das Radarecho am eigenen Objekt zu errechnen, und ein dementsprechendes Signal in die Richtung des Radars zu senden, welches das Echo auslöscht. Da die Errechnung des Eigen-RCS bei niedrigen Radarfrequenzen einfacher ist, ist diese Methode hier leichter anwendbar. Simulationen zufolge können mit dieser Methode auch große Kriegsschiffe wie Hubschrauber- und Flugzeugträger vor dem Radar „versteckt“ werden.[9] Dabei werden nur relativ geringe Leistungen abgestrahlt. Je nachdem, ob die Amplitude des Radars gut getroffen wird, ergibt sich entweder eine komplette Unterdrückung des Radarechos oder ein nur reduzierter RCS.[10]

Bildstörungen

Bildstörungen (englisch image jamming) dienen dazu, HRR, SAR- und ISAR-Bilderzeugungsverfahren zu manipulieren, damit eine nichtkooperative Zielidentifizierung z. B. einen Eurofighter für eine Su-30 ausgibt. Möglich ist auch die Manipulation bei der Erstellung von SAR-Bildern des Bodens, um gefälschte Landschaftsbilder erzeugen zu lassen. Dazu sind zwei räumlich getrennte Störsender nötig, welche das Radar kohärent bestrahlen. Das empfangene Signal wird digitalisiert (DRFM), mit dem Störsignal beaufschlagt und anschließend mittels Pulskompressionsverfahren wieder abgestrahlt.[11]

Einsatzbetrachtungen

Kampfflugzeuge

Sendeantennen älterer Störbehälter, wie z. B. die des US-amerikanischen Systems AN/ALQ-131, strahlen ungerichtet nach vorne und nach hinten ab. Sollte das Trägerflugzeug von einem Radar erfasst werden, dann pingt der Störsender alle Frequenzen des Bandes durch. Wenn dies ein russisches Schuk-MSE ist, welches im X-Band (8–12 GHz) arbeitet, wird der ALQ-131 Pulse auf 10,3 GHz, 8,9 GHz, 11,7 GHz usw. aussenden. Da moderne Radare frequenzagil sind und mit jedem Puls ihre Sendefrequenz ändern, kommt es nur selten vor, dass der Störsender just in dem Moment ein Signal auf der Frequenz X aussendet, wenn das Radar auf ein Echo mit derselben Frequenz wartet. Durch die breite Abstrahlung spielt es allerdings keine Rolle, ob zwei oder zwanzig X-Band-Radare im Sendebereich des AN/ALQ-131 sind. Mit weißem Rauschen zu stören wäre nicht effektiv, da die effektive Strahlungsleistung aufgrund der ungerichteten Abstrahlung sehr gering ist.

Rafale auf der Paris Air Show 2007

Moderne Störsysteme wie das SPECTRA der Dassault Rafale arbeiten mit Active Electronically Scanned Arrays, sodass die Störenergie gezielt auf ein Radar gerichtet werden kann. Ebenfalls kann gleichzeitig auf verschiedenen Frequenzen gesendet und mehrere Signalkeulen gebildet werden. Die Störmöglichkeiten steigen damit, verglichen mit dem obigen Szenario, deutlich an. Wenn eine Rafale z. B. gegen zwei Su-30MKK mit Schuk-MSE antritt, kann die mechanische Schwenkung des Schuk-MSE ausgenutzt werden: Da das System errechnen kann, wann der gegnerische Antennendurchgang stattfinden wird, können rechtzeitig gepulste Rauschstörungen in Richtung des bestrahlenden Radars abgegeben werden, um eine Entdeckung zu verhindern. Gleichzeitig können vor und nach dem errechneten Antennendurchgang der Hauptkeule Impulsantwortstörungen auf die Nebenkeulen des Radars abgegeben werden, um Falschziele an anderer Position im Raum zu erzeugen. Durch Digital Radio Frequency Memory (DRFM) kann der Sendeimpuls manipuliert und wiederholt werden, um trotz Frequenzagilität Falschziele zu erzeugen.

Gegen ein Schuk-MFS mit passiv phasengesteuerter Antenne ist durch die erratische Abtastung des Suchvolumens keine gezielte Störung möglich, d. h., es müssen permanent weißes Rauschen oder Impulsantwortstörungen auf das Radar abgegeben werden. Eine zeitliche Einteilung der Arbeit ist damit nicht mehr möglich. Die Störenergie des Senders kann also nicht mehr vollständig auf ein Radar fokussiert werden, wenn es gerade zum Antennendurchgang ansetzt, sondern muss auf beide Radare aufgeteilt werden. In diesem Fall kann die effektive Abstrahlleistung nicht mehr ausreichend sein, um das eigene Flugzeug vor der Entdeckung zu schützen, sodass beide Schuk-MFS-Antennen durch den AESA-Störsender nur mit Impulsantwortstörungen belegt werden können, indem dieser zwei Signalkeulen auf die Radare ausbildet.

Wird auf ältere Flugzeuge wie eine F-16 mit AN/ALQ-131 ein aktiver Lenkflugkörper mit Monopulsantenne wie die R-77 abgefeuert, ist der Störsender fast machtlos: Schwaches Rauschstören oder Impulsantwortstörungen würden die Rakete nur im Home-on-Jam-Modus zum Flugzeug führen, da nur die Entfernungsmessung, nicht aber die Winkelmessung gestört würde. Da Flugkörper meist einen Abfangkurs anstreben, bei dem der Winkel zum Ziel konstant bleibt, lenkte der Störsender in beiden Fällen die Rakete perfekt in das Ziel. AESA-Störantennen mit gerichteten Signalkeulen könnten mit Ground Bounce den Flugkörper in den Boden lenken, wenn möglich durch Cross-Polarisation ablenken oder im Team mit zwei oder mehr Maschinen das Blinking anwenden. Mit zwei AESA-Störantennen pro Flugzeug, welche eine Lenkwaffe gleichzeitig bestrahlen können, ist auch eine Ablenkung durch Cross-Eye möglich.

Prinzipiell werden elektronische Gegenmaßnahmen immer in Masse angewandt, da alle modernen Kampfflugzeuge über ECM-Antennen verfügen (Ausnahme F-22). Da moderne Kampfflugzeuge auch AESA-Radare besitzen, welche selbst als AESA-Störsender mit hoher Sendeleistung eingesetzt werden können, ergibt sich ein unüberschaubares Durcheinander verschiedener Radar- und Störtechniken. Gleichzeitig werden auch Abstandsstörer wie die Boeing EA-18 eingesetzt, um ECM-Antennen mit hoher Abstrahlleistung an die Front zu bringen, und externe Störsender wie GEN-X genutzt, um Monopulsradare zu linken.

Über luftgestützte russische EA-Systeme zur Störung des feindlichen Radars ist wesentlich weniger öffentlich bekannt.[12]

Soldaten überprüfen einen AN/ALQ-184 Electronic Attack Pod

Systeme

Luftgestützte EA-Systeme (aktuell und historisch)

Die historische Vielzahl an modularen Stör- und Abwehrsysteme für US Militärflugzeuge tragen fast sämtlich die Bezeichnung AN/ALQ - Airborne Countermeasures Multipurpose/Special Equipment.[13]

  • Shenyang J-15D China Volksrepublik ist die EA-Version dieses Mehrzweckkampfflugzeugs der Chinesischen Marine[17]
  • Shaanxi Y-9LG China Volksrepublik ist eine EA Plattform der Chinesischen Marine und besitzt nach den bekannten Informationen einen ähnlichen Fähigkeitsumfang wie die US L3Harris EA-37B Compass Call. Sie kann Radarsignale detektieren und stören.[18]

Seegestützte Systeme

AN/SLQ-32(V)3, die unteren Flächen links und rechts sind die EloGM-Antennen.

Auch an Bord von Kriegsschiffen werden Systeme für den elektronische Kampf eingesetzt. Diese werden zur Abwehr von Marsch- und Seezielflugkörpern meist zusammen mit einem Nahbereichsverteidigungssystem (CIWS) und Täuschkörperwerfern eingesetzt. Nahezu alle modernen Kriegsschiffe setzen EA-Systeme primär gegen Luftangriffe ein.

Historisch wurde in den 1970er Jahren der AN/ULQ-6-Täuschsender, zuerst bei der US Navy eingesetzt. Das System ermöglichte eine grob gerichtete Störstrahlung in einem bestimmten Sektor durch die mittlere Antennengruppe, welche durch Rotorsysteme horizontal geschwenkt werden konnte. Das System wurde später durch das passiv phasengesteuerte SLQ-17, womit die Rollbewegungen des Schiffes ausgeglichen werden und gerichtet gestört werden konnte. In den 1980ern rüstete die US Navy ihre Schiffe mit dem in gleicher Technik arbeitenden AN/SLQ-32 abgelöst, welches nach demselben Prinzip arbeitet.[19] Seit 2005 wird es durch das AN/SLY-2 ersetzt.[20]

Über die EA-Systeme der Russischen Seekriegsflotte ist öffentlich wenig bekannt.

Bei der Deutschen Marine ist auf den Fregatten der Brandenburg- und Sachsen-Klasse z. B. das EADS-System FL 1800 S II im Einsatz. Die Signale werden über fünf Empfangs- und vier Sendeantennen ver- und bearbeitet.[21]

Der Bedarf an Störenergie ist proportional zum Radarquerschnitt (RCS), was bei großen Schiffen auch sehr hohe effektive Strahlungsleistungen nötig macht. Das US-System SLQ-32 sendete mit einer Leistung von bis zu ein Megawatt. Die Störsender zielen primär auf die Radaranlagen von angreifenden Flugzeugen, um den Abwurf von Bomben und den Abschuss von Seezielflugkörpern zu behindern. Ein anfliegender Seezielflugkörper kann allein mit bordeigenen EA-Antennen nicht abgewehrt werden, da dieser die Störer im Home-on-Jam-Modus, das heißt den Jammer-als-Ziel-Modus anfliegen kann. Deshalb kommen „Köder“ wie die britischen Nulka zum Einsatz, welche Flugkörper mit Impulsantwortstörungen vom Schiff ablenken sollen.

Ein abgerüstetes russisches 85Ya6 Leer-2. Die kleinen Systeme sind hoch mobil und werden in Frontnähe eingesetzt.

Landgestützte Systeme

  • CEW-03A China Volksrepublik ist ein auf einem LKW verlastetes EW-System zur umfassenden Flugabwehr gegen Lenkflugkörper, Drohnen und Flugzeuge. Das System soll Radarsignaturen in einem Umkreis von 600 km detektieren, analysieren und in einem Frequenzbereich von 500 MHz bis 40 GHz stören. Funkkommunikation und GNSS sollen in einem Radius von 300 km gestört werden können. CEW-03A zielt auch auf die physische Zerstörung feindlicher Systeme mit einer angeblichen Sendeleistung von 500 kW PEP. Das System wird von China und seit 2022 Algerien eingesetzt.[22]
  • Alinet Israel von Elbit Systems analysiert und lokalisiert Radarsignaturen in einem nicht definierten Umkreis und kann diese stören. Es kann als Command and Control Station eingesetzt werden und ist auf Mercedes Unimogs verlastet. Alinet kann seine Zieldaten an die türkische Bayraktar TB2 und israelische IAI HAROP Kampfdrohnen weiter geben.[23] Das System wurde 2022 an Marokko verkauft.[24][25]
  • 1L222 Awtobasa (russisch 1Л222 «Автобаза») RusslandRussland ist ein kleineres, noch in der UdSSR entwickeltes EKF-System zum Stören von luftgestützten Seitensichtradars (SLAR), weiteren Zielfindungs-Radarsystemen sowie zur Datensammlung für den 1L125M APUR Komplex. Arbeitsbereich ist 8 bis 17,5 GHz; das System soll eine Leistungsaufnahme von 12 kW haben. Weiter kann das System auch für ECCM eingesetzt werden. Es gibt Berichte, dass das System neben Russland auch vom Iran eingesetzt wird.[26][27]
  • 1L245 (russisch 1Л245) RusslandRussland wurde in den 1990er-Jahren zur Störung von Feuerleitradars für Luft-Boden-Waffen entwickelt. Gearbeitet wird auf einer Bandbreite von 8000 bis 18000 MHz. Der Störsender arbeitet mit Zentimeterwellen mit einer Sendeleistung von 1000 W. Installiert ist das System auf einem MT-LBu-Kettenfahrzeug.[28]
  • 1RL237 SPN-30 (russisch 1РЛ237 СПН-30) RusslandRussland wurde zur Sowjetzeit entwickelt und der NATO-Codename lautet „Paint Box“. Es wird zum Stören von luftgestützten Seitensichtradars (SLAR), Terrainfolgeradars sowie für Feuerleitradars für Luft-Boden-Waffen verwendet. Das System kann Ziele auf 250–400 km detektieren und auf 60–150 km mit Interferenzen stören. SPN-30 deckt einen Frequenzbereich von 8000 bis 12000 MHz ab. Der Störsender hat eine Störbandbreite von 30 MHz mit einer Sendeleistung von 600 W. Dazu werden zwei Parabolantennen verwendet. Installiert ist das System auf drei LKW‘s vom Typ URAL-375D, wovon auf einem LKW das Führungssystem AKUP-22 verbaut ist. An das SPN-30-System können auch die Störstationen SPN-40 und SPO-8 angeschlossen werden.[28][29][30]
  • 1RL238 SPN-40 (russisch 1РЛ238 СПН-40) RusslandRussland wurde zur Sowjetzeit entwickelt und der NATO-Codename lautet „Dog Cart“. Es wird zum Stören von luftgestützten Terrainfolgeradars sowie für Feuerleitradars für Luft-Boden-Waffen im Ku-Band verwendet. Das System kann Ziele auf 250 km detektieren und auf 150 km stören. Der Störsender arbeitet mit Zentimeterwellen mit einer Sendeleistung von 450 W. Installiert ist das System auf einem LKW vom Typ URAL-375D sowie auf einem Anhänger.[28][31][32]
  • 1RL248-2 SPN-2 (russisch 1РЛ248-2 СПН-2) RusslandRussland wurde zur Sowjetzeit entwickelt und der NATO-Codename lautet „Heart Ache“. Es wird zum Stören von luftgestützten Seitensichtradars (SLAR), Terrainfolgeradars sowie für Feuerleitradars für Luft-Boden-Waffen verwendet. SPN-2 deckt einen Frequenzbereich von 13333–17544 MHz ab. Das System kann Ziele auf 40–150 km detektieren und auf 30–40 km stören. Der Störsender hat eine Sendeleistung von 1100 W und eine Störbandbreite von 6–19 MHz (selektiv) oder 260–270 MHz (Breitband). Installiert ist das System auf drei LKW‘s vom Typ Ural-375D.[33][28]
  • 1RL248-3 SPN-3 (russisch 1РЛ248-3 СПН-3) RusslandRussland wurde zur Sowjetzeit entwickelt und der NATO-Codename lautet „Heart Ache“. Es wird zum Stören von luftgestützten Seitensichtradars (SLAR), Terrainfolgeradars sowie für Feuerleitradars für Luft-Boden-Waffen verwendet. SPN-2 deckt einen Frequenzbereich von 8500 bis 10200 MHz ab. Der Störsender arbeitet mit 3-Zentimeterwellen. Installiert ist das System auf drei LKW‘s vom Typ Ural-375D.[33][28]
  • 1RL248-4 SPN-4 (russisch 1РЛ248-4 СПН-4) RusslandRussland wurde zur Sowjetzeit entwickelt und der NATO-Codename lautet „Heart Ache“. Es wird zum Stören von luftgestützten Seitensichtradars (SLAR), Terrainfolgeradars sowie für Feuerleitradars für Luft-Boden-Waffen verwendet. SPN-2 deckt einen Frequenzbereich von 6000 bis 8500 MHz ab. Der Störsender arbeitet mit 4-Zentimeterwellen. Installiert ist das System auf drei LKW‘s vom Typ Ural-375D.[33][28]
  • 1L262E Rtut-BМ (russisch 1Л262Э «Ртуть-БМ») RusslandRussland wurde 2013 in Dienst gestellt. Eine weitere Bezeichnung lautet SPR-2М Mercury-M. Das System operiert auf einer Bandbreite von 80–900 MHz. Es soll Funkverbindungen, Radar-Näherungszünder sowie Zündvorrichtungen von USBV-Sprengfallen stören. Dies in einem 180-Grad-Sektor auf eine Distanz von rund 400 m. Verbaut ist es auf einem MT-LBu-Kettenfahrzeug und es werden zwei Parabolantennen und eine UHF-Antenne verwendet.[34][33][35]
  • 85Ja6 Leer-2 (russisch 85Я6 «Леер-2») RusslandRussland wurde zwischen 2012 und 2017 bei den Luftlandetruppen sowie bei Russische Marine eingeführt. Es ist ein kleines, mobiles EW-System, das auf einem Tigr-M installiert ist. Es arbeitet in einem Frequenzbereich von 0,1–18000 MHz. Zeitgleich können 12 Signale in einem Umkreis von 40 km analysiert und auf 6 km gestört werden. Neben der Analyse und Störung von HF-Signalen können die Bordrechner auch die Signatur verschiedener Waffen simulieren. Das System wurde oder wird in bei der Russischen Überfall auf die Ukraine eingesetzt.[34][33][36][37][37]
  • Awtobasa-M (russisch Автобаза-М) RusslandRussland befindet sich seit 2011 im Dienst und ist primär ein System für die Elektronische Aufklärung. Installiert ist es auf einem 8x8-LKW. Auf der Ladefläche ist eine Kabine für die Operateure sowie eine Antennenkuppel auf einer Nürnberger Schere verbaut. Awtobasa-M wird zum aufklären von Marineradars, IFF- sowie TACAN-Signalen verwendet. Dies auf Distanzen von 400 km, in einem Frequenzbereich von 200–18000 MHz. An Awtobasa-M können verschiedene Störsysteme angebunden und von diesem koordiniert werden.[33]
  • GT-01 Murmansk-BN (russisch ГТ-01 «Мурманск-БН») RusslandRussland wurde von der Firma KRET entwickelt und ist ein strategisches Aufklärungs- und Störsystem. Betrieben werden die Systeme vom Russischen Heer, der Russischen Marine sowie von den EKF-Brigaden der Streitkräfte Russlands. Die Hauptkomponenten sind auf KAMAZ- oder Ural-LKW’s verbaut. Verwendet werden vier 32 m hohe Teleskopantennen. Neben der passiven Fernmeldeaufklärung liegt der Schwerpunkt des Murmansk-BN-Systems bei der aktiven Störung und Blockierung des High Frequency Global Communications System sowie auf die Kommunikations- und Navigationssysteme von Schiffen, U-Booten und Flugzeugen. Zeitgleich sollen 20 Frequenzen gestört werden können. Die Einsatzdistanz beträgt 1.000–2.000 km.[38][33][36][35]
  • Krassucha (russisch Красуха) RusslandRussland wurde Mitte der 1990er-Jahre von KRET entwickelt. Installiert ist das System auf LKW’s und es verwendet verschiedene Parabolantennen. Es wird zum Stören von Lenkwaffen, UAVs und Radarsystemen verwendet. Es existiert in den Ausführungen Krassucha-2 und Krassucha-4.[38][33]
  • MKTK-1A Judoist (russisch МКТК-1А «Дзюдоист») RusslandRussland ist ein elektronisches Aufklärungs- und Störsystem und befindet sich seit 2012 im Einsatz. Entwickelt wurde es für die Luftlandetruppen und die Strategische Raketentruppen Russlands und es ist auf einem 4x4-LKW oder 6x6-LKW verbaut. Gearbeitet wird auf einer Bandbreite von 0,1–18000 MHz. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung des Plawsk-EW-Systems und verwendet drei Antennen.[34][38]
  • Moskwa-1 (russisch Москва-1) RusslandRussland ist ein elektronisches Aufklärungs- und Störsystem und ersetzte ab 2013 das System AKUP-1 aus der Zeit der Sowjetunion. Verbaut ist Moskwa-1 auf drei 8x8-LKW’s: Dem Aufklärungsfahrzeug 1L265 mit Passivradar, dem Fahrzeug 1L266 mit einem Störsender sowie dem 1L267-Fahrzeug mit dem Kommandoposten. Es überwacht die Frequenzbänder UHF, L, S, C, X sowie Ku in einem Umkreis von 400 km.[38][33]
  • Pelena-1 (russisch Пелена-1) RusslandRussland wurde in den 1980er-Jahren zur Störung der APY-1/APY-2-Radars des AWACS-Flugzeuges E-3 „Sentry“ entwickelt. Das System soll diese Flugzeuge auf 250 km detektieren. Danach kann es deren Radar in einem Azimut von ±45° auf 50–80 km stören. Pelena-1 ist auf einem zweiachsigen Anhänger verbaut und verwendet eine Torusantenne mit einem Hornstrahler.[33][28][39]
  • R-330B/R-330U/R-330T (russisch Р-330Б/Р-330У/Р-330Ч) RusslandRussland werden zum Stören von VHF-Funknetzen auf Frequenzen von 30–100 MHz verwendet. Verbaut sind die Systeme auf LKW’s vom Typ Ural 375, KAMAZ-43101, Ural 43203-31 oder auf dem MT-LBu-Kettenfahrzeug. Der Störsender hat eine Sendeleistung von 1 kW und eine Störbandbreite von 2–100 MHz (selektiv) oder 1000 MHz (Breitband).[28]
  • R-330M1P Diabazol (russisch Р-330М1П «Диабазол») RusslandRussland ist ein elektronisches Aufklärungs- und Störsystem und befindet sich seit 2012 im Einsatz. Sämtliche Anlagen sind auf Ural-43203-Lkw verbaut. Es besteht aus R-330KMA-Kommandoposten sowie den Störfahrzeugen R-378UM, R-330Sch Schitel, R-934UM Sinitsa und Altaets-AM. Das System stört GSM-Mobilfunk, satellitengestützte Funkkommunikation (Inmarsat, Iridium) sowie GNSS in einem Umkreis von rund 30 km. Überwacht wird ein Frequenzbereich von 1,5–2000 MHz. Gestört wird auf den Frequenzen 1,5–29,9, 100–400, 100–150, 150–220, 220–400, 400–960 MHz sowie im UHF-Bereich bis 2000 MHz.[34][33][38]
  • R-330Sch Schitel (russisch Р-330Ж Житель) RusslandRussland befindet sich seit 2008 im Einsatz. Installiert ist es auf einem LKW vom Typ Ural-43203 oder KamAZ-43114. Auf der Ladefläche ist eine Kabine für die Operateure aufgesetzt. Auf einem Anhänger ist der Störsender und vier Antennen verbaut. R-330Sch Schitel wird auf Stufe Brigade oder Bataillon eingesetzt. Für die Signalanalysen werden rund 12 Minuten benötigt und ab dann kann der Störsender aktiviert werden. R-330Sch Schitel stört GSM-Mobilfunk, satellitengestützte Funkkommunikation (Inmarsat, Iridium) sowie GNSS in einem Umkreis von rund 20–25 km. Überwacht wird ein Frequenzbereich von 1–2000 MHz. Gestört wird auf einer Bandbriete von 8–1900 MHz. R-330Sch Schitel kann autonom oder im Verbund mit dem R-330M1P Diabazol-System eingesetzt werden. Das System wurde im Russisch-Ukrainischen Krieg und wird bei beim Russischen Überfall auf die Ukraine eingesetzt.[34][33][38][40][41]
  • R-934B Sinitsa / R-934BM (russisch Р-934Б Синица / Р-934БМ) RusslandRussland werden zum Stören der VHF- und UHF-Kommunikation von Kampfflugzeugen verwendet. Gestört werden Frequenzen von 100–150 MHz und 220–400 MHz. Der Störsender hat eine Sendeleistung von 500 W. Installiert ist das System auf einem LWK vom Typ Ural 4320-31 oder auf dem MT-LBU-Kettenfahrzeug.[33][28]
  • RB-109A Bylina (russisch РБ-109А «Былина») RusslandRussland wurde von KRET entwickelt und wurde erstmals 2017 erwähnt. RB-109A Bylina ist ein stark automatisiertes EKF-System, welches vermutlich artifizielle Intelligenz nutzt. Innerhalb von Sekunden soll es HF-Signale in einem Umkreis von 100 km identifizieren und selbständig ermitteln, welche Ziele primär zu stören sind. Als als C2-System kann es auch die Elektronische Kampfführung anderer EKF-Systeme koordinieren. Installiert ist es auf fünf 8x8 KamAZ-LKW’s und es wird von den unabhängigen EKF-Brigaden des Russischen Heeres eingesetzt. Erstmals kam RB-109A Bylina testweise bei der russischen Intervention im Bürgerkrieg in Syrien zum Einsatz. Das System wurde oder wird in bei der Russischen Überfall auf die Ukraine eingesetzt.[33][36][37][42]
  • RB-341W Leer 3 (russisch РБ-341В «Леер-3») RusslandRussland befindet sich seit 2015 im Dienst. Installiert ist es auf einem LKW mit einer Besatzung von fünf Mann. Neben verschiedenen Antennen werden auch drei Orlan-10-Drohnen verwendet. Leer-3 wird zum Stören der GSM, 3G- und 4G-Mobilfunknetzen eingesetzt. Dabei stört Leer-3 die Frequenzen 890–915, 935–960, 1710–1785 sowie 1805–1880 MHz. In einem Radius von 6 km können zeitgleich die Verbindungen von 2000 Mobiltelefonen gestört oder blockiert werden. Weiter können mit dem System auch fingierte SMS-Nachrichten versendet werden.[34][38][33]
  • RB-310B Borisoglebsk-2 (russisch РБ-310Б «Борисоглебск-2») RusslandRussland ist ein elektronisches Aufklärungs- und Störsystem, dass ab 2010 das System R-330 Mandat ersetzte. Sämtliche Anlagen sind auf neun MT-LB-Kettenfahrzeugen verbaut. Es besteht aus R-330KMW-Kommandoposten sowie jeweils zwei Störfahrzeugen R-378BMW, R-330BMW, R-934BMW und R-325BMW. Das System stört GSM-Mobilfunk, satellitengestützte Funkkommunikation (Inmarsat, Iridium) sowie GNSS in einem Umkreis von rund 30 km. Überwacht wird ein Frequenzbereich von 1,5–2000 MHz. Gestört wird auf einer Bandbriete von 3–3000 MHz. Weiter sollen hypothetische Funknetzte sowie Schein-Funkverbindungen erzeugt werden können.[34][33][36]
  • RB-636 SWET-KU (russisch РБ-636 Свет-КУ) RusslandRussland befindet sich seit 2017 im Einsatz. Es wird zum stören und unterbrechen von GSM- und UMTS-Mobilfunknetzen verwendet. Gearbeitet wird auf einer Bandbreite von 25–18000 MHz. Installiert ist das System auf einem KamAZ-4350-LKW.[33][36]
  • RB-531B Infauna (russisch РБ-531Б «Инфауна») RusslandRussland ist ein Störsystem, dass auf einem BTR-80 installiert ist. Weitere Bezeichnungen lauten K1SH1 sowie UNSH-12. Es handelt sich dabei um eine vergrößerte Ausführung des Lesochek-EW-Systems. Es wurde zwischen 2005 und 2011 entwickelt. Es stört in einem Frequenzbereich von 25–2500 MHz bis auf eine Distanz von 100 km. Es soll taktische Funknetzte und auf kurze Distanzen Drohnenkommunikation sowie Zündvorrichtungen von USBV-Sprengfallen stören.[34][36][35]
  • RP-377L/LA Lorandit-M (russisch РП-377ЛА «Лорандит») RusslandRussland wurde von NIIDAR-SFERA in Moskau entwickelt. Es ist ein taktisches Aufklärungs- und Störsystem und kann in einem Lieferwagen verbaut werden. Verwendet werden drei Empfangsantennen sowie eine Sendeantenne. Überwacht wird ein Frequenzbereich von 20–2000 MHz. Gestört wird auf den Frequenzen 137–174, 410–470 sowie 100–500 MHz. Die Ausführung Lorandit-AD kann in Rucksäcken transportiert werden und wurde für die Luftlandetruppen entwickelt.[34][38]
  • REPELLENT-1 (russisch Репеллент-1) RusslandRussland befindet sich seit 2016 im Dienst. Es wird zum Stören von Steuerübertragungen und Steuersignalen Drohnen und Loitering Weapon verwendet. Gearbeitet wird auf einer Bandbreite von 200–6000 MHz. Das System kann zeitglich eine große Anzahl Drohen auf über 35 km passiv detektieren und auf unter 30 km außer Gefecht setzen. Installiert ist es auf einem 8x8-LKW. Auf der Ladefläche ist eine Kabine für die Operateure sowie eine Antennengruppe auf einer Nürnberger Schere verbaut.[33]
  • Schipownik-AERO (russisch Шиповник-АЭРО) RusslandRussland wurde von den beiden Firmen Etalon und OPK entwickelt und befindet sich seit 2017 im Dienst. Installiert ist es auf einem 4x4-LKW. Es wird primär zum Stören von Steuerübertragungen und Steuersignalen Drohnen und Loitering Weapon in einem Umkreis von rund 10 km verwendet. Daneben können auch GNSS-Signale, Wi-Fi-Netzwerke sowie Mobilfunknetze gestört werden. Gearbeitet wird auf einer Bandbreite von 25–2500 MHz.[34][36][38]
  • Samarkand (russisch Самарканд) RusslandRussland befindet sich seit 2017 im Einsatz bei der Russische Marine. Dabei handelt es sich um eine abgeänderte, stationäre Ausführung des GT-01 Murmansk-BN. Es existieren die Modelle Samarkand-U, Samarkand-SU-PRD-K2 und Samarkand PU-PRD-D. Samarkand stört das High Frequency Global Communications System sowie GNSS-Systeme auf Entfernungen von bis zu 350 km. Im Jahr 2023 hatte die Russische Marine 16 Samarkand-Systeme im Dienst.[33][38][36]
  • Tirada-2 (russisch Тирада-2) RusslandRussland befindet sich seit 2014 im Einsatz. Es wird zur Störung satellitengestützter Funkkommunikation (Inmarsat, Iridium, Starlink) sowie für die Satelliten-Funkkommunikation von Langstrecken-Drohnen verwendet. Gearbeitet wird auf einer Bandbreite von 3000 bis 14000 MHz. Verbaut ist das System auf drei Fahrzeugen.[33][38]
  • Topol (russisch Тополь) RusslandRussland wurde in den 1990er-Jahren zur Störung der APS-120/125/138/139/145-Radars des AWACS-Flugzeuges E-2 „Hawkeye“ entwickelt. Das System soll diese Flugzeuge auf 250 km detektieren. Danach kann es deren Radar in einem Azimut von ±45° auf rund 80 km stören.[28]
  • TORN (russisch ТОРН) RusslandRussland wird zum Aufklären und Stören der VHF- und UHF-Funknetzten verwendet. Gearbeitet wird auf einer Bandbreite von 1,5–3000 MHz. VHF-Funknetzte können auf 30 km und UHF-Funknetzte auf 70 km aufgeklärt werden. Installiert ist TORN auf drei 6x6-LKW‘s. Erstmals wurde das System während dem Russisch-Ukrainischer Krieg im Donezbecken beobachtet.[33][35][38]

Siehe auch

Commons: Elektronische Gegenmaßnahmen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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