Elsie Tu
britische bzw. Hongkong-chinesische Politikerin und Sozialaktivistin
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Elsie Tu (geboren als Elsie Hume, zwischenzeitlich Elsie Elliott; * 2. Juni 1913 in Newcastle upon Tyne; † 8. Dezember 2015 in Hongkong) war eine britische-hongkonger Pädagogin, Sozialaktivistin und Politikerin.[1][2] Sie wurde für ihren Einsatz gegen Armut, Korruption und koloniale Ungleichheit bekannt und erhielt 1976 den Ramon-Magsaysay-Preis.[3][4]
Leben
Tu stammte aus einer Arbeiterfamilie, wurde an Schulen in Newcastle sowie am Armstrong College in Durham ausgebildet und arbeitete ab 1937 als Lehrerin in Halifax.[1] 1947 ging sie mit ihrem ersten Ehemann William Elliott in die chinesische Provinz Jiangxi, wo sie für Christian Missions in Many Lands (CMML), eine Missionsorganisation der Brüderbewegung, tätig waren.[5] Im Februar 1951 kam sie nach Hongkong, wo sie angesichts überfüllter Wohnverhältnisse, unregulierter Kinderarbeit und geringer sozialer Absicherung den Abstand zu ihrer Missionsgemeinschaft vergrößerte und schließlich ohne ihren ersten Ehemann zurückkehrte.[1][3] In Kowloon gründete sie die Mu Kuang English School für Kinder armer Familien, die zunächst in einem alten Armeezelt begann und später zu ihrem dauerhaften pädagogischen Lebenswerk wurde.[1][6] Mit ihrem Schulmitgründer Andrew Hsueh-kwei Tu verband sie eine jahrzehntelange Arbeitsbeziehung; 1985 heiratete sie ihn und blieb bis 2000 Schulleiterin.[1][2] Zu ihrem 100. Geburtstag stifteten Ehemalige der Schule den Elsie Tu Education Fund; am 8. Dezember 2015 starb sie im Alter von 102 Jahren an Komplikationen einer Lungenentzündung.[1][2]
Wirken
Tu wurde im Jahr 1963 als Vertreterin des Reform Club in den Urban Council gewählt und wirkte dort später als Unabhängige.[1][4] Sie leistete Schul- und Stadtteilarbeit und bot Bürgerberatung für arme Bewohner an, nahm Beschwerden über Wohnungsnot, Verkehr, Bildung und Korruption entgegen und forderte politische Selbstbestimmung und demokratische Reformen.[1][4] 1966 wandte sie sich als einziges Mitglied des Transport Advisory Committee gegen eine Erhöhung der Star-Ferry-Fahrpreise und sammelte eine Petition mit 20.000 Unterschriften; die anschließenden Unruhen führten zu einer offiziellen Untersuchung, in der sie fälschlich der Anstiftung beschuldigt wurde.[1] Besonders folgenreich war ihr Kampf gegen Polizeikorruption und Triadenverbindungen, der als einer der Faktoren für die Gründung der Independent Commission Against Corruption im Jahr 1974 galt.[1][3][4] 1979 gründete sie mit Andrew Tu die Association for the Promotion of Public Justice, die sich mit Menschenrechtsfragen, der Lage philippinischer Hausangestellter und der Entkriminalisierung homosexueller Handlungen befasste.[1] Von 1988 bis 1995 war sie Mitglied des Legislativrates; daneben gehörte sie vor der Übergabe Hongkongs an China dem Basic Law Consultative Committee an und saß in der Übergangszeit im Auswahlkomitee für den ersten Chief Executive sowie im provisorischen Legislativrat.[1][7] Tu geriet in den 1990er-Jahren in die Kritik von Teilen des demokratischen Lagers, weil sie Chris Pattens späte Demokratiereformen ablehnte und Positionen vertrat, die sie näher an Peking rückten; 1995 verlor sie ihre Mandate im Urban Council und Legislativrat an Szeto Wah.[1] Nach ihrem Rückzug aus dem öffentlichen Leben 1998 blieb sie als Kommentatorin präsent und unterstützte 2003 auch das umstrittene Anti-Subversionsgesetz nach Artikel 23 des Basic Law.[1] Nach ihrem Tod wurde sie in Hongkong parteiübergreifend als streitbare Vorkämpferin sozialer Gerechtigkeit gewürdigt.[8][9]
Auszeichnungen[10]
- 1976: Ramon-Magsaysay-Preis
- 1977: Commander of the British Empire (CBE)
- 1988: Ehrendoktorwürde der University of Hong Kong
- 1994: Ehrendoktorwürde der Hong Kong Polytechnic University
- 1994: Ehrendoktorwürde des Open Learning Institute of Hong Kong
- 1996: Ehrendoktorwürde der University of Durham
- 1996: Ehrendoktorwürde der Newcastle University
- 1997: Grand Bauhinia Medal (höchster Verdienstorden der Stadt Hongkong)
Weblinks
- Laudatio auf Elsie Tu anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Hongkong