Emil Fritsch
deutscher Gestapomitarbeiter und Kriegsverbrecher
From Wikipedia, the free encyclopedia
Emil Franz Jakob Fritsch (* 24. August 1905 nach eigenen Angaben in Buchenschaen (Lothringen), nach Sterbeurkunde in Saarbrücken (Saarland) und nach anderen Aussagen in der Siedlung Buchschachen (Saarland)[1]; † 22. August 1959 in Kassel-Wehlheiden) war ein deutscher Angestellter der Staatspolizeistelle Saarbrücken, SS-Hauptscharführer und Kriegsverbrecher. Er war als Führer der Wachmannschaften im Arbeitserziehungslager Hirzenhain am 26. März 1945 Leiter eines Exekutionskommandos und wurde 1951 zu lebenslanger Haft verurteilt.
Leben
Emil Fritsch wurde 1905 als Sohn des Werkmeisters Emil Fritsch und seiner Frau Anna, geb. Müller, geboren. Nach Jugend in Saarbrücken, Volksschule, und 1919 bis 1923 Lehre als Schlosser war er bis 1928 Autoschlosser im Saarbrücker Konsumverein, später Autoschlosser und Fahrer im Milchhof Saarbrücken. 1935, im Jahr der Eingliederung des Saarlandes ins Deutsche Reich, trat Fritsch in die Allgemeine SS Sturm 4/85 ein, 1936 Tätigkeit als Hausmeister mit Dienstwohnung im Dienstgebäude der SS-Standarte 4/85 in Saarbrücken, seit 1. August 1939 war er Kraftfahrer der Staatspolizeistelle-Gestapo.[2]
Während des Unternehmens Barbarossa war Fritsch als Mitglied der Einsatzgruppe D der Sicherheitspolizei und des SD als SS-Oberscharführer (Feldwebel) in Nikolajew, heute Mykolajiw, Ukraine. Später, nach vorübergehender Rückkehr nach Saarbrücken erfolgte eine Beförderung zum SS-Hauptscharführer und, gemäß Rotationsprinzip der Gestapo, von August 1942 bis September 1943 eine Abkommandierung nach Brest-Litowsk, heute Brest.
Wegen einer narbigen Verengung der Harnröhre, die Folge einer Gonorrhoe, war Fritsch mehrere Monate dienstunfähig, worauf eine Versetzung zurück in den Innendienst nach Saarbrücken erfolgte. Nach einer Operation und Kur ersetzte er SS-Oberscharführer Karl Schmieden als Führer der Wachmannschaft im Erweiterten Polizeigefängnis / AEL Neue Bremm bis zur Auflösung des Lagers am 12. Dezember 1944.[3] Fritsch trat mit ca. 10–15 deutschstämmigen Ungarn, Rumänen und Litauern, die sich als sog. Volksdeutsche der SS angeschlossen hatten, dem Stab des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD Rheinland-Westmark unter Führung des SS-Oberführers Hans Trummler bei und war u. a. Führer der Wachmannschaften im Erweiterten Polizeigefängnis / Arbeitserziehungslager Hirzenhain.[4] Dort führte er ein Kommando zur Exekution von 87 Häftlingen am 26. März 1945. Er äußerte sich nach der Tat gegenüber einem Zeugen mit den Worten[5]:
„Wenn sie mich erwischen, bin ich verloren, dann schneiden sie mich in Schuhriemen für das, was ich für diese Brüder schon alles habe machen müssen.“
Fritsch war weiterhin – auf Veranlassung Trummlers – an den Morden im April 1945 bei Ohrdruf (Thüringen) eines Gastwirts mit Genickschuss wegen „defätistischer Äußerungen“ und in Ranis (Thüringen) an fünf sowjetischen Kriegsgefangenen wegen Plünderung beteiligt. In Kriegsgefangenschaft geriet er am 8. Mai 1945 bei Rokycany (Tschechien).
Er wurde später von Kameraden im Saarland als bei einem Verkehrsunfall getötet ausgegeben, dann tauchte Fritsch nach dem Krieg zunächst in Köln und später in Berlin als Autoschlosser unter und entging so einer Festsetzung und Anklage durch die französische Militärregierung im Zusammenhang mit den Rastatter Prozessen wegen seiner Funktion im Lager Neue Bremm, die möglicherweise die Todesstrafe bedeutet hätte.
Fritsch wurde am 22. September 1949 in Berlin auf Betreiben der hessischen Justiz wegen der Morde in Hirzenhain verhaftet und am 1. März 1951 vom Landgericht Gießen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Die Revision beim 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs wurde am 5. Juli 1951 verworfen.[6] Während der Haft erstellte Fritsch Anzeigen gegen weitere an den Morden beteiligte SS-Männer und eine Oberaufseherin, es kam jedoch nicht zur Wiederaufnahme des Verfahrens. Er war bis zu seinem Tod auf regelmäßige urologische Behandlung angewiesen. Fritsch reichte mehrere Gnadengesuche ein, die jedoch alle abgelehnt wurden. Emil Fritsch verstarb in der Haftanstalt Kassel-Wehlheiden an einem Krebsleiden.
Literatur
- Michael Keller: »Das mit den Russenweibern ist erledigt« – Rüstungsproduktion, Zwangsarbeit, Gestapo-KZ, Massenmord einer SS-Kampfgruppe und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit am Tatort in Hirzenhain wie auf dem Kriegsgräberfriedhof im Kloster Arnsburg. 1943-1996. 2. durchges. und stark erw. Aufl. Bindernagel, Friedberg 2000, ISBN 3-87076-087-7 (= Wetterauer Geschichtsblätter 47).
- Elisabeth Thalhofer: Neue Bremm – Terrorstätte der Gestapo. Ein Erweitertes Polizeigefängnis und seine Täter 1943–1944. St. Ingbert 2002, Röhrig Universitätsverlag, ISBN 978-3-86110-320-2