Emil Hugi

Schweizer Mineraloge, Petrograph und Hochschullehrer From Wikipedia, the free encyclopedia

Emil Hugi (* 26. August 1873 in Wahlern; † 10. September 1937 in Bern) war ein Schweizer Mineraloge, Petrograph und Hochschullehrer an der Universität Bern. Er gilt als bedeutender Vertreter und Förderer der mineralogischen Wissenschaft und der petrographischen Erforschung des Aarmassivs in der Schweiz.

Leben und Wirken

Emil Hugi wurde als Sohn des Pfarrers in Wahlern geboren und verbrachte seine Jugend nach dem Umzug der Familie in Arch (Solothurn). Er entstammte einer Familie mit wissenschaftlicher Tradition, insbesondere dem Gletscherforscher Franz Joseph Hugi.[1]

Nach dem Abschluss der Kantonsschule Solothurn begann Hugi im Wintersemester 1894/94 ein naturwissenschaftliches Studium an der Universität Bern.[2] 1898 bestand er das Patent-Examen für das höhere Lehramt und wurde Privatassistent von Armin Baltzer. Ein Auslandaufenthalt führte ihn im Wintersemester 1898/99 an die Universität in Freiburg im Breisgau, wo ihn die Vorlesungen von Gustav Steinmann anzogen. Nach seiner Rückkehr promovierte er im Sommer 1899 mit der geologisch-tektonischen Arbeit Die Klippenregion von Giswyl[3.1][3.2] und absolvierte anschliessend Studien bei Ernst Weinschenk in München, um seine Kenntnisse in der Petrographie und Mikroskopie zu vertiefen.[3.3] Dies legte den Grundstein für seine spätere Forschungsarbeit am Aarmassiv. 1905 habilitierte er sich mit Studien über die nördlichen Gneise des Aarmassivs und kurz hernach wurde die Venia Legendi auf Mineralogie und Petrographie erweitert,[3.4][4][5.1] was den ersten Schritt in der Selbständigmachung dieses geologischen Zweitfaches an der Berner Universität bedeutete.[6]

Hugi war wesentlich an der petrographischen Begleitung des Baus des Lötschbergtunnels beteiligt. 1910 wurde er ausserordentlicher Professor,[5] 1914 übernahm er das Ordinariat für Mineralogie. Er setzte sich erfolgreich für die Trennung der Fachbereiche Mineralogie-Petrographie und Geologie ein, die an der Universität Bern künftig separate Lehrstühle bildeten.[3.5] In den Jahren 1924/25 und 1933/34 war er Dekan der naturwissenschaftlichen Fakultät.[7]

Neben der Erforschung des Aarmassivs widmete sich Hugi auch geologischen Fragestellungen zum Vulkanismus und war beratend bei geotechnischen Projekten in den Alpen tätig, unter anderem bei der Errichtung von Wasserstollen und Kraftwerken.

Von 1907 bis 1911 wirkte er beim Bau des Lötschbergtunnels mit, eines der zentralen Eisenbahntunnel der Schweiz. In den folgenden Jahren war er massgeblich am Bau mehrerer Kraftwerke beteiligt, darunter das Kraftwerk Amsteg (1920–1924), das Kraftwerk Barberine (1921–1924) sowie das Stausee-Projekt Andermatt und das Kraftwerk Ritom im Jahr 1921. Zwischen 1926 und 1931 engagierte er sich zudem im Kraftwerk Oberhasli, das die Grimsel-Innertkirchen-Stufen I und II umfasst.[8]

Neben diesen praktischen Tätigkeiten führte Hugi auch geologische Feldarbeiten durch, so etwa die geologische Aufnahme der Lehmlager des bernischen Mittellandes und des Kantons Solothurn im Auftrag der Geotechnischen Kommission der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft von 1900 bis 1903. 1918 widmete er sich der Untersuchung schweizerischer Talk- und Asbestvorkommen.[8]

Emil Hugi wird als ein vielseitiger Wissenschaftler und Ingenieur gewürdigt, dessen Arbeit sowohl die geologische Forschung als auch den technischen Fortschritt in der Schweiz im frühen 20. Jahrhundert nachhaltig prägte.

Im Frühjahr 1936 musste er aus gesundheitlichen Gründen seine Lehrtätigkeit einstellen und verstarb im September 1937 im Alter von 63 Jahren.

Ehrungen und Ämter

Die geotechnische Kommission der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft (SNG) wählte Hugi 1919 zum Vizepräsidenten; dieses Amt übte er bis zu seinem Tod aus. Für die Amtsperiode 1917–1922 wurde er zudem Sekretär des Zentralkomitees der SNG. Die Naturforschende Gesellschaft Solothurn ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Als Mitbegründer der Schweizerischen Mineralogisch-Petrographischen Gesellschaft übernahm er 1934 deren Präsidentschaft.[3] Er war von Mai 1915 bis Mai 1916 Präsident der Bernischen Naturforschenden Gesellschaft, nachdem er zuvor ein Jahr als Vizepräsident amtiert hatte. Ein Dreivierteljahr vor seinem Tod am 10. September 1937 wurde er zum Ehrenmitglied der Gesellschaft ernannt.[9.1] Der Senat der Universität Bern bot ihm 1932 das Rektorat an, das er aus gesundheitlichen Gründen ablehnte. Zweimal stand er der Philosophischen Fakultät II der Universität Bern als Dekan vor.[9]

Bedeutung und Nachruf

Hugi war bekannt für seine genaue und sorgfältige Arbeit sowie seine Hingabe für Lehre und Forschung. Er hinterliess ein bedeutendes wissenschaftliches Erbe in der Mineralogie und Petrographie der Schweizer Alpenregion. Sein Engagement für die Verknüpfung von Wissenschaft und Technik trug zur Weiterentwicklung der Geowissenschaften an der Universität Bern bei.

Schriften

Ein Schriftenverzeichnis der wissenschaftlichen Arbeiten gliedert diese in Publikationen, Gutachten und Berichte sowie Manuskripte:[10][8]

  • Petrographische Untersuchungen im Aarmassiv (u. a. 1915–1930)
  • Studien zur regionalmetamorphischen Entwicklung der nördlichen Gneise des Aarmassivs
  • Beiträge zur petrographischen Begleitung des Lötschbergtunnelbaus
  • Untersuchungen zum Vulkanismus in Italien (während mehrerer Exkursionen)
  • Geologische und geotechnische Berichte zu Wasserstollen in den Alpen
  • Neue Beiträge zur Petrographie des mittleren und westlichen Aarmassivs. Manuskript. Habilitationsschrift. 1904/05.[8]
  • Die Klippenregion von Giswyl. In: Denkschriften der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft. 36, 1900. Diss. phil. Univ. Bern.[11]

Literatur

Zu Emil Hugi erschienen mehrere Jubiläumsartikel und Nachrufe in der Tageszeitung Der Bund[6] und in wissenschaftlichen Zeitschriften[3][9][8][12].

Archive

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI