Emil Kießling
deutscher Papyrologe
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Emil Jakob Hans Kießling (* 16. August 1896 in London; † 21. September 1985 in Wiesbaden) war ein deutscher Papyrologe.
Von 1903 bis 1906 besuchte Kießling die Vorschule der Liebig-Realschule, ehe er von 1906 bis 1914 das humanistische Neue Gymnasium in Darmstadt besuchte. Nach dem Abitur am 8. August 1914 nahm er von August 1914 bis August 1919 am Ersten Weltkrieg teil. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse und der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. 1916 wurde er Mitglied der Münchener Burschenschaft Arminia[1] und studierte an den Universitäten München, Heidelberg, Frankfurt a. M. und Berlin im Hauptfach Rechtswissenschaft, daneben Geschichte und Alte Sprachen. Unterbrochen wurde das Studium 1919 durch seinen Dienst im Freikorps Epp, mit dem er an der Niederschlagung der Münchener Räterepublik teilnahm.[2]
Am 14. Januar 1921 legte er das 1. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien mit dem Hauptfach (klassische) Philologie ab, das 2. ebenfalls für das Lehramt an Gymnasium am 20. Dezember 1922.[3] Die angestrebte Übernahme in den Schuldienst scheiterte aber an dem Umstand, dass er „nicht die badische Staatsangehörigkeit von Geburt an besaß.“[4] Von 1921 bis 1924 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der juristischen Fakultät in Heidelberg, wo er am 4. August 1924 bei Otto Gradenwitz mit einer Dissertation über den Giroverkehr im Altertum zum Dr. iur. promoviert wurde.[5] Mit der Promotion schloss er sein iuristisches Studium ab, ohne das 1. juristische Staatsexamen und das 2. juristische Staatsexamen abzulegen.
Seit seiner Heidelberger Zeit arbeitete er an den beiden auf Initiative des Rechtshistorikers Otto Gradenwitz von seinem Lehrer Friedrich Preisigke begonnenen großen Projekten Wörterbuch der griechischen Papyrusurkunden[6] und Sammelbuch griechischer Urkunden aus Ägypten[7] mit, nach dessen Tod 1924 führte er diese als Lebensaufgabe weiter. Zunächst war noch an der juristischen Fakultät in Heidelberg tätig, dann an der Papyrussammlung der Staatlichen Museen in Berlin, wo er auch im Auftrag der Preußischen Akademie der Wissenschaften Schriftleiter der Zeitschrift Forschung und Fortschritte im Rang eines Regierungsrats wurde. Nachdem er aus ungeklärten Gründen 1933 die Schriftleitung niedergelegt hatte und aus dem Beamtenverhältnis ausgeschieden war, wurde er am 1. Oktober 1933 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin. Zu Kriegsende arbeitete er von Mai 1944 bis Februar 1945 an der Nebenstelle der Preußischen Staatsbibliothek in Hirschberg, von Mitte Februar 1945 bis August 1945 an der Ausweichstelle der Universitätsbibliothek Frankfurt in Mitwitz.
Nach einem 1939, angeblich an seiner Weigerung, in die NSDAP einzutreten, gescheiterten Versuch an der juristischen Versuch der Universität Berlin, war Kießling Am 27. Juli 1943 von der juristischen Fakultät der Universität München bei Mariano San Nicolò habilitiert worden, ohne jedoch zugleich die Venia legendi zu erhalten. Seit dem Wintersemester 1945/46 hatte er an der Philipps-Universität Marburg einen Lehrauftrag für Römische Rechtsgeschichte, erst seit 1946 hatte er dort die Venia legendi für Römisches Recht und Juristische Papyrologie. Hier gründete er das Institut für Papyrusforschung und Antike Rechtsgeschichte. Zum 23. Oktober 1951 wurde er zum apl. Professor ernannt, zum 1. September 1961 zum ordentlichen Professor. Seine Emeritierung erfolgte zum Wintersemester 1967/68.[8]
Literatur
- Catalogus Professorum Academiae Marburgensis: die akademischen Lehrer der Philipps-Universität in Marburg. Bd. 2: Von 1911 bis 1971, bearb. v. Inge Auerbach, Elwert Verlag, Marburg 1979, ISBN 3-7708-0662-X, S. 111–112.
- Hans-Albert Ruprecht: Emil Kießling (1896–1985). In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Romanistische Abteilung, Band 104 (1987), S. 904–907.
- Wolfgang Habermann: Die deutsche Delegation beim Internationalen Papyrologenkongreß in Oxford im Jahre 1937 und der für das Jahr 1939 geplante Papyrologenkongreß in Wien, in: Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete 47, 2001, S. 102–171.
Weblinks
- Literatur von und über Emil Kießling im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Emil und Arthur Kießling Stiftung für Papyrusforschung
- Kießling, Emil. Hessische Biografie. (Stand: 18. November 2019). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).