Emilie Pistorius

Persönlichkeit der württembergischen Ehrbarkeit From Wikipedia, the free encyclopedia

Emilie Pistorius, geboren als Auguste Emilie Friederike Feuerlein, verwitwete Vischer (* 6. Mai 1776 in Stuttgart; † 15. Juli 1816 ebenda) war eine Persönlichkeit der württembergischen Ehrbarkeit und ging als viel zu früh verstorbene Wohltäterin der pietistischen Armenpflege in die Geschichte der Stadt Stuttgart ein.[1][2]

Emilie Pistorius, Porträtbüste aus Gips in der Staatsgalerie Stuttgart, nach einer Originalbüste im Landesmuseum Württemberg, 1816 posthum gefertigt von Johann Heinrich von Dannecker in Carrara-Marmor

Herkunft

Geboren wurde Emilie Pistorius als Emilie Feuerlein. Sie war eine der Töchter des vormaligen Geheimen Kabinettssekretärs und Stuttgarter Regierungsrates Carl Friedrich Feuerlein und von dessen Frau Auguste Feuerlein, geb. Fischer (* 1747; † 1823), die vermutlich eine natürliche Tochter von Herzog Carl Eugen war. Carl Friedrich Feuerlein war ein prominenter Vertreter der württembergischen Ehrbarkeit, sodass auch über seine Ehefrau Auguste und deren Kinder durch Eheschließungen mit den württembergischen Honoratioren ein enges verwandtschaftliches Beziehungsgeflecht entstanden war. So war Emilie Pistorius mit vielen bedeutenden Personen der württembergischen Geschichte eng verwandt. Sie war die Nichte von Reinhard Fischer und Friedrich Christoph Jonathan Fischer, Schwester von Willibald Feuerlein und Gustav Feuerlein, Schwägerin von Christian Gottfried Elben und Leopold Conradi, Ehefrau des Ferdinand Pistorius, Witwe von Johann Martin Vischer sowie Schwiegermutter Ludwig Uhlands und Karl von Rosers.

Die große Bedeutung ihrer Familie machte sie auch zum Gegenstand der Kunstgeschichte des schwäbischen Klassizismus, sodass einige ihrer Porträts in Stuttgarter Museen erhalten geblieben sind.

Da die Situation von Frauen bis ins 20. Jahrhundert von erheblicher Rechtlosigkeit geprägt war und sie wenig Kontrolle über ihr eigenes Leben hatten, war auch der Lebensweg von Emilie Pistorius vorgezeichnet als Ehefrau, Hausfrau und Mutter, jedoch in ihrem Fall in der stets privilegierten Rolle der Dame des Hauses einer großbürgerlichen Familie. Sie hatte die gegen Ende des 18. Jahrhunderts für höhere Töchter übliche Schulbildung und nach ihrer Konfirmation eine Ausbildung im elterlichen Haushalt erhalten.

Leben

Emilie Feuerlein etwa 1792, Öl auf Leinwand von Ludovike Simanowiz

Um das Jahr 1792 entstand ein Gemälde der etwa sechzehn Jahre alten Emilie Feuerlein, welches der Kunsthistoriker Werner Fleischhauer als Bestandteil einer Reihe von Werken sah, die er als Höhepunkt des künstlerischen Schaffens der Ludovike Simanowiz bezeichnete.[3] Das Halbfigurenporträt zeigt Emilie Feuerlein unmittelbar in ihrer jugendlichen Anmut mit dem etwas gesenkten Blick auf den Betrachter gerichtet. Der Anblick ihres Gesichts und der lässigen Bekleidung in einem dunklen Trägerkleid mit weißem Hemd vermittelt eine typische Pose des Rokoko, in der sie die Rolle einer Gärtnerin oder Schäferin einnimmt.[4]

Dame des Hauses in Calw

Am 2. August 1795 heiratete Emilie Feuerlein im Alter von 19 Jahren in Schafhausen den 43 Jahre alten Handelsherrn Johann Martin Vischer, dessen Vorfahren seit Generationen einflussreiche Kaufleute und Teilhaber der Calwer Compagnie stellten. Durch den Tod seiner ersten Frau im Dezember 1794 und seiner im November 1794 im Alter von 15 Jahren verstorbenen Tochter hatte der verwitwete Handelsherr Vischer nur noch einen kleinen Sohn aus erster Ehe. Als viel beschäftigter Großkaufmann war Vischer deshalb dringend auf eine neue Frau an seiner Seite angewiesen. Es handelte sich bei dieser Ehe um eine sehr vorteilhafte Partie für Emilie Vischer, da ihr Mann einer der reichsten Bürger des Herzogtums Württemberg war. Emilie Vischers Onkel, der Architekt Reinhard Fischer, hatte das Palais Vischer in Calw errichtet, zu dessen Hausherrin sie nun wurde. Johann Martin Vischers Nichte Friederike Zahn, geb. Hasenmajer, die Ehefrau von Christian Jakob Zahn, berichtete, dass man in Calw über die Wahl der neuen Frau ihres Onkels zunächst sehr verwundert war, da die Calwer Handelsherren in der Regel nur innerhalb des Kreises der Familien heirateten, die zu den Compagnie-Verwandten zählten.

Ansicht des 1791 an der Bischofstraße in Calw fertiggestellten Palais Vischer vom Ufer der Nagold aus betrachtet

Emilie Vischer konnte jedoch durch ihre engelhafte Wesensart und die gute Erziehung, die sie im Haus ihres Vaters in Stuttgart mitbekommen hatte, die Rolle der Dame des herrschaftlichen Hauses mühelos einnehmen und rasch allgemeine Beliebtheit in Calw erwerben. Nach sechsjähriger Ehe und der Geburt von drei Kindern starb ihr Ehemann am 29. Dezember 1801 und hinterließ ein Vermögen von 342.000 Gulden,[5] jedoch auch vier kleine Kinder, von denen noch keines das 10. Lebensjahr vollendet hatte. Emilie Vischers Stiefsohn Gustav Vischer (* 1793; † 1837) kam in die Obhut der Familie seiner Tante Friederike Zahn. Deren Ehemann Christian Jakob Zahn wurde der Vormund von Gustav Vischer. Die mit 25 Jahren verwitwete Emilie Vischer zog mit ihren drei eigenen Kindern und einem beträchtlichen Anteil des Vermögens, welches sie von ihrem verstorbenen Mann geerbt hatte, zurück nach Stuttgart ins Haus ihrer Eltern. Dort fand sie zudem Unterstützung durch ihren ältesten Bruder Carl Feuerlein (* 1770; † 1808), der mit Hilfe einer Anschubfinanzierung von 20.000 Gulden, die ihm sein Schwager Johann Martin Vischer aus Calw im Jahre 1798 gewährt hatte, eine sehr erfolgreiche Farben- und Indigohandlung in Stuttgart betrieb. Die damals erste Indigohandlung im Herzogtum Württemberg war auch das größte Unternehmen der Stadt Stuttgart zu dieser Zeit, sodass die im 18. Jahrhundert noch wenig begüterte Beamtenfamilie Feuerlein in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts über ein großes Vermögen verfügen konnte.[6][7]

Soziales Engagement als Wohltäterin in Stuttgart

Der Philanthrop Ferdinand Pistorius, seit 1803 der Ehemann von Emilie Pistorius. Öl auf Leinwand um 1793. Ausschnitt eines Gemäldes angefertigt durch Philipp Friedrich Hetsch

Das große Vermögen trug entscheidend dazu bei, dass Emilie Pistorius zur unvergesslichen Wohltäterin in Stuttgart werden konnte.

Die Witwe Emilie Vischer heiratete am 31. Oktober 1803 in Plochingen den Hofrat Ferdinand Pistorius. Ihr zweiter Ehemann war ein hoch angesehener Bürger und Philanthrop der Stadt Stuttgart. Mehr als zehn Jahre hatte er als Lehrer und Erzieher der beiden Prinzen Wilhelm und Paul gewirkt, was ihm eine lebenslange Pension eintrug.[8] Beide Prinzen waren Zeugen bei der Taufe des ersten Kindes aus der Ehe von Emilie und Ferdinand Pistorius.[8] Zwischen Pistorius und Prinz Wilhelm, dem späteren württembergischen König, bestand eine fortwährende enge Freundschaft. Nach der Eheschließung 1803 war Ferdinand Pistorius ins Haus seines Schwiegervaters eingezogen und sollte dieses Haus nach dem Ableben der Schwiegereltern als neuer Besitzer weiterführen.[9]

Das Anwesen Carl Friedrich Feuerleins befand sich bis zur Umbenennung 1811 in der Stuttgarter Seegasse, dann Friedrichstraße 46 bis 48, nicht weit entfernt vom damaligen Sitz des württembergischen Landtags in der Kronprinzstraße und vom Schlossplatz, also inmitten der Residenzstadt Stuttgart. Das Haupthaus war ebenfalls ein Werk von Emilie Pistorius Onkel Reinhard Fischer, der hier die Renovierung eines bestehenden Hauses durchgeführt hatte.[9]

Emilie Pistorius nahm großen Anteil am Elend, das in der bedrückenden Zeit der Napoleonischen Kriege viele Einwohner von Stuttgart erfasst hatte. Wie ihr gesamtes familiäres Umfeld war sie philanthropisch-pietistisch motiviert. Ihr Vater Carl Friedrich Feuerlein und ihr Ehemann Ferdinand Pistorius gründeten am Sonntag, dem 8. Dezember 1805, zusammen mit einigen weiteren Stuttgarter Honoratioren, darunter Gottlieb Heinrich Rieger (1755–1814) und Tobias Heinrich Lotter, im Haus Carl Friedrich Feuerleins die Privatgesellschaft freiwilliger Armenfreunde,[10] die 1817 im Stuttgarter Lokalwohltätigkeitsverein aufging, der seither der württembergischen Zentralleitung des Wohltätigkeitsvereins unterstellt war. Hierbei wirkte nun Emilie Pistorius sehr engagiert an der Arbeit der Armenfreunde mit. Durch ihren entschlossenen Einsatz für Stuttgarter Bedürftige, die in eine Notlage geraten waren, erwarb sie sich überall in der Stadt großes Ansehen.

Für die Privatgesellschaft freiwilliger Armenfreunde prüfte Emilie Pistorius zudem gemeinsam mit Caroline Friederike Lohbauer und Luise Lotter in der Nähschule der Kinderbeschäftigungsanstalt regelmäßig die dortigen Erzeugnisse.[11]

Die Anforderungen an die Gesellschaft nahmen stetig zu. Zu Anfang des Jahres 1816 kümmerte sie sich bereits um ungefähr 900 Bedürftige und um die Ausbildung von rund 300 armen Mädchen. Bei rund 22.000 Einwohnern der Stadt Stuttgart waren dies etwa 5,5 % der Stuttgarter Bevölkerung.[12]

Tod im Wochenbett

Grab der Emilie Pistorius auf dem Hoppenlaufriedhof in Stuttgart

Am 15. Juli 1816, im „Jahr ohne Sommer“, erlag Emilie Pistorius im Alter von 40 Jahren dem Kindbettfieber, das nach der am 18. Juni 1816 erfolgten Entbindung ihrer jüngsten Tochter eingetreten war. Sie wurde auf dem Hoppenlaufriedhof unter großer Anteilnahme der Bevölkerung der Haupt- und Residenzstadt Stuttgart beerdigt. Die Trauerfeier fand am 18. Juli 1816 auf dem Friedhof und anschließend in der Hospitalkirche statt. Der Stiftsprediger Dekan Carl Christian Flatt leitete diese Trauerfeier und sprach sowohl am Grab[13] als auch in der Kirche sehr ergreifende Worte der Anteilnahme angesichts der großen Trauergemeinde.[14] Die Trauer und Anteilnahme am Tod der Frau von Regierungsrat Ferdinand Pistorius war auch in der Presse ungewöhnlich groß. Dies fand unter anderem seinen Niederschlag in einer Klage, die Friedrich Haug am 25. Juli 1816 im Morgenblatt für gebildete Stände veröffentlichte.[15] Ebenfalls im Morgenblatt erschien am 30. August 1816 von Friedrich Rückert das Gedicht Rosen auf das Grab einer edlen Frau, in welchem Kranz von elf Sonetten er kundgetan hatte, dass auch er von der allgemeinen Trauer ergriffen worden war, die durch die Beerdigung am 18. Juli 1816 die ganze Stadt erfasst hatte, obwohl er Emilie Pistorius zu ihren Lebzeiten nicht kennengelernt hatte, da er erst kurz vor ihrem Tod nach Stuttgart gekommen war.[16]

Kurz nach ihrem Tod beauftragte Ferdinand Pistorius den Hofbildhauer Johann Heinrich von Dannecker mit einem Porträt der Verstorbenen. Es scheint, als wollte Dannecker aus der Bürgersfrau Emilie Pistorius eine posthume Fürstin machen, jedenfalls trägt sie eine Zopf-Krone. Tatsächlich galt die tief im schwäbischen Pietismus verankerte Ehefrau des Geheimrats Ferdinand Pistorius den Stuttgartern als Verkörperung einer idealtypischen Schwäbin, Frau und Mutter. Die Büste aus Carrara-Marmor befindet sich in der Schausammlung Legendäre Meisterwerke im Landesmuseum Württemberg und gilt als ein hervorragendes Zeugnis der Stuttgarter Stadtgeschichte. Eine gleich gestaltete Skulptur aus Gips ist in der Staatsgalerie Stuttgart ausgestellt. Auf ihrem Grabstein stehen die Worte: „Freudig die Schule des Lebens nützend für die Ewigkeit, nahm sie Leiden als Lehre, Freude als Geschenk, Pflicht als Genuß.“

Familie und Nachkommen

Aus der am 2. August 1795 geschlossenen Ehe mit Johann Martin Vischer stammen drei Kinder:

  • Louise (* 23. Juni 1796 in Calw; † 1. August 1841 in Stuttgart), heiratete am 31. Oktober 1814 in Berg den späteren württembergischen Außenminister Karl von Roser (* 1787; † 1861). Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor (Enkel der Emilie Pistorius),[17] darunter der Chirurg Wilhelm Roser (* 1817; † 1888).[18]
  • Carl Vischer (* 19. Oktober 1797 in Calw; † 2. Juli 1857 in Neu-Ulm), Kaufmann in Stuttgart, Augsburg, München und Ulm, verheiratet, sieben Kinder (Enkel der Emilie Pistorius).[19]
  • Emilie (* 15. Mai 1799 in Calw; † 5. Juni 1881 in Stuttgart) heiratete am 25. September 1820 in Stuttgart den württembergischen Dichter und Politiker Ludwig Uhland (* 1787; † 1862).[20]

Aus der am 31. Oktober 1803 geschlossenen Ehe mit Ferdinand Pistorius stammen neun Kinder, wobei zwei bereits im Säuglings- bzw. Kleinkindalter verstarben und deshalb in der nachfolgenden Auflistung nicht berücksichtigt sind:

  • Auguste (* 27. November 1804 in Stuttgart; † 25. August 1883 ebenda), seit dem 9. Februar 1823 verheiratet mit dem Kaufmann Carl Neeff (* 1804; † 1863) in Stuttgart. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor (Enkel der Emilie Pistorius).[21] Die Enkelin Charlotte Neeff (* 1840; † 1906) heiratete 1862 den Finanzrat Hermann von Wintterlin (* 1834; † 1903), ein Bruder des Bibliothekars und Schriftstellers August Wintterlin.[22][23]
  • Ferdinand Pistorius (* 16. Januar 1806 in Stuttgart; † 30. November 1863 ebenda), Jurist, Archivrat in Stuttgart, verheiratet, vier Kinder, eines früh verstorben (Enkel der Emilie Pistorius).[24]
  • Marie (* 3. September 1808 in Stuttgart; † 15. Oktober 1885 ebenda), heiratete am 10. Februar 1834 in Stuttgart den Direktor des Landwirtschaftlichen Instituts in Hohenheim, Heinrich Volz (* 1791; † 1879).[25]
  • Wilhelm Pistorius (* 2. Oktober 1810 in Stuttgart; † 13. August 1885 ebenda), promovierter Ökonom (Dr. rer. pol.), Gutsbesitzer in Möhringen, zweimal verheiratet, aus erster Ehe ein als Säugling verstorbener Sohn und vier Töchter (Enkelinnen der Emilie Pistorius).[25] Zwei dieser Töchter aus erster Ehe, Emilies Enkelinnen Emilie (* 1843; † 1863) und Stephanie Pistorius (* 1845; † 1895), waren nacheinander mit dem Juristen und Politiker Julius Benz (* 1831; † 1907) verheiratet.[26]
  • Charlotte (* 22. Februar 1812 in Stuttgart; † 27. März 1871 in Ludwigsburg), heiratete am 20. November 1832 in Stuttgart Sigmund von Schott (* 1798; † 1871), Regierungsdirektor in Ludwigsburg, mit dem sie sieben Kinder hatte (Enkel der Emilie Pistorius).[27] Emilies Enkelin Hedwig Schott (* 1834; † 1921) heiratete 1856 den Politiker Heinrich von Abel (* 1825; † 1917).[27]
  • Friederike (* 3. August 1814 in Stuttgart; † 14. Februar 1880 ebenda), heiratete am 3. Juni 1837 in Stuttgart den evangelischen Theologen Rudolf Mann (* 1809; † 1857), Pfarrer in Hedelfingen. Aus der Ehe gingen fünf Töchter hervor (Enkelinnen der Emilie Pistorius).[28][29] Emilies Enkelin Elise Mann (* 1840; † 1918) heiratete 1870 den Theologen Carl von Berg (* 1837; † 1921).[30]
  • Emilie (* 18. Juni 1816 in Stuttgart; † 9. Oktober 1898 ebenda), heiratete am 14. Oktober 1838 Eduard Weigelin (* 1808; † 1890), Professor am Katharinenstift in Stuttgart. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor (Enkel der Emilie Pistorius).[31][32]

Trivia

Die beiden Ehen von Emilie Pistorius, geb. Feuerlein, lassen sich in eine bemerkenswerte Kette von insgesamt vier Ehen hintereinander einreihen, in welche fünf Ehepartner einbezogen waren, sodass das Resultat eine typische Patchworkfamilie war. Den Auftakt bildete die 1773 geschlossene Ehe zwischen Sibylle Justine Doertenbach (* 1755; † 1794) und Johann Martin Vischer (* 1751; † 1801) in Calw, aus welcher der Sohn Gustav Leonhard Vischer (* 1793; † 1837) hervorging, welcher am 12. Juni 1814 von König Friedrich wegen seiner Tapferkeit in den Befreiungskriegen in den erblichen Adelsstand erhoben wurde.[33] Somit war er der Stammvater des württembergischen, seit 1817 ritterschaftlichen Adelsgeschlechts von Vischer.[34] Durch die 1795 geschlossene Ehe von Johann Martin Vischer mit Emilie Feuerlein kamen drei weitere Kinder hinzu. Durch die 1803 geschlossene Ehe zwischen Emilie und Ferdinand Pistorius kamen nochmals neun Kinder in Stuttgart hinzu, von denen jedoch nur sieben das Erwachsenenalter erreichten. Am 2. Februar 1819 heiratete Emilies Witwer Ferdinand Pistorius in Stuttgart seine Schwägerin Eleonore Feuerlein (* 1790; † 1870), eine jüngere Schwester der am 15. Juli 1816 verstorbenen Emilie Pistorius. Die neue Dame des Hauses machte aus dem Haus Pistorius in der Friedrichstraße einen gesellschaftlichen Mittelpunkt der Residenzstadt Stuttgart, in dem Literaten und Künstler verkehrten. Eleonore Pistorius bekam zwar keine eigenen Kinder, dennoch war sie die letzte überragende Persönlichkeit in der Reihe, welche die im damaligen Stuttgart allseits bekannte Familie Feuerlein-Vischer-Pistorius repräsentierte. Sie wurde 1841 Witwe und lebte in diesem Stand noch fast 29 Jahre, ehe sie am 12. Mai 1870 verstarb und in einem umfangreichen Testament die Mitglieder und Freunde dieser Familie bedachte.[35] Da die Friedrichstraße den Stuttgartern von alters her als Seegasse geläufig war, ging Eleonore Pistorius als Seegassenkönigin in die Geschichte der Stadt Stuttgart ein.[36][37][38]

Literatur

  • Eugen Dolmetsch: Aus Stuttgarts vergangenen Tagen. Verlag Steinkopf, Stuttgart 1931, S. 13 ff.
  • Theodor Schimpf: Zur Erinnerung an Johann Martin Vischer und seine Gattin Emilie geb. Feuerlein. In: Mitteilungen des Familienverbandes Feuerlein. 2. Jahrgang, Januar 1936, Heft 2, S. 18 ff.
  • Emilie Pistorius. In: Udo Dickenberger, Waltraud Pfäfflin und Friedrich Pfäfflin: Der Stuttgarter Hoppenlau-Friedhof als literarisches Denkmal. In: Marbacher Magazin; 59, Sonderheft (Hrsg.: Ulrich Ott). Deutsche Schillergesellschaft, Marbach am Neckar 1992, ISBN 3-928882-34-1, S. 162 f.
  • Christian von Holst (Hrsg.): Schwäbischer Klassizismus zwischen Ideal und Wirklichkeit 1770 – 1830. Katalog zur Ausstellung Schwäbischer Klassizismus vom 15. Mai bis 8. August 1993 in der Staatsgalerie in Stuttgart. Verlag Gert Hatje, Stuttgart 1993, ISBN 3-77570-517-5.
  • Andreas Abel: Die Nachkommen des Regierungsrats Carl F. Feuerlein. Todt-Druck, Villingen-Schwenningen 2007
  • Daniel Römer: Die Ursprünge der Verflechtungen zwischen Pietismus und Staat auf dem Gebiet des Sozialen im Württemberg des 19. Jahrhunderts. Studien zur Wechselwirkung zwischen Heinrich Lotter und Wilhelm I. als Grundlage für die Einbindung des Pietismus in das württembergische System der Wohlfahrtspflege. Dissertation an der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Stuttgart, 2012
  • Frank Ackermann: Vom Calwer Handelsmann zum Hofmarschall Ihrer Kaiserlichen Hoheit. Aus der Geschichte der Familie Vischer. Verlag Peter Grohmann Nachfolger, Stuttgart 2023, ISBN 978-3-944137-71-1

Einzelnachweise

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