Emma Gifford
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Emma Lavinia Gifford, verheiratete Hardy (* 24. November 1840 in Plymouth, Devon; † 27. November 1912 in Dorchester, Dorset) war eine englisch-britische Autorin und Frauenrechtlerin. Sie war die erste Frau von Thomas Hardy.

Leben
Gifford war das zweitjüngste von fünf Kindern von John Attersoll Gifford, einem Solicitor, und Emma Gifford, geborene Farman.[2] Emmas Vater trat früh in den Ruhestand und lebte vom privaten Einkommen seiner Mutter, sodass die Familie nach dem Tod der Großmutter im Jahr 1860 Einsparungen vornehmen musste und in ein günstigeres Mietshaus in Bodmin, Cornwall, zog.[3] Gifford und ihre ältere Schwester Helen mussten als Gouvernanten arbeiten; wurde unbezahlte Gesellschafterin einer Frau, in deren Haus sie ihren späteren Ehemann, den Reverend Caddell Holder, kennenlernte. Gifford folgte ihr 1868, um bei der Haushaltsführung zu helfen und Gemeindearbeit zu übernehmen.[2]
Gifford lernte den Schriftsteller Thomas Hardy 1870 kennen, als dieser als Architekt tätig war. Hardy war beauftragt worden, einen Bericht über den Zustand von St Julitta’s, der Pfarrkirche von St Juliot nahe Boscastle, Cornwall, zu erstellen. Seine Werbung um Gifford inspirierte Ein Paar blaue Augen, Hardys dritten Roman. Sie heirateten jedoch erst vier Jahre später, am 17. September 1874, in der St Peter’s Church, Paddington, London. Die Trauung wurde von Emmas Onkel Edwin Hamilton Gifford vollzogen, einem Kanoniker der Kathedrale von Worcester und späteren Archidiakon von London. Die Hardys verbrachten ihre Hochzeitsreise in Rouen und Paris.[4] Sie konnten nie Kinder bekommen, was ihre Beziehung möglicherweise belastete. Es wurde
Angesichts der vergleichsweise bescheidenen Herkunft Thomas Hardys betrachtete sich Gifford „als gesellschaftlich ihrem Ehemann überlegen und machte im späteren Leben in der Öffentlichkeit gelegentlich peinliche Anspielungen auf den zwischen ihnen bestehenden Klassenunterschied“.[5] Verschiedene Zeugen aus Hardys Kreis hinterließen kritische Kommentare zu Giffords Rolle: Arthur Christopher Benson bemerkte: „Der Gedanke, dass er Tag und Nacht mit dieser absurd, inconsequent, huffy, rambling old lady leben musste, erfüllte mich mit einem Gefühl des Unerträglichen. Sie kommen überhaupt nicht miteinander aus. Für sie galt die Eheschließung als Fehler, da er arm und unbedeutend war, und sie nimmt ihm dies weiterhin übel […] Auch er [Hardy] ist ihr gegenüber nicht nett, doch seine Geduld muss unglaublich strapaziert sein. Sie ist so sonderbar und muss dennoch als rational behandelt werden, während sie – wie ich vermute – voller Verdächtigungen, Eifersucht und Kränkungen ist, die halb wahnsinnig sein müssen.“ Eine häufige Besucherin des Haushalts, Evelyn Evans, sagte,Gifford sei „von den Einwohnern Dorchester als sehr seltsam angesehen worden […] Ihre Größenwahnvorstellungen wurden immer ausgeprägter. Niemals vergaß sie, dass sie die Nichte eines Archidiakons war, die unter ihrem Stand geheiratet hatte […] sie überredete verlegene Herausgeber, ihre wertlosen Gedichte zu veröffentlichen, und ließ anklingen, sie sei der leitende Geist hinter all Hardys Werk“. Christine Wood Homer, eine weitere Freundin, erklärte, Gifford habe „die fixe Idee gehabt, ihrem Mann hinsichtlich Herkunft, Bildung, Begabung und Umgangsformen überlegen zu sein. Sie konnte und wollte seine Größe niemals anerkennen […] Während sie zunächst lediglich kindisch gewesen war, wurde sie mit zunehmendem Alter sehr sonderbar und habe merkwürdig geredet.“[3]
Nach zwanzig Jahren Ehe veröffentlichte Thomas Hardy Jude the Obscure, das wegen seiner Darstellung viktorianischer Religiosität, sexueller Moralvorstellungen und der Ehe umstritten war. Gifford missbilligte den Roman sowohl wegen der Religionskritik des Buches als auch aus Sorge, das lesende Publikum könne die Beziehung zwischen den Protagnositen als Parallele zu ihrer angespannten Beziehung zu Hardy verstehen. Die Eheleute verbrachten zunehmend mehr Zeit getrennt, und er begann, andere Frauen zu treffen, darunter Florence Dugdale. Hardy porträtierte Dugdale in verschiedenen Gedichten wie On the Departure Platform. Ab 1899 wurde Gifford nahezu zur Einsiedlerin und verbrachte einen Großteil ihrer Zeit in Dachkammern, die sie Hardy für sich einrichten ließ und die sie als ihre „Zuflucht und Trost“ bezeichnete.[6]
Als aktive Suffragistin und Unterstützerin des Frauenwahlrechts schrieb Gifford viel über Frauenrechte und die Wahlrechtsbewegung. Im November 1899 trug sie ihren Namen in ein Exemplar von Mary Wollstonecrafts „Verteidigung der Rechte der Frau“ ein. In einem Brief an ihre Freundin Rebekah Owen schrieb sie: „Angenommen, Frauen hätten stets die Zügel dieser Welt in der Hand gehalten, wäre sie dann nicht inzwischen dem Ziel des Glücks nähergekommen? Dies ist eine Männerwelt und trotz ihres Intellekts, der sich vor allem in der Wissenschaft zeigt, ist sie eigentlich ein schrecklicher Fehlschlag in Bezug auf Frieden und Freude.“[7] Im Februar 1907 schloss sich Gifford George Bernard Shaw und dessen Ehefrau bei einem Marsch in London an.[3]
Gifford war außerdem aktives Mitglied der London Society for Women’s Suffrage und beteiligte sich gemeinsam mit Millicent Garrett Fawcett und Annie Kenney an einem Symposium zur Wahlrechtsfrage, das im März 1907 in der Zeitschrift Woman at Home veröffentlicht wurde. Im März 1908 publizierte sie einen langen Brief in der Zeitschrift The Nation, in dem sie für Frauenrechte argumentierte. Gifford zog sich schließlich aufgrund ihrer Ablehnung gewaltsamer Aktionen militanter Suffragetten aus der aktiven Bewegung zurück. Sie setzte jedoch ihre Unterstützung fort, indem sie weiterhin bescheidene Spenden für die Sache leistete.[7]
Emma Hardy starb am 27. November 1912 im Alter von 72 Jahren in Max Gate, dem Haus nahe Dorchester, das sie mit Hardy bewohnt hatte.[8] Der Arzt gab als Todesursache Herzversagen und eingeklemmte Gallensteine an. Sie wurde drei Tage später auf dem Friedhof von St Michael in Stinsford, Dorset, beigesetzt. Thomas Hardy ließ einen Kranz niederlegen mit der Inschrift: From her lonely husband, with the Old Affection.[6]
Satires of Circumstance, Thomas Hardys vierter Gedichtband, enthält The Poems of 1912–13, eine Sammlung von Gedichten, die unmittelbar nach Giffords Tod verfasst wurden. Hardy fand in Giffords Dachzimmer ein Notizbuch mit dem Titel What I Think of My Husband und verbrachte den Rest seines Lebens damit, die Unzufriedenheit zu bereuen, die er ihr bereitet hatte.[9]
Schriften


Gifford war ihr Leben lang eine gelegentliche Schriftstellerin und arbeitete beispielsweise während ihrer Verlobung mit Hardy an ihrer unveröffentlichten Kurzgeschichte The Maid on the Shore. In späteren Jahren schrieb sie, was Ford Madox Ford als ihre „harmlosen Gedichte“ bezeichnete, wie etwa The Trumpet Call (to the single Daffodil) von 1910, sowie Prosagedichte, die sie 1912 privat unter dem Titel Spaces veröffentlichte.[10]
Nach Gifford s Tod entdeckte Thomas Hardy ein in braunes Papier gebundenes Buch, hergestellt aus den Seiten von Schulheften und mit rotem Faden zusammengenäht. Der Titel lautete Some Recollections von E. L. Hardy; und die letzte Seite war auf den 4. Januar 1911 datiert. Das Manuskript behandelte ihr frühes Leben bis zur Zeit ihrer Heirat. Thomas Hardy nahm einen Teil davon in seine Autobiografie The Early Life of Thomas Hardy. Der vollständige Text wurde von Evelyn Hardy und Robert Gittings herausgegeben und 1961 zusammen mit „einigen einschlägigen Gedichten von Thomas Hardy“ veröffentlicht.[11]
In stilistischer Hinsicht schlicht und im Geist heiter macht Some Recollections Giffords frühen Lebensdrang und ihre unkomplizierte Freude an dem, was das Leben zu bieten hatte, deutlich. Musikalische Abende mit ihrer Familie; Gesellschaften und Bälle, Ausritte auf ihrer Stute Fanny und die kornische Landschaft werden in einer lebendigen Weise erinnert, die Hardys frühe Faszination für sie erklärt und auf die er Jahrzehnte später zurückgriff, als er Gifford in seinen he Poems of 1912–13 unsterblich machte.[12]
Von Gifford sind zudem mehrere in Öl ausgeführte Landhgscaftsbilder von Dorset erhalten.