Emma Guerrieri Gonzaga

deutsche Förderin der Fröbelpädagogik und der Frauenbildung From Wikipedia, the free encyclopedia

Emma Therese Julie Clara Guerrieri Gonzaga, geborene Emma Julia Hohenemser (* 11. Dezember 1835 in Mannheim; † 29. Dezember 1900 in Rom), war eine deutsche Pädagogin und Förderin von Bildungs- und Erziehungsinstitutionen, der Fröbelpädagogik sowie der Frauenbildung. Sie war Mitarbeiterin und Freundin von Fröbels Großnichte Henriette Schrader-Breymann.

Emma Julia Hohenemser

Biografie

Emma Julia Hohenemser engagierte sich schon früh als Förderin von Bildungs- und Erziehungsinstitutionen, der Fröbelpädagogik und der Frauenbildung. Nach ihrer Heirat mit dem italienischen Patrioten Marchese Carlo Guerrieri Gonzaga im Jahr 1866 setzte sie ihre pädagogische Arbeit in Italien fort.

In Deutschland

Emma Julia Hohenemser stammte aus einer wohlhabenden und einflussreichen jüdischen Bankiersfamilie, die in Mannheim ansässig und mit der finanziellen Elite in Deutschland und Europa vernetzt war. Schon früh zeigte sie ein lebhaftes Interesse für die europäische Politik. Beeinflusst wurde sie dabei maßgeblich durch die Begegnungen und Diskussionen im Salon ihrer Mutter Sophie Löwengard Hohenemser.

Sophie Löwengard Hohenemser, die Mutter von Emma Julia

Sophie gehörte zur intellektuellen Elite des Landes und war der revolutionären Bewegung sowie deren Vertretern in der Frankfurter Nationalversammlung verbunden. Da sie 1848 in die Badische Revolution involviert war, musste sie mit ihren jüngsten Kindern in die Schweiz fliehen, wo sie in Genf im Exil lebte.

Dort traf Emma einen anderen Flüchtling und – wie sie selbst – glühenden Verehrer Giuseppe Garibaldis: ihren zukünftigen Mann Carlo Guerrieri Gonzaga (1827–1913). Er und sein Bruder Anselmo hatten an den italienischen Unabhängigkeitskriegen teilgenommen und gehörten zu den Überlebenden der Fünf Tage von Mailand.

Vor ihrer Heirat und der späteren Übersiedelung nach Italien kehrte Emma nach Deutschland zurück, um als Lehrerin mit der Pädagogin Henriette Schrader-Breymann in deren Schule in Watzum bei Wolfenbüttel zusammenzuarbeiten. Schrader-Breymann war die Großnichte Friedrich Fröbels und spätere Gründerin des Pestalozzi-Fröbel-Hauses in Berlin. Diese Zusammenarbeit, in die auch die Mutter Sophie eingebunden war, entstand aus einer engen Freundschaft mit Schrader-Breymann sowie anderen intellektuellen Frauen wie Bertha von Marenholtz-Bülow und Malwida von Meysenbug.

Diese Frauen hatten sowohl theoretisch als auch praktisch wichtigen Anteil an der liberalen revolutionären Bewegung von 1848. In deren idealistischem Programm spielte die frühkindliche Erziehung eine zentrale Rolle: Es ging um den Aufbau von Kindergärten und Kinderheimen sowie um Reformen zur Verbesserung der Fürsorge und der ärztlichen Versorgung von Kindern aus ärmeren Bevölkerungsschichten mit dem Ziel einer „Versöhnung der Klassen“.

In Italien

Die Eheleute Emma und Carlo Guerrieri Gonzaga ließen sich zunächst in Florenz nieder, der damaligen vorläufigen Hauptstadt des Königreichs Italien. Hier wurden die drei Kinder Luigi, Maria und Sofia geboren. Im Jahr 1875 siedelte die Familie erstmals nach Rom über, kehrte jedoch fünf Jahre später nach Florenz zurück. Nachdem Carlo im Dezember 1883 zum Senator des italienischen Königreiches ernannt worden war, zog die Familie endgültig nach Rom. Die Sommerferien verbrachte die Familie Guerrieri Gonzaga auf ihrem Landsitz in Palidano bei Mantua, wo Carlo landwirtschaftliche Reformen nach den Ideen von Camillo Benso von Cavour umsetzte.

In Florenz und Rom fand das Paar rasch Zugang zu kulturellen und intellektuellen Zirkeln. Sie pflegten intensive Freundschaften mit Persönlichkeiten wie dem Essayisten Karl Hillebrand, Clara Schumann und deren Tochter Elise, der Dichterin Mathilde Blind sowie den Malern Sabine und Reinhold Lepsius. Auch zu den Familien Hildebrand, Brewster und Wagner bestanden enge Kontakte. Zum italienischen Freundeskreis gehörte unter anderem Emilia Peruzzi Toscanelli, die in ihrem bekannten Florentiner Salotto die kulturelle Elite empfing.

Emma setzte ihr pädagogisches Engagement in Italien fort. 1873 gründe sie in Florenz ein Aktionskomitee für das Kindergartenwesen, dessen Vorsitz sie übernahm. In der Folge entstand der erste Kindergarten Italiens, der auch Kindern aus ärmeren Verhältnissen offenstand. Dabei band sie führende Politiker wie den späteren Premierminister Baron Sidney Sonnino, den späteren Erziehungsminister Pasquale Villari und den ehemaligen Minister Ubaldino Peruzzi ein.

Ihr intellektueller Austausch spiegelt sich unter anderem in ihrem Briefwechsel mit Friedrich Nietzsche wider.[1]

Auch ihre Kinder und Verwandten setzten die sozial-pädagogische Arbeit fort:

  • Her Tochter Maria Guerrieri Gonzaga arbeitete eng mit Maria Montessori zusammen, förderte die Krankenhausreform und gründete die erste Ausbildungsstätte für Krankenschwestern in Italien.
  • Her Nichte Ida Hohenemser, Tochter ihres Bruders Wilhelm, lebte etwa 15 Jahre bei der Familie in Italien, assistierte Maria Montessori, übersetzte deren Werke ins Deutsche und gründete 1914 das erste deutsche Montessori-Kinderhaus in Meiningen.

Literatur

  • Giorgio Colli, Mazzino Montinari (Hrsg.): Friedrich Nietzsche. Briefwechsel: Kritische Gesamtausgabe. De Gruyter, Berlin 1975.
  • Paolo Cont: Mosaico biografico, Emma Hohenemser Guerrieri Gonzaga. Tipolitografia Festini, Rovereto 2013.
  • Paolo Cont: Mosaico biografico, Luigi Guerrieri Gonzaga. Rovereto 2009.
  • Carlo Guerrieri Gonzaga: Memorie e lettere di Carlo Guerrieri Gonzaga. Con prefazione di Alessandro Luzio, S. Lapi, Città di Castello 1915.
  • Mary J. Lyschinska: Henriette Schrader-Breymann: Ihr Leben aus Briefen und Tagebüchern. Bd. I, Vereinigung wissenschaftlicher Verleger, Berlin/Leipzig 1922, S. 277.

Einzelnachweise

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