Emma Pufahl
deutsche Schleusenwärterin
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Emma Pufahl (* 1907 in Töpchin; † 1994) war eine deutsche Schleusenwärterin, die von 1954 bis 1985 die Schleuse am Nottekanal in Königs Wusterhausen in Brandenburg betrieb.

Werdegang
Emma Pufahl wurde 1907 geboren. Über ihr frühes Leben ist wenig bekannt. Sie war zweimal verheiratet, die erste Ehe wurde nach zwanzig Jahren geschieden, 1953 heiratete sie erneut. Sie hatte drei Kinder.[1] 1954 wurde ihr zweiter Mann Adolf Pufahl Schleusenwärter in Königs Wusterhausen. Das Ehepaar zog in das Schleusenwärterhaus neben der alten Badeanstalt und der Mühle in der Schloßstraße, Ecke Weidenufer. Sie bewohnten drei Wohnräume und eine Küche mit Kohleheizung im eingeschossigen Haus. Außerdem befand sich im Haus noch ein Dienstzimmer.[2] Die Toilette im Hof wurde auch von anderen Wasseramtsmitarbeitern benutzt. Emma Pufahl arbeitete für die nächsten elf Jahre zusammen mit ihrem Mann an der Schleuse. In ihrem Garten zog sie zudem Blumen und Sträucher, da zu ihren Aufgaben auch das staatlich angeordnete Bepflanzen der Grünflächen neben der Schleuse gehörte.[3]

Als Emma Pufahls Mann 1965 starb, blieb sie im Schleusenwärterhaus wohnen und übernahm die Arbeit allein. Auf Zuruf der ankommenden Schiffer von Freizeitschiffen, Paddel- und Ruderbooten öffnete sie mit der Handkurbel die Schieber der schweren hölzernen Schleusentore, die dann mit einer Stange auf- und zugezogen werden mussten.[1] Erst ab 1977 wurde die Schleuse elektrisch betrieben. Auch wenn außerhalb der Öffnungszeiten nur ab mindestens sechs wartenden Booten geschleust werden durfte, ließ sie die Bootsleute oft umgehend passieren. Obwohl sie dieselbe Arbeit wie ihr verstorbener Mann leistete, wurde sie schlecht bezahlt, weil sie als ungelernt galt. Da sie sich nicht damit abfinden wollte, nicht angemessen entlohnt zu werden, begann sie mit 60 Jahren berufsbegleitend eine Ausbildung zur Facharbeiterin für Wasserbautechnik.[4] 1972 machte sie mit 65 Jahren als einzige Frau unter 24 Männern ihren Berufsschulabschluss[5] und führte offiziell die Berufsbezeichnung Schleusenwärterin.[3]
Damit verbunden erhielt Emma Pufahl ab 1. Januar 1975 einen neuen Arbeitsvertrag mit dem Lohn für gelernte Fachkräfte. Sie arbeitete noch bis 1985 in ihrem Beruf.[2][5] Mit der Verrentung musste sie das Schleusenwärterhaus verlassen, da das Wohnrecht dort an die Arbeitsstelle gekoppelt war, und zog in eine kleine Plattenbauwohnung.[1] Sie starb 1994.[3]
Ehrungen und Gedenken
Emma Pufahl wurde 2014 mit der Aufnahme in das Projekt FrauenOrte Brandenburg des Frauenpolitischen Rates Land Brandenburg ausgezeichnet, das Leben und Wirken bedeutender Frauen in der brandenburgischen Geschichte sichtbar macht. Wie auch in anderen nationalen Projekten der Frauenorte werden Frauen in Deutschland und ihr Lebenswerk als historische Vorbilder geehrt.[6] Die Gedenktafel befindet sich an ihrem früheren Arbeitsplatz an der Schleuse Nottekanal, Bahnhofstraße gegenüber Haus Nr. 1. (
)[3][7]
Zum Wirken von Emma Pufahl wurde ein Hörspaziergang an Stadtschleuse, Nottekanal und Schleusenwärterhaus entlang entwickelt, der von einer ihrer Enkelinnen und dem ehemaligen Geschäftsführer Wasser- und Bodenverband Dahme-Notte, Torsten Woitke, als Zeitzeugen aufgesprochen wurde.[1][2][3]