Emma Trietsch

Kunsthandwerkerin, Buchhalterin, Zionistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Emma Trietsch (geboren am 28. September 1876 in Königsberg; gestorben am 22. April 1933 in Berlin, geborene Thomaschewsky) war eine deutsche Kunsthandwerkerin, Autorin und Aktivistin.

Biografie

Emma Trietsch entstammte einer ostpreußischen jüdischen Familie. Warum sie und ihre beiden Schwestern schon früh zu bekennenden Zionistinnen in Berlin wurden, ist nicht bekannt.[1] Ihre jüngere Schwester Johanna Thomaschewky gehörte zu den Gründerinnen des Jüdischen Frauenbunds für Turnen und Sport (IFFTUS).[2] Die ältere Schwester Hulda Thomaschewky, die später den Arzt und Zionisten Theodor Zlocisti heiratete, nahm als eine von 14 namentlich erwähnten weiblichen Delegierten am Ersten Zionistenkongress in Basel teil. Auf diesem Kongress lernte Emma Davis Trietsch kennen, der als Delegierter der amerikanischen Zionisten teilnahm.

Im Januar 1906 ging sie mit ihrem Mann für zwei Jahre nach Jaffa, wo sie in der Deutschen Kolonie wohnten. Da Emma Trietsch gelernte Buchhalterin war, arbeitete sie in dieser Zeit als Korrespondentin der Anglo-Palestine Company und folgte damit dem Beispiel ihrer Schwester Hulda, die ab 1904 für knapp zwei Jahre in Palästina gelebt hatte.[3] Als überzeugte Sozialistin und Zionistin setzte sich Emma Trietsch dafür ein, dass ein zukünftiger „Idealstaat“ im Land Israel mit besseren sozialen Bedingungen entstehen sollte.[4] Ein anschaulicher Bericht, den sie zu Davis Trietsch' 1911 erschienen Buch Bilder aus Palästina beisteuerte, schildert die ärmlichen Lebensumstände jüdischer Siedler in einem abgelegenen Dorf.[3]

Im Spätsommer 1908, wenige Monate vor Geburt des ersten Kindes, kehrte das Paar wegen der noch mangelhaften medizinischen Versorgung nach Berlin zurück.[5] Ab den 1920er Jahren lebten die Familie in einer Eigentumswohnung im heutigen Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, nachdem Davis Trietsch durch seine Publikationen, vor allem das verbreitete Palästina-Handbuch, bekannt geworden war.

Durch die Hyperinflation und die folgende Weltwirtschaftskrise verarmten Emma Trietsch und ihre Familie zusehends. Die glücklosen Unternehmungen Davis Trietsch' zur Entwicklung landwirtschaftlicher Maschinen für Palästina, wofür er hohe Schulden aufnahm, verstärkten die finanziellen Nöte zusätzlich.[5.1] Trotz ihrer eigenen prekären Situation gab Emma Trietsch in ihrer Berliner Wohnung kostenlosen Häkelunterricht.[4] Ihr Ziel war es, arbeitslosen Frauen dabei zu helfen, ein Handwerk zu erlernen. Entsprechend dem zionistischen Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe[5] sollten diese in die Lage versetzt werden, ihre Bedürftigkeit selbst zu überwinden.

Emma Trietsch war in dieser Zeit schon schwer krank. Sie litt unter anderem an einer schweren Gallen- und Lebererkrankung, sodass sie nicht mit ihrem Mann und der ältesten Tochter im April 1933 emigrieren konnte. Wenig später starb sie in Berlin an den Folgen einer Operation.[5.2]

Künstlerisches Wirken

Emma Trietsch bestritt den Lebensunterhalt ihrer Familie, indem sie Stickereien und Häkelarbeiten an Privatpersonen, Warenhäuser und Textilfirmen verkaufte. Zu ihrem Repertoire gehörten auch kunstvolle Perlenarbeiten.[4.1]

Daneben veröffentlichte sie, mittlerweile selbst Mutter von fünf Kindern, Artikel zu Frauen- und Erziehungsfragen. Ein Artikel von 1919, Die Befreiung der Frau, nennt Strategien wie Gemeinschaftserziehung und den Ausbau sogenannter Einküchenhäuser, wodurch „(bürgerliche) Frauen in der Haushaltsführung und Kindererziehung entlastet werden sollten“[5.3]

Auf die Publikationen ihres Mannes hinsichtlich der Berufsumschichtung jüdischer Einwanderer nach Palästina hatten ihre Ideen zur Erwerbsmöglichkeit von Frauen großen Einfluss. Dazu zählte die Entwicklung einer „Spitzenindustrie“ mit genossenschaftlich organisierten Heimarbeiterinnen, die ihre Erzeugnisse selbst verkaufen sollten. Die ersten Modelle, die Emma Trietsch selbst anfertigte und die auf einer Ausstellung in Königsberg präsentiert wurden, gingen auf Vorbilder von den kanarischen Inseln (heute als Teneriffa-Spitze bekannt) zurück. In die Muster fand „nachweislich auch das Wissen arabisch-palästinensischer Frauen“[5.3] Eingang. Die Ausstellung war ein Erfolg, und daraufhin wurden in Jaffa, Jerusalem, Safed und Tiberias kunstgewerbliche Schulen eröffnet, die jüdische Frauen ausbildeten und ihnen bis zum Ende des ersten Weltkriegs Arbeitsmöglichkeiten boten.[6]

Auch der Aufbau der ersten Stickereiwerkstätten in Palästina war durch Emma Trietsch' Wirken beeinflusst.[5.1] Stickereien, die nach 1948 zu einem wichtigen Erwerbszweig jüdischer Einwanderinnen werden sollten, trugen wesentlich zum Erfolg des 1954 gegründeten Modehauses Maskit bei.[7]

Emma Trietschs Nachlass befindet sich heute im Archiv des Jüdischen Museums Berlin. Im Jahr 2025 zeigte das Museum die Ausstellung Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne, in der auch Emma Trietsch vertreten war.[8][9]

Einzelnachweise

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