Engerer Burse

Reliquiar aus dem Stiftsschatz Enger in Westfalen From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Engerer Burse wird ein Bursenreliquiar aus dem Schatz des Stiftes Enger in Westfalen bezeichnet. Aufbewahrt wurde die Burse bis 1414 in der Stiftskirche St. Dionysius in Enger und dann in St. Johannis in Herford. Seit 1885 befindet sie sich mit dem restlichen Schatz im Besitz des Berliner Kunstgewerbemuseums (Inventar-Nr. 1888,632).

Engerer Burse
Engerer Burse, Vorder- und Rückseite

Es handelt sich um ein Reliquiar in Form einer Pilgertasche (Bursa, Maße 16 × 14,5 × 5,3 cm).[1]

Sein Kern aus Ahorn-Holz ist auf der Schauseite mit reich verziertem Goldblech beschlagen. 13 Schmucksteine (eine Perlmuttscheibe, Edelsteine, Glassteine und 4 antike Gemmen) prägen das Erscheinungsbild; sie bilden zwei sich ortho- bzw. diagonal überlagernde Kreuze. Über 1.000 Elemente (Zellenschmelzeinlagen vor allem aus Glas und Email als Verbindungs- und Zierlinien und in Form von Fischen, Vögeln und anderen Tieren sowie eine Perlenschnur) füllen die Vorderseite. Die beiden Schmalseiten und die Rückseite der Burse sind mit vergoldetem Silberblech beschlagen und zeigen als Treibarbeit Christus, Maria, die Apostel Petrus und Paulus sowie Engel. Die Unterseite aus punziertem Silberblech dient als – nicht zum Öffnen bestimmter – Verschluss des hohlen Holzkerns mit seinen drei textilen, heute leeren, Reliquienhüllen.[2]

Entstanden ist es nach kunsthistorischen Untersuchungen im 3. Viertel des 8. Jahrhunderts[3] im Fränkischen Reich und zählt zu den bedeutendsten Beispielen der karolingischen Goldschmiedekunst.

Von Historikern und Kunsthistorikern ist seit dem 19. Jahrhundert eine Verbindung mit dem „Sachsenherzog“ Widukind vermutet worden. Die Burse wurde mit den Geschenken, die Karl der Große ihm nach zeitgenössischen Quellen sandte, in Zusammenhang gebracht. Dies ist nach der kunsthistorischen Einordnung durchaus möglich, aber nicht beweisbar.

Die Burse ist 2023 bis 2025 Mittelpunkt eines wissenschaftlichen Restaurierungs- und Forschungsprojektes am Berliner Kunstgewerbemuseum.[4][5][6]

Literatur

  • Victor H. Elbern: Ein fränkisches Reliquienfragment in Oviedo, die Engerer Burse in Berlin und ihr Umkreis. In: Madrider Mitteilungen Bd. 3, 1962, S. 183–204.
  • Victor H. Elbern: Das Engerer Bursenreliquiar und die Zierkunst des frühen Mittelalters. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte Bd. 10, 1971, S. 41–102 und Bd. 13, 1974, S. 37–96.
  • Dorothee Kemper: Die Reliquienburse aus Enger. Technik, Materialien, Kontext. In: Holger Kempkens, Chirstiane Ruhmann (Hrsg.): Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter. Ausstellungskatalog. Imhof, Petersberg 2024, S. 465–474.
  • Dietrich Kötzsche: Der Dionysius-Schatz. In: Stadt Enger - Beiträge zur Stadtgeschicht Band 2, Enger 1983, S. 41–62.
  • Peter Keller: Die Engerer Burse – ein Reliquienbehälter des 8. Jahrhunderts. Staatliche Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Führungsblatt 1412, Berlin 1996.
  • Jan Friedrich Richter, Lothar Lambacher: Forschungs- und Restaurierungsprojekt zum Engerer Bursenreliquiar. Anlass, Voraussetzungen, Ziel. In: Holger Kempkens, Chirstiane Ruhmann (Hrsg.): Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter. Ausstellungskatalog. Imhof, Petersberg 2024, S. 443–450.
Commons: Engerer Burse – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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