Enrique Pla y Deniel

spanischer Geistlicher, Erzbischof von Toledo und Kardinal From Wikipedia, the free encyclopedia

Enrique Kardinal Pla y Deniel (* 19. Dezember 1876 in Barcelona, Spanien; † 5. Juli 1968 in Toledo) war Erzbischof von Toledo.[1] Seine Ernennung fiel in die Zeit des Spanischen Bürgerkriegs, in dem er sich als leidenschaftlicher[2] Anhänger Francisco Francos erwies.

Erzbischof Enrique Pla y Deniel (ca. 1944)
Kardinalswappen

Kirchliche Laufbahn

Enrique Pla y Deniel studierte nach seiner Schulzeit in Barcelona und Rom, als Seminarist am Päpstlichen Spanischen Kolleg St. Joseph, die Fächer Katholische Theologie und Philosophie. Er empfing am 25. Juli 1900 das Sakrament der Priesterweihe und arbeitete nach Abschluss weiterführender Studien ab 1903 im Erzbistum Barcelona als Gemeindeseelsorger, Dozent in der Priesterausbildung und Journalist.

Papst Benedikt XV. ernannte ihn 1918 zum Bischof von Ávila. Die Bischofsweihe spendete ihm der Apostolische Nuntius in Spanien, Erzbischof Francesco Ragonesi, am 8. Juni 1919. Papst Pius XI. übertrug ihm 1935 die Leitung des Bistums Salamanca. Pius XII. betraute Enrique Pla y Deniel im Jahre 1941 mit der Leitung des Erzbistums Toledo.

Papst Pius XII. nahm ihn am 18. Februar 1946 als Kardinalpriester mit der Titelkirche San Pietro in Montorio in das Kardinalskollegium auf. Zugleich wurde er mit der Collane des Ordens de Isabel la Católica ausgezeichnet. Enrique Pla y Deniel nahm sowohl 1958 als auch 1963 am Konklave und in den Jahren 1962 bis 1965 am Zweiten Vatikanischen Konzil teil. Von 1958 bis 1966 war er Vorsitzender der Spanischen Bischofskonferenz. Er starb am 5. Juli 1968 in Toledo und wurde in der dortigen Kathedrale Santa María de la Asunción bestattet.

Beteiligung an Krieg und Diktatur

Pla y Deniel war ein Gegner der Zweiten Republik. Während des Spanischen Bürgerkriegs unterstützte er aktiv die Propaganda der Nationalisten um den putschenden General Francisco Franco.[3] Am 30. September 1936[2] bot er diesem seinen Palast in Salamanca als Hauptquartier an. In einem gleichentags veröffentlichten Hirtenbrief griff er die Volksfrontregierung an, nannte die Linke „Söhne Kains[4] und bezeichnete den Überfall Francos als „himmlische Stadt der Kinder Gottes“,[5] im Sinne des augustinischen De civitate Dei. Dass gläubige Katholiken und Priester nicht nur im aufständischen Lager der Nationalisten, sondern auch auf der Seite der Republik zu finden waren, überging er.[6] Er meinte weiter, „es handelt sich nicht um einen Bürgerkrieg, sondern um einen Kreuzzug für die Religion, das Vaterland und die Zivilisation.“[7] Sein Vorgesetzter, der Primas von Spanien, Erzbischof Isidoro Kardinal Gomá y Tomás, segnete dies am 24. November 1936[2] mit seinem Hirtenbrief ab.

Zwar hatte Franco selbst von einem „Kreuzzug“ als militärisches Unternehmen gesprochen, doch Pla y Deniel ging weiter und sah darin einen „Kreuzzug“ im Sinne eines Heiligen Krieges, was fortan das bestimmende Deutungsmuster der Kriegspropaganda war.[7] Zwei Monate nach Kriegsende rief er die Erzbischöfe nach Toledo, wo diese die Möglichkeiten einer aus Sicht der Kirche geeigneten Machtteilhabe erörterten, die einen geringen Machtumfang für die faschistische Falange vorsah.[1] Ein entsprechender Hirtenbrief wurde im September 1939 auf Druck des Innenministers nicht veröffentlicht.[1] Er sah es im Mai 1942 als erwiesen an, dass der franquistische Staat „die katholische Einheit Spaniens wiederhergestellt“[1] habe. Im August 1945[2] veröffentlichte er einen weiteren Hirtenbrief, in dem er sich als leidenschaftlicher Anhänger der Diktatur zeigte und im Februar 1946[2] stellte er bei einer Versammlung der obersten Kirchenhierarchie im Rom den Krieg der spanischen Nationalisten erneut als einen aus seiner Sicht echten „Kreuzzug“[2] dar.

Am 10. April 1950 hielt er die Predigt bei der Verehelichung der Diktatorentochter Carmen Franco y Polo mit dem Arzt Cristóbal Martínez Bordiú.[8] Am 1. April 1959 zelebrierte er für Franco, dessen Familie und den engeren Kreis der franquistischen Staatselite die Einweihungsmesse in der Basilika der damals mit dem Namen „Valle de los Caídos“ bezeichneten Kriegsgedenkstätte Valle de Cuelgamuros (eine zweite Messe für die Bevölkerung fand zeitgleich auf der Esplanade statt).[7] 1960 äußerte er sich erneut politisch und verlangte eine polizeiliche Schonung der von ihm geförderten katholischen Gewerkschaften Hermandad Obrera de Acción Católica (HOAC)[9] und Juventud Obrera Católica (JOC),[9] mit denen er das Ziel verfolgte, die wachsende Mobilisierungskraft von linken Gewerkschaften wie den Comisiones Obreras, hauptsächlich im Norden des Landes, zu brechen.[2]

Literatur

  • Ha muerto el cardenal primado. In: Ecclesia. 13. Juli 1968, S. 16–18.
  • Enrico Kardinal Pla y Deniel In: Internationales Biographisches Archiv 38/1968 vom 9. September 1968, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar).
Commons: Enrique Pla y Deniel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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