Entwertung (Psychologie)

psychischer Abwehrmechanismus From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Entwertung als ein psychischer Abwehrmechanismus gehört zu den primitiven Abwehrmechanismen und bildet den Gegenpol zur Idealisierung. Als psychischer Schutzmechanismus kann Entwertung dazu beitragen, ein instabiles Selbstwertgefühl kurzfristig zu stabilisieren. Sie tritt häufig gemeinsam mit Idealisierung auf und dient der Reduktion innerer Spannungen, die durch Kränkungen oder Zurückweisungen entstehen.[1][2][3]

In pathologischer Ausprägung kann die Entwertungsabwehr ein Teil der für Störungen auf niedrigem Strukturniveau (der narzisstischen und der Borderline-Persönlichkeitsstörung) typischen Spaltungsabwehr sein und stellt somit ein wichtiges Symptom dieser Störungsbilder dar.[4][5] Auch bei psychisch gesunden Menschen kann Entwertung als Mechanismus der Selbstwertregulation auftreten. In sozialen Vergleichs- oder Wettbewerbssituationen wird der Selbstwert einerseits durch den Vergleich mit weniger erfolgreichen Personen stabilisiert (Abwärtsvergleich), andererseits können auch besonders erfolgreiche oder bewunderte Personen abgewertet werden, wenn ihre Überlegenheit als Bedrohung des eigenen Selbstkonzeptes erlebt wird.[6][7]

Während Entwertung bei psychisch stabilen Personen meist situativ und begrenzt auftritt, nimmt sie bei strukturell weniger integrierten Persönlichkeiten eine überdauernde und rigide Form an. Insbesondere bei narzisstischer und Borderline-Persönlichkeitsstörung gilt Entwertung, gemeinsam mit Idealisierung, als zentraler Bestandteil der Spaltungsabwehr. Sie dient hier der Aufrechterhaltung eines brüchigen Selbstwertes und der Abwehr von Abhängigkeits- und Kränkungsängsten. Im Unterschied zu stabilen Persönlichkeitsstrukturen erfolgt die Abwertung dabei häufig abrupt, pauschal und ohne Möglichkeit zur nachträglichen Relativierung oder Integration widersprüchlicher Wahrnehmungen.[8][9][10]

Siehe auch

Literatur

  • Michael Ermann: Psychotherapeutische und psychosomatische Medizin. Ein Leitfaden auf psychodynamischer Grundlage (Manual, Bd. 17). 2. Aufl. Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3-17-014506-1.
  • Otto F. Kernberg: Schwere Persönlichkeitsstörungen. Theorie, Diagnose, Behandlungsstrategien (Severe personality disorders, 1986). 2. Aufl. Klett-Cotta, Stuttgart 1988, ISBN 3-608-95417-1.
  • Heinz Müller-Pozzi: Psychoanalytisches Denken. Eine Einführung. 3. Aufl. Huber, Bern 2004, ISBN 3-456-83877-8.

Einzelnachweise

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