Eoghan Harris
irischer Politiker
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Eoghan Harris (* 13. März 1943 in Douglas, County Cork, Irland) ist ein irischer Journalist und Politiker. Von 2007 bis 2011 war er als Parteiloser Mitglied des Seanad Éireann, des Oberhauses des irischen Parlaments.
Leben
1960er, 1970er und 1980er Jahre: Sozialismus
Eoghan Harris studierte am University College Cork Anglistik und Geschichte. 1965 war er Funktionär der Kleinstpartei Poblacht Chríostúil (deutsch: Christliche Republik). Zu dieser Zeit lernte er am University College Anne O’Sullivan kennen, die er heiratete. Er fasste dann Fuß in der Sinn Féin und wirkte an ihrem Kurswechsel zum Marxismus mit. Seine Bekanntschaft mit Größen der Irish Republican Army führte dazu, dass er nicht nur, die Aktionen der Gewerkschaften mit steuerte, sondern auch dass sich die Workers’ Party of Ireland als Abspaltung bildete. Von den 1970er Jahren bis in die 1990er Jahre arbeitete Harris für RTÉ, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
1990er Jahre: Hinwendung zur Realpolitik
1990 erklärte er, dass der Sozialismus keine Zukunft mehr haben werde, sondern die Ziele in einer sozialdemokratischen Prägung und in der Zusammenarbeit mit den linken Flügeln von Fine Gael und Labour verwirklicht werden müssten.[1] Harris trat wegen der Widerstände gegen seine Position aus der Workers’ Party aus und wandte sich zeitweise der Democratic Left zu. Er unterstützte die Präsidentschaftskandidatur von Mary Robinson, geriet aber in die Kritik, weil seine offensive Strategie, insbesondere bei den RTÉ-Übertragungen, die Kandidatin zu beschädigen drohten. 1991 unterstützte er den Fine Gael-Vorsitzenden John Bruton. 1997 erklärte er, dass eine Präsidentschaft der Fianna-Fáil-Kandidatin Mary McAleese zu einer „tickenden Zeitbombe“ führen würde. Er nahm seine Äußerungen später zurück. Während der Friedensbemühungen um Nordirland kritisierte er den Vorsitzenden der nordirischen Social Democratic and Labour Party John Hume für seine frühzeitigen Bemühungen um Gespräche mit der IRA. In der Vorbereitung und auch im Nachgang zum Karfreitagsabkommen unterstützte er David Trimble von der Ulster Unionist Party.
2000er Jahre: Neokonservatismus
Harris wandelte seine Positionen hin zum Neokonservativismus und trat ab 2003 für den dritten Golfkrieg ein. Er erklärte, dass er durch die Beseitigung Saddam Husseins neue Hoffnung für ein Israelisch-Palästinensisches Friedensabkommen bestünde. Er arbeitete ab dieser Zeit wieder für RTÉ und als Kolumnist für den Sunday Independent, die Sonntagsausgabe des Irish Independent. Ab Mitte der 2000er Jahre unterstützte er den neuen Kurs der Fianna Fáil und stellte sich als Journalist vor Bertie Ahern, dem Finanzmanipulationen und Bestechlichkeit in seiner Zeit als Finanzminister vorgeworfen wurden. Mehrfach trat er in der The Late Late Show auf RTÉ auf und drückte kurz vor den Wahlen zum Dáil Éireann 2007 seine Sympathien für die Fianna Fáil aus. Harris wurde im August 2007 von Taoiseach Bertie Ahern als Unabhängiger für den 23. Seanad nominiert.[2] Er verharmloste den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen durch den Schriftsteller Cathal Ó Searcaigh, indem er die Handlungen in Anlehnung an die griechischen Philosophen rechtfertigte.[3] Seine Dokumentation Darkness Visible über Geisteskrankheiten wurde preisgekrönt. Allerdings behauptete Harris zu Unrecht, dass er den Silbernen Bären der Berlinale für die Dokumentation erhalten habe. Darüber hinaus lieferte er zahlreiche Drehbücher für Fernsehfilme und Dokumentationen. Als 2021 bekannt wurde, dass er seit 2020 ein Twitterkonto mit falscher Identität (Barbara J. Pym) betrieb, wurde er als Kolumnist beim Sunday Independent entbunden. Von dem Twitterkonto wurden zahlreiche andere Journalisten angefeindet.[4]
Privates
In den 2000er Jahren trennte er sich von seiner Frau Anne und heiratete 2007 Gwendoline Halley. 2020 wurde bei Eoghan Harris Prostatakrebs diagnostiziert. Sein Bruder Joe Harris, der später den Social Democrats beitrat, war von 2014 bis 2019 Mitglied des Cork County Council.