Erdachsenbrunnen

Schalenbrunnen aus Granit mit bronzenem Erdball auf Postament, von vier wasserspeienden Fischen getragen, künstlerisch und ortsgeschichtlich von Bedeutung From Wikipedia, the free encyclopedia

Der sogenannte Erdachsenbrunnen in Bernstadt a. d. Eigen ist ein Schalenbrunnen aus Granit mit einem in der Mitte befindlichen bronzenen Erdball (der die Kontinente reliefartig darstellt) auf einem Postament, der von vier in alle Himmelsrichtungen Wasser speienden Fischen getragen wird.[1] Vier Putten zieren einen umlaufenden Kupferring. Am Becken befindet sich die Inschrift „Viele Orte stritten sich in Sachsen, wo wirklich sei der Erde Achsen – jetzt ist sie uns hierher befohlen, nun soll sie auch kein Teufel holen.“

Detail der Fische
Erdachsenbrunnen 2010

Geschichte

An der Stelle des Brunnens befand sich zuvor eine gusseiserne Brunnensäule, die 1874 errichtet wurde. Sie diente sowohl der Trinkwasserversorgung als auch – durch zwei schmiedeeiserne Laternen – der Marktbeleuchtung. Die Bevölkerung nannte sie weiterhin „Röhrbütte“ und nutzte sie als Treffpunkt zum Austausch von Neuigkeiten.

Der Brunnen wird der Kategorie der Scherzbrunnen zugeordnet, da seine Entstehung auf eine humorvolle Begebenheit zurückgeht. In den 1880er-Jahren war es üblich, dass Studenten des Löbauer Königlich-Sächsischen Lehrerseminars in Bernstadt Konzerte veranstalteten. Nach den Aufführungen, die in der damaligen Zeit wichtige gesellschaftliche Ereignisse waren, kam es am folgenden Tag zu einem traditionellen Umzug durch die Stadt, der mit einem Tanz um die Brunnensäule endete. Während eines solchen Anlasses gaben die Studenten der Säule den scherzhaften Namen „Erdachse“, der sich rasch im Ort verbreitete. In der Folge erklärte man den Bernstädter Markt humorvoll zur „Schmierstelle der Erdachse“.

Ein ähnlicher Brauch ist auch aus Pausa in Westsachsen bekannt, wo sich die „Schmierstelle“ im Ratskeller befindet und auf dem Rathausdach ein Globus angebracht ist.

Die ursprüngliche Brunnensäule verlor mit der Einführung der elektrischen Beleuchtung und der Verbesserung der Wasserversorgung zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre Funktion. Zudem behinderte sie zunehmend den Verkehr auf dem Marktplatz und wurde deshalb 1938 im Zuge einer Neugestaltung des Marktes entfernt. Dabei wurde auch die Marktlinde gepflanzt. 1939 entstand der heutige Marktbrunnen, entworfen von Professor Rudolf Born aus Dresden, der die Erinnerung an den früheren Brunnen und dessen humorvolle Geschichte bewahren sollte.

In Bernstadt wird das „Schmieren der Erdachse“ seit einigen Jahren von der Freiwilligen Feuerwehr als Bestandteil der Sommerfeste aufgegriffen. Im Rahmen der 750-Jahr-Feier von 1984 erhielt der Marktplatz seine bisher letzte umfassende Sanierung. Im Jahr 2009 fand im Rahmen der 775-Jahr-Feier der Stadt eine entsprechende Inszenierung mit einem eigens verfassten Theaterstück und über 1000 Besuchern statt.

Der Brunnen ist aufgrund seiner künstlerischen und ortsgeschichtlichen Bedeutung ein Kulturdenkmal.[1]

Seihe auch

Commons: Erdachsenbrunnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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