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Erholungsgebiet Wienerberg

Park in Österreich From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Erholungsgebiet Wienerberg in Wien ist ein 123 Hektar großes Gebiet mit Grün- und Wasserflächen, das sich auf dem ehemaligen Ziegeleigelände am südlichen Abhang des Wienerbergs befindet. Das Erholungsgebiet liegt im Süden der Stadt, im 10. Wiener Gemeindebezirk Favoriten. Es dient sowohl dem Naturschutz als auch der Erholung der Wiener Bevölkerung.[1]

Im Zentrum des Fotos steht der Blick auf den Wienerbergteich von leicht erhöhter Position aus. Rund um den Teich sieht man Grünflächen mit dem Schilfgrütel und Bäumen. Im Hintergrund kann man in der diesigen Luft gerade noch die Wienerwald-Berggipfel erkennen.
Blick über den Wienerbergteich

Geographische Lage und Beschreibung

Informationstafel am Erholungsgebiet Wienerberg mit Übersichtsplan über das Gebiet, 2026

Das Erholungsgebiet liegt gänzlich im Gemeindebezirk Favoriten, grenzt aber an die Nachbarbezirke Meidling und Liesing an. Es wird umfasst von folgenden Straßen:

  • im Westen: Eibesbrunnergasse,
  • im Norden: Sahulka- und Herta-Firnberg-Straße,
  • im Osten: Neilreichgasse sowie
  • im Süden: Otto-Probst-Straße, Friedrich-Adler-Weg und Gutheil-Schoder-Gasse.

Die Triester Straße teilt das Gebiet in einen östlichen und westlichen Teil. Sie kann bei einer Fußgänger- und Radfahrerunterführung am Friedrich-Adler-Weg unterquert werden. Der westliche Teil ist geprägt von den angrenzenden Sportstätten und -plätzen wie zum Beispiel dem Budo-Center, einen Golfplatz, Tennis- und Fußballplätzen. An der Nordseite geht das Erholungsgebiet in den Eva-und-Otto-Benesch-Park über.

Von den 123 Hektar fallen 16,1 Hektar auf Wasserflächen. Ehemalige Lehmgruben hinterließen mehrere Teiche, von denen der größte der zentral gelegene, 12 Hektar große Wienerbergteich ist. Weitere Teiche sind der Kleine und der Große Lehmteich, der Stierofenteich und die Kastanienalleeteiche 1 bis 3.[2]

Geschichte

Das Erholungsgebiet Wienerberg zählt zu den ab 1955 in jahrzehntelangem Bemühen von der Stadtverwaltung erworbenen Flächen, die die Erweiterung des Wald- und Wiesengürtels nach Süden und Osten ermöglichen sollten. 1967 erwarb die Gemeinde Wien das zuletzt als Mülldeponie verwendete, 120 Hektar umfassende Gelände, 1983–1995 wurde es unter der Leitung von Otto Häuselmayer in ein Erholungsgebiet umgewandelt.[3] Der Teil östlich der Triester Straße wurde 1990 fertiggestellt, bis 1995 folgte der Teil westlich davon.

Ende der 1980er Jahre wurde das Erholungsgebiet Wienerberg als naturnah gestaltete Wald-, Wiesen- und Teichlandschaft zugänglich gemacht. Die naturnahe Gestaltung durch die Magistratsabteilung 49, das Forstamt der Stadt Wien, steht in markantem Gegensatz zur aufwändigen gärtnerischen Gestaltung, die den für die Internationale Gartenschau 1974 (WIG 74) geschaffenen Kurpark Oberlaa, ebenfalls auf einem Südhang des 10. Bezirks im Süden der Stadt, kennzeichnet. Die starke Bautätigkeit im Umfeld führte seit 1990 zwar zu Flächenverlusten des Erholungsgebiets, andererseits erhöhte sich die Bewohnerzahl in fünfminütiger Gehdistanz seit 1948 auf etwa das Doppelte.

Naturraum

Das gesamte Areal ist Landschaftsschutzgebiet[4], der Wienerbergteich mit seiner direkten Umgebung ist ein Naturdenkmal[5].[2]

Sowohl die Trockenrasenflure als auch die Teiche mit ihren Schilfgürteln sind Lebensraum für eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt. Das Landschaftsschutzgebiet beherbergt auf der Roten Liste stehende Arten wie den Große Feuerfalter und die Europäische Sumpfschildkröte. Die Teiche mit ihren Schilf-Röhricht sind Brut-, Schlaf- und Nahrungsplätze für zahlreiche Sing- und Wasservögel wie etwa für den Drosselrohrsänger oder den Haubentaucher. Die Besuchenden werden mit Infotafeln über die Vogelwelt und über das richtige Verhalten im Gebiet aufgeklärt, um Störungen – insbesondere von brütenden Vögeln und Jungtieren – zu vermeiden.[1]

Das seit 2015 in Wien bestehende Projekt Stadtwildtiere verzeichnet auf seiner Beobachtungskarte zahlreiche Sichtungen von Wildtieren im Erholungsgebiet.[6]

2017 kam es zu mehreren Vorfällen von Vandalismus, bei denen 20 Bienenstöcke zerstört wurden.[7]

In den letzten Jahren wird über invasive Arten wie Götterbaum[8] oder Marmorkrebs[9] am Wienerberg berichtet.

Sport und Freizeit

Das Erholungsgebiet Wienerberg dient mit seiner Infrastruktur der Erholung und Freizeitgestaltung der Bevölkerung. Es hat ein gut ausgebautes Wegenetz von 14 km, das Teil des Wiener Stadtwanderweges 12[10] und des am Stadtrand Wiens entlangführenden Rundwanderweges Rundumadum[11] ist. Die Wege sind zudem beliebte Laufstrecken[12], auf denen jährlich im Mai der Wienerberg Run[13] stattfindet. Das Fahrradfahren ist nur auf entsprechend markierten Wegen erlaubt.

Weiters werden sowohl im westlichen als auch im östlichen Teil frei zugängliche Kinderspielplätze, Hundeauslaufzonen, Fußball- und Basketballplätze und Liegewiesen geboten. Es gibt Trinkbrunnen und mobile Toiletten.[1] 2025 wurde bei den Sportstätten im westlichen Teil ein Rollstuhl- und Fahrradpark[14] eröffnet, der durch eine Projektidee von jungen Menschen im Rahmen der Wiener Kinder- und Jugendmillion entstanden ist.[15]

Obwohl der Wienerbergteich kein offizieller Badesee ist, wird er von Besuchenden im Sommer zum Schwimmen genutzt. Am nördlichen Ufer befindet sich eine FKK-Zone.[16]

In kalten Wintern wird der Wienerbergteich zum Eislaufen genutzt, jedoch wird die Eisdicke nicht überprüft und die Stadt Wien rät vom Eislaufen auf Naturgewässern ab. Bei Schnee werden Langlaufloipen gespurt.[17] Beides kam allerdings in den letzten Jahren aufgrund von warmen und schneearmen Wintern nur noch selten vor.

Im nördlichen Bereich des Wienerbergs liegt ein Aussichtspunkt, der durch die nach Süden abfallenden Flanken eine gute Aussicht auf das südliche Wien und Niederösterreich bietet und mit Informationstafeln ausgestattet ist. Bei guter Sicht lassen sich die Perchtoldsdorfer Heide und der Naturpark Föhrenberge, der Anninger, der Hohe Lindkogel und der Schneeberg erkennen. 2020 wurde der Aussichtspunkt mit einem Foto-Point erweitert, als dort das aus dem Vorspann der ORF-Fernsehserie MA2412 bekannte Eingangstor aufgestellt wurde.[18]

Eine mit dem Rudolf-Wurzer-Preis ausgezeichnete Studie im Rahmen einer Dissertation an der Universität für Bodenkultur stellte 2009 ein hohes Maß an Besucherzufriedenheit fest.[19]

Nutzung durch Vereine und private Unternehmen

  • Am Alfred-Adler-Weg wird das Gasthaus Das Chadim betrieben. Die Geschichte des Gasthauses geht auf ein historisches Vorgänger-Lokal aus der Zeit der Ziegelwerke zurück. Dort fanden einst die Versammlungen der Ziegelarbeiter statt, die 1895 im Ziegelarbeiterstreik mündeten. Der Sozialdemokrat, Arzt und Journalist Victor Adler beteiligte sich an den Versammlungen im Gasthaus Chadim. Das Gasthaus wurden in den 1990er-Jahren nach Fertigstellung des Erholungsgebietes wiedereröffnet und dient als Restaurant und Veranstaltungsort.[20]
  • Der Verein ObstStadt Wien pflanzt in Kooperation mit der Stadt Wien Obstparks. Die Obstbäume werden von Freiwilligen betreut. Jeder darf so viel reifes Obst ernten, wie in den eigenen Händen getragen werden können.[21]
  • Mitglieder des Fischereivereins Wienerberg dürfen mit gültiger Fischerkarte im Wienerbergteich unter Einhaltung der Revierordnung fischen.[22]
  • Der Verein Dirtpark Wienerberg betreibt am östlichen Spielplatz nahe der Neilreichgasse einen Pumptrack für BMX- und Mountainbike-Fahrende.[23]
  • Die Ackerhelden GmbH vermietet im südlichen Teil des Wienerbergs nahe des Friedrich-Adler-Weges Parzellen für den Gemüseanbau in einem Gemeinschaftsgarten.[24]

Literatur

Arne Arnberger: Modellierung sozialer Tragfähigkeitsgrenzen von Erholungsgebieten: dargestellt am Erholungsgebiet Wienerberg (= Universität für Bodenkultur, Dissertation). Wien 2003 (österreichisches Deutsch, obvsg.at).

Einzelnachweise

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