Erik Swyngedouw
belgischer Geograph und Hochschullehrer
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Erik Achille Marie Swyngedouw (* 30. Juli 1956) ist ein belgischer Geograph. Er ist Professor für Geographie an der University of Manchester in Manchester. In seinen Forschungen beschäftigt er sich unter anderem mit der Neukonfiguration politisch-gesellschaftlicher Steuerungseeinheiten im Zuge der Glokalisierung sowie mit Raum- und Stadtentwicklungsprozessen in polit-ökologischer Hinsicht.
Leben
Erik Swyngedouw legte 1974 am Sint-Jozefscollege in Hasselt, einer Oberschule mit Orientierung auf Latein und Mathematik, das Abitur ab. Anschließend studierte er Agraringenieurwesen an der Katholischen Universität Löwen und schloss 1979 mit dem Master of Science (M.Sc.) ab. 1985 erwarb er am interdisziplinären Institut für Stadt- und Regionalplanung derselben Universität einen weiteren Mastergrad und drei Jahre später einen Master of Arts (M.A.) an der University of Oxford. 1991 wurde er an der Fakultät für Geographie und Umweltingenieurwissenschaften (Department of Geography and Environmental Engineering) zum Ph.D. promoviert.[1]
Erik Swyngedouw war von 1988 bis 1997 Lecturer im Bereich Humangeographie und anschließend Associate Fellow an der Environmental Change Unit der University of Oxford, an der er bis 2006 auch Official Fellow und Tutor für Geographie am St.-Peter’s -College war. Im Herbst 1996 führte ihn zudem eine mit dem European Marie Curie Fellowship verbundene mehrwöchige Gastprofessur an die Universität Sevilla. Im Spätsommer 1998 war er Marie Curie Fellow und Gastprofessor im Fachbereich Stadt- und Regionalplanung der Aristoteles-Universität Thessaloniki. Im Frühjahr 2002 war er Monet-Marshall-Gastprofessor an der Jackson School of International Relations sowie dem Fachbereich Geographie der University of Washington und im Herbst 2004 Visiting Research Fellow an der Autonome Universität Barcelona.[2]
Von 2004 bis 2006 lehrte er als ordentlicher Professor für Geographie an der University of Oxford und nahm 2006 den Ruf auf den Lehrstuhl für Geographie an der University of Manchester an. Von 2008 bis 2010 war er zudem Gastprofessor an der Katholischen Universität Löwen, 2011 Leverhulme Trust Senior Research Fellow der British Academy und von 2011 bis 2014 Gastprofessor an der Universität Gent.[2]
Werk
Zu den empirischen Forschungsschwerpunkten Swyngedouws gehören insbesondere die Rolle von Wasser bei der Entstehung und Umgestaltung geographisch-gesellschaftlicher Konfigurationen sowie Prozesse der Stadtentwicklung, etwa in Hinblick auf Veränderungen städtischer Governance. Seine theoretischen Ansätze hierfür liegen in der Politischen Ökologie und der Politischen Ökonomie.[3] So untersuchte er anhand der Etablierung von Fluss-Einzugsgebieten als neuer administrativer Maßstabsebene des Wassermanagements im Spanien des 19. und 20. Jahrhundert, wie eine vermeintlich an natürlichen Gegebenheiten orientierte Umgestaltung des Zugangs zu Ressourcen als Modernisierungsinstrument politischer Machtverhältnisse genutzt wurde.[4] Er hat mehr als 300 wissenschaftliche Artikel und Buchbeiträge veröffentlicht und war an mehr als 280 wissenschaftlichen Fachtagungen beteiligt.[5]
Swyngedouw verwendete im 1996 erschienenen Aufsatz The City As a Hybrid: On Nature, Society and Cyborg Urbanization erstmals den Begriff urban political ecology und prägte die Frühphase dieses Forschungsgebiets zusammen mit einigen seiner Schülerinnen und Schüler in Oxford mit.[6] Des Weiteren entwickelte er das Konzept der Postpolitischen Stadt,[7] das den Begriff der Post-Politik in die Stadtforschung einführt.[8]
Veröffentlichungen (Auswahl)
Bücher
- Erik Swyngedouw: Social Power and the Urbanization of Water - Flows of Power. Oxford University Press, 2004, ISBN 978-0-19-823391-6.
- Nik Heynen, Maria Kaïka, Erik Swyngedouw (Hrsg.): In the Nature of Cities: Urban Political Ecology and the Politics of Urban Metabolism. Routledge, London und New York 2006, ISBN 978-0-415-36828-5.
- Erik Swyngedouw: Liquid Power: Contested Hydro-Modernities in Twentieth-Century Spain. MIT Press, Cambridge (Massachusetts) und London 2015, ISBN 978-0-262-02903-2, doi:10.7551/mitpress/9780262029032.001.0001.
- Erik Swyngedouw: Promises of the Political: Insurgent Cities in a Post-Political Environment. MIT Press, Cambridge (Massachusetts) 2018, ISBN 978-0-262-03822-5.
- Henrik Ernstson, Erik Swyngedouw: Urban Political Ecology in the Anthropo-obscene: Interruptions and Possibilities. Routledge, London und New York 2019, ISBN 978-1-138-62919-6.
- Frank Moulaert, Bob Jessop, Erik Swyngedouw, Liana Simmons, Pieter Van Den Broeck: Political Change through Social Innovation: A Debate. Edward Elgar Publishing, Cheltenham 2022, ISBN 978-1-80392-513-4.
Aufsätze
- Frank Moulaert, Erik Swyngedouw: Regionalentwicklung und die Geographie flexibler Produktionssysteme: Theoretische Auseinandersetzung und empirische Belege aus Westeuropa und den USA. In: Renate Borst, Stefan Krätke, Margit Mayer, Roland Roth, Fritz Schmoll (Hrsg.): Das neue Gesicht der Städte: Theoretische Ansätze und empirische Befunde aus der internationalen Debatte (= Stadtforschung aktuell. Band 29). Birkhäuser, Basel u. a. 1990, ISBN 3-7643-2540-2, S. 89–108.
- Erik Swyngedouw: The City As a Hybrid: On Nature, Society and Cyborg Urbanization. In: Capitalism Nature Socialism. Band 7, Nr. 2, 1996, S. 65–80, doi:10.1080/10455759609358679.
- Erik Swyngedouw: The post-political city. In: BAVO (Hrsg.): Urban Politics Now: Re-Imagining Democracy in the Neoliberal City. NAi010 Publishers, Rotterdam 2007, ISBN 978-90-5662-616-7, S. 58–76.
- Erik Swyngedouw: Die postpolitische Stadt. In: sub\urban. zeitschrift für kritische stadtforschung. Band 1, Nr. 2, 2013, S. 141–158, doi:10.36900/suburban.v1i2.100.
Ehrungen (Auswahl)
- 2008: James Blaut Memorial Award der Association of American Geographers[2]
- 2011: British Academy Leverhulme Trust Senior Research Fellowship[2]
- 2015: Wahl zum Mitglied der Academia Europaea[2]
- 2018: Ehrendoktorwürde der Universität Malmö[9]
- 2018: Ehrendoktorwürde der Universität Roskilde[2]