Ernetschwilerbach

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Der Ernetschwilerbach ist ein gut 10 Kilometer langer Bach in den Appenzeller Alpen in der Schweiz. Er entwässert einen Teil der Landschaft am Berghang über der Linthebene im Kanton St. Gallen und durchquert auf halbem Weg ein Landschaftsschutzgebiet von nationaler Bedeutung. Der ursprüngliche Siedlungskern von Uznach lag im Frühmittelalter am Unterlauf des Baches. Dieser mündet bei Uznach in den Rechtseitigen Hintergraben, der dem Linthkanal folgt und bald nach der Mündung des Ernetschwilerbachs den Zürichsee erreicht.

Schnelle Fakten
Ernetschwilerbach
Hofsagi-Brücke über den Ernetschwilerbach

Hofsagi-Brücke über den Ernetschwilerbach

Daten
Gewässerkennzahl CH: 614
Lage Appenzeller Alpen

Schweiz Schweiz

Flusssystem Rhein
Abfluss über Rechtseitiger Hintergraben Limmat Aare Rhein Nordsee
Quelle im Cholwald am Regelstein
47° 14′ 51″ N,  4′ 10″ O
Quellhöhe 1225 m ü. M.
Mündung bei Uznach in den Rechtseitigen Hintergraben
47° 13′ 6″ N,  58′ 9″ O
Mündungshöhe 407 m ü. M.
Höhenunterschied 818 m
Sohlgefälle ca. 78 
Länge ca. 10,4 km[1]
Einzugsgebiet 9,47 km²[1]
Abfluss[2]
AEo: 9,47 km²
an der Mündung
MQ
Mq
340 l/s
35,9 l/(s km²)
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Ernetschwilerbach (Appenzeller Alpen)
Ernetschwilerbach (Appenzeller Alpen)
Quelle
Mündung
Appenzeller Alpen
Quelle und Mündung des Ernetschwilerbachs

Geographie

Verlauf

Oberlauf

Der Ernetschwilerbach entspringt nordöstlich von Uetliburg in der Gemeinde Gommiswald auf 1225 m ü. M. am steilen bewaldeten Nordwesthang des Regelsteins, der eine Anhöhe in der Bergkette nördlich des Speers und der dominierende Berg auf der Südseite des Rickenpasses ist. Die Quellbäche des Ernetschwilerbachs liegen nahe an der Wasserscheide, die vom Regelstein zum Rickenpass die Einzugsgebiete der Aare im Westen und der Thur im Osten trennen. Wegen einer nur wenig ausgeprägten Geländerippe in der Seitenmoräne des eiszeitlichen Rhein-Linth-Gletschers[3] fliesst der Ernetschwilerbach, im Unterschied zu den zahlreichen benachbarten Wildbächen wie dem Seelibach, nicht am Berghang zum Rickenbach im Flussgebiet der Thur hinunter, sondern nimmt einen viel längeren Lauf gegen Westen in die Ebene am Linthkanal.

Die Bergzone mit dem Quellgebiet des Ernetschwilerbachs liegt im Waldreservat «Wängital-Regulastein». Im Osten stösst es an die geschützte Moorlandschaft Unter Hüttenbüel, die im Bundesinventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung verzeichnet ist, und an das Landschaftsschutzgebiet von nationaler Bedeutung Speer – Churfirsten – Alvier. Die Quellen mehrerer Bäche im Cholwald, so auch jene des Ernetschwilerbachs, sind gemäss der Geologischen Karte des Gebiets in Brunnenstuben gefasst und für die Wasserversorgung der Region von Gommiswald und Uznach abgeleitet.[4][5]

Aus dem Cholwald fliesst der Wildbach gegen Westen zu den Rodungslichtungen Churzschwändeli, Wasserstein und Rietmaren hinunter. Danach verläuft er in einem stets tiefer werdenden Graben, neben dem Bergrücken Chamm, über den Berghang. Aus den Waldabschnitten fliessen ihm viele kurze namenlose Nebenbäche zu. Auf etwa 800 m ü. M. verlässt der Bach die bewaldete Bergzone und erreicht die offene, mit Siedlungen und intensiver Landwirtschaft genutzte Kulturlandschaft. Bei Uetliburg, einem Ortsteil von Gommiswald, wird er von der Rickenstrasse (Hauptstrasse 427) überquert. Danach nimmt er, nahe der Kapelle Felix und Regula, von rechts den Schneckenbühlbach auf, bevor er in seinem Tal das Gebiet beim Kloster Berg Sion passiert.

Haslentobel und Böllenbergtobel

Bei Gommiswald überquert die Ernetschwilerstrasse den Bachgraben, in den der Böggenbach mündet und der im weiteren Verlauf als tief in die Moränenlandschaft eingeschnittenes, bewaldetes Tobel südlich der Dörfer Hinterernetschwil und Ernetschwil liegt. Hier nimmt der Ernetschwilerbach von links den Huetbach auf, seinen grössten Nebenbach, der auch Härrisbächli oder Armenhausbächlein genannt wird. Das 1,5 Kilometer lange, schluchtartige Tal, dessen oberer Teil Haslentobel heisst, gefolgt vom unteren Abschnitt Böllenbergtobel, ist wegen der dort sichtbaren «aussergewöhnlichen geologischen und paläontologischen Zeugnisse» als landschaftliches Schutzgebiet mit der Bezeichnung «Böllenbergtobel bei Uznach» im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgeführt. Die Erläuterungen zum Bundesinventar beschreiben das Gewässer in der Schlucht, das eine «ungestörte Gewässer- und Geländedynamik, kleine Wasserfälle, Kolke, Prall- und Gleithänge, Bachmäander und Quellnischen» aufweist und einen guten Lebensraum für Amphibien bildet.[6] Die geologischen Aufschlüsse des felsigen Untergrunds aus Sandstein und Nagelfluh (subalpine Molasse), von darüber liegendem glazialem Schotter und von Schieferkohle, die früher im Tagebau ausgebeutet wurde, sind für die Rekonstruktion der Landschaftsgeschichte am Ricken wichtig.[7]

Unterlauf

Auf 455 m ü. M. verlässt der Bach das Tobel und das Landschaftsschutzgebiet und fliesst über eine kleine Ebene bei der Neumühle von Uznach, wo bis 1920 eine Mühle und eine Badstube betrieben wurden.[8] 250 Meter südlich liegt die Abtei St. Otmarsberg. Auf 420 m ü. M. tritt er, in den westlichen Quartieren von Uznach und begleitet vom Ernetschwilerbachweg, aus der Hügelzone auf seinen ziemlich flachen Bachschwemmkegel an der Linthebene hinaus. Als sich der Zürichsee vor Jahrtausenden noch über die heutige Linthebene erstreckte, schuf der Ernetschwilerbach am Seeufer ein kleines Flussdelta, das mit dem Verlanden dieses Seeteils von der sumpfigen Ebene umschlossen wurde.

Im frühen Mittelalter entstand neben dem Bach, nahe am damaligen Seeufer, die früheste Siedlung von Uznach, die mit dem Ortsnamen Huzinaa schon in Urkunden des 8. Jahrhunderts erwähnt ist.[9] Bei diesem ehemaligen alten Siedlungskern steht die alte Uznacher Kreuzkirche.

Die Hauptstrasse 17 Zürcherstrasse und die um 2020 auf Doppelspur ausgebaute Bahnstrecke Rapperswil–Ziegelbrücke überqueren den Bachgraben, der früher auch Alt Stadtbach genannt wurde. Mit einem abgeleiteten Kanal wurde im frühen 20. Jahrhundert ein Sägewerk beim Bahnhof Uznach betrieben.[10]

Im letzten Abschnitt nimmt der Bach das Wasser aus mehreren eingedolten Bächen und Drainageleitungen auf.[11] Um 2010 liess das Tiefbauamt des Kantons St. Gallen den Kanal bei Uznach revitalisieren und besser gegen Hochwasser sichern. Im Täli oberhalb des Siedlungsgebietes entstand ein Geschiebesammler. Blockrampen ersetzten die älteren, hohen Betonschwellen und erleichtern seither die Durchgängigkeit des Gewässers für Fische.[12] Die mit Steinblöcken geschaffenen «Pendelrampen» im Ernetschwilerbach sind ein Beispiel für die Sohlensicherung eines steilen, erosionsgefährdeten Gewässers.[13]

In der Ebene am Bleichiriet wird der Bachgraben ausserhalb des flachen Seitendammes von einer zusätzlichen Entwässerungsrinne begleitet. Der Bach fliesst 1,4 Kilometer weit in südsüdwestlicher Richtung als gerader Kanal durch die meliorierte Ebene, wird zuletzt noch von der Allmeindstrasse überquert und mündet beim Kieswerk Grynau und neben dem grossen Unterwerk Grynau auf 407 m ü. M. in den Rechtseitigen Hintergraben, der parallel zum Linthkanal verläuft. Knapp vorher nimmt der Hintergraben auch den Steinenbach auf, der das benachbarte Berggebiet südlich von jenem des Ernetschwilerbachs entwässert.[14]

Bis im Mittelalter mündeten die Bäche bei Uznach direkt in die östlichste Bucht des damals noch grösseren Zürichsees. Danach verlandete das Gebiet der heutigen Linthebene, und die Bäche flossen durch das feuchte Sumpfgebiet am flachen Ufer in die Linth, den Hauptzufluss des Sees.[15]

Einzugsgebiet

Das 9,47 km² grosse Einzugsgebiet des Ernetschwilerbachs liegt in den Appenzeller Alpen und wird über den Rechtseitigen Hintergraben, die Limmat, die Aare und den Rhein zur Nordsee entwässert.

Es grenzt

  • im Südosten an das Einzugsgebiet des Giegenbachs, der über den Dorfbach, den Steinenbach in den Rechtseitigen Hintergraben entwässert, und an das des Hasenweidbachs, der über den Rotfarbkanal in den Steinenbach entwässert;
  • im Süden an das des Steinenbachs direkt;
  • im Südwesten an das des Rechtseitigen Hintergrabens;
  • im Westen an das des Aabachs, der in den Obersee mündet;
  • im Norden an das der Ranzach, die in den Aabach mündet, und
  • im Nordosten an das des Rickenbachs, der über die Thur in den Rhein entwässert.

Das Einzugsgebiet besteht zu 27,7 % aus bestockter Fläche, zu 53,7 % aus Landwirtschaftsfläche, zu 17,9 % aus Siedlungsfläche und zu 0,7 % aus unproduktiven Flächen.

Flächenverteilung

Die mittlere Höhe des Einzugsgebietes beträgt 658,8 m ü. M.[16]

Zuflüsse

Von der Quelle zur Mündung

  • Schneckenbühlbach (rechts), 0,5 km
  • Böggenbach (links), 3,2 km, 1,24 km²
  • Huetbach (links), 3,9 km, 1,73 km²
  • Bohlbach (rechts), 0,2 km
  • Leutschenbächli (rechts), 0,2 km[17]

Hydrologie

Bei der Mündung des Ernetschwilerbachs in den Rechtseitigen Hintergraben beträgt seine modellierte mittlere Abflussmenge (MQ) 0,34 m³/s.[2] Sein Abflussregimetyp ist pluvial supérieur[18] und seine Abflussvariabilität 24.[19]

Weitere Informationen Der modellierte monatliche mittlere Abfluss (MQ) des Ernetschwilerbachs in m³/s ...
Der modellierte monatliche mittlere Abfluss (MQ) des Ernetschwilerbachs in m³/s[2]
0,6
0,5
0,4
0,3
0,2
0,1
0
0,34
0,42
Jan.
0,50
Feb.
0,51
März
0,37
Apr.
0,24
Mai
0,32
Juni
0,30
Juli
0,25
Aug.
0,28
Sep.
0,24
Okt.
0,33
Nov.
0,46
Dez.
Durchgehende Linie: Mittlerer Jahresabfluss (MQ) 0,34 m³/s
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Siehe auch

Commons: Ernetschwilerbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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