Ernst-Wilhelm Gohl
deutscher evangelischer Pfarrer, Landesbischof der Württembergischen Landeskirche
From Wikipedia, the free encyclopedia
Ernst-Wilhelm Gohl (* 3. Juni 1963 in Stuttgart) ist ein deutscher evangelischer Pfarrer. Er ist seit 2022 der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Leben
Ernst-Wilhelm Gohl wuchs in Esslingen-Sulzgries und Mössingen auf und leistete Zivildienst. Anschließend war er als Rettungsassistent beim Deutschen Roten Kreuz tätig. Er studierte Evangelische Theologie an den Universitäten Tübingen und Bern sowie an der Theologischen Fakultät der Tempio Valdese di Roma in Rom, die zur Evangelischen Waldenserkirche Italiens gehört. Nach dem Vikariat in Böblingen war er von 2001 bis 2006 Pfarrer an der Stadtkirche in Plochingen.
Von 2006 bis 2022 war er Dekan des Kirchenbezirks Ulm. Seit 2007 ist er Mitglied der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, wo er bis zu seiner Wahl zum Landesbischof 2022 dem Gesprächskreis Evangelium und Kirche angehört hat, der als kirchenpolitisch mittig gilt.
Bei der Wahl zum Bischof im März 2022 konnte zunächst in vier Wahlgängen[1] keiner der drei Bewerber (neben Gohl waren dies Gottfried Heinzmann vom konservativ-pietistischen Gesprächskreis Lebendige Gemeinde und Viola Schrenk vom liberalen Gesprächskreis Offene Kirche) die notwendige Zweidrittelmehrheit erreichen.[2] Im fünften Wahlgang erreichte Gohl, der sich nach dem zweiten Wahlgang zunächst zurückgezogen hatte, als nun einziger erneut nominierter Kandidat die Zweidrittelmehrheit.
Gohl wurde am 24. Juli 2022 in der Stuttgarter Stiftskirche in sein Amt eingeführt. Er folgte dem bisherigen Bischof Frank Otfried July nach.
Im September 2022 wurde er als Vertreter der EKD in den Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland gewählt.[3] Im März 2025 wählte die Mitgliederversammlung ihn zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der ACK in Deutschland[4].
Positionen
AfD
2024 schrieb Gohl in dem Magazin „Evangelium und Kirche“, der Zeitschrift der gleichnamigen Fraktion der württembergischen Landessynode, er halte „die AfD für Christinnen und Christen für nicht wählbar“. Die Landeskirche erklärte dazu, Gohl habe damit ein „deutliches Signal“ gegen „rechte Umtriebe“ setzen wollen.[5] Im Mai 2026 warf Gohl der AfD vor, sie wolle „die Kirche kaputt machen“.[6]
Russisch-Ukrainischer Krieg
In einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten erklärte Gohl mit Hinblick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, dass Selbstverteidigung gerechtfertigt, jedoch nicht gerecht sei. Wer sich verteidige und dabei andere Menschen töte, mache sich ebenfalls schuldig. Einen gerechten Krieg gebe es nicht.[6]
MAGA-Bewegung
Den konservativen Evangelikalen in der MAGA-Bewegung, die Donald Trump gewählt hatten, warf Gohl „Verrat am Christentum“ vor. Pete Hegseth instrumentalisiere die Religion und Peter Thiels Glaube habe mit dem Christentum nichts zu tun.[6]
Homo-Ehe
Gohl befürwortet kirchliche Segnungsfeiern für homosexuelle Paare. Gleichzeitig betonte Gohl, er respektiere diejenigen Christen, die dies mit ihrem Bibelverständnis nicht vereinbaren könnten.[6]
Abtreibung
Im November 2023 kritisierte Gohl den Vorstoß der EKD zu einer vollständigen Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs.[7] In einem Offenen Brief sprach sich Gohl zusammen mit seinem katholischen Amtskollegen Gebhard Fürst für eine Beibehaltung des geltenden Strafrechts aus und betonten, dass Gott ein „Freund des Lebens“ ist.[8]
Familie
Gohl ist Sohn des evangelischen Pfarrers Ulrich Gohl (1930–2015). Mit seiner Ehefrau, einer Apothekerin, hat er zwei erwachsene Kinder; ein weiteres Kind verunglückte im Kleinkindalter tödlich.
Auszeichnungen
- 2019: Reinhold-Maier-Preis der Reinhold-Maier-Stiftung[9]
Weblinks
- Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl bei der Evangelischen Landeskirche in Württemberg
- Ernst-Wilhelm Gohl, biographische Angaben als Mitglied der Landessynode
- biographische Angaben auf der persönlichen Homepage von Ernst-Wilhelm Gohl
- epd, Ulms Dekan Ernst-Wilhelm Gohl wird Bischof in Württemberg, badische-zeitung.de, 19. März 2022