Ernst Münz
1950-1969 Pfarrer in Kirchardt
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Ernst Leopold Philipp Münz (* 12. Januar 1915 in Durlach; † 30. Juni 1969 in Sinsheim) war ein deutscher evangelischer Geistlicher. Er gehörte zum Umfeld der Bekennenden Kirche in Baden und war in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv. Wegen der Verbreitung kirchlicher Schriften geriet er während der Zeit des Nationalsozialismus in Konflikt mit staatlichen Stellen und wurde 1939 verhaftet.[1]
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Münz als Pfarrer in der Evangelischen Landeskirche in Baden tätig.
Leben
Herkunft und Ausbildung
Ernst Münz wurde als Sohn des Kaufmanns Leopold Münz und dessen Ehefrau Marie, geborene Beck, geboren. Er wuchs in einem evangelisch geprägten Elternhaus in Karlsruhe-Durlach auf. Nach dem Besuch der Volksschule wechselte er 1925 auf das Humboldt-Realgymnasium in Karlsruhe.[1]
Bereits als Jugendlicher engagierte sich Münz in evangelischen Schüler- und Bibelkreisen. Nach dem Abitur begann er 1934 ein Studium der evangelischen Theologie an den Universitäten Tübingen, Erlangen und Heidelberg.[2]
Kirchliche Jugendarbeit und Bekennende Kirche
Seit seiner Jugend war Münz in der evangelischen Jugendarbeit aktiv, insbesondere im Umfeld der Schülerbibelkreise und der sogenannten Jungenwacht. Während seines Studiums übernahm er organisatorische Aufgaben, betreute Freizeiten und beteiligte sich an der Herstellung und Weitergabe von Rundbriefen und theologischen Texten, die innerhalb der Bekennenden Kirche zirkulierten.[1]
Münz gehörte der Bekennenden Kirche in Baden an, ohne ein offizielles Leitungsamt zu bekleiden. Seine Tätigkeit stand im Zusammenhang mit regionalen Netzwerken kirchlicher Opposition gegen die Gleichschaltung der evangelischen Kirche im Nationalsozialismus.[1]
Verhaftung und Haftzeit
Am 16. Mai 1939 wurde Münz, einen Tag nach dem Bestehen seiner zweiten theologischen Prüfung, von der Gestapo verhaftet. Anlass waren Hausdurchsuchungen, bei denen kirchliche Rundschreiben, Abschriften von Predigten sowie weitere theologische Texte sichergestellt wurden. Münz wurde vor dem Sondergericht Mannheim angeklagt, unter anderem wegen Verstößen gegen das sogenannte Heimtückegesetz.[1]
Er wurde zu einer Haftstrafe verurteilt und im Februar 1940 aus dem Gefängnis entlassen. Infolge der Verurteilung wurde seine Übernahme in den kirchlichen Dienst zunächst verhindert.[1]
Wehrmacht und Kriegszeit
Nach seiner Haftentlassung wurde Münz zur Wehrmacht eingezogen. Während eines Kriegseinsatzes erlitt er 1943 eine schwere Verwundung durch eine Minenexplosion, infolge derer er dauerhaft körperlich beeinträchtigt blieb.[2]
Wirken nach 1945
Nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde Ernst Münz 1945 zum evangelischen Pfarrdienst zugelassen und ordiniert. Er war zunächst als Vikar in Durlach tätig, später unter anderem in Sachsenhausen. Ab 1950 wirkte er als Pfarrer in Kirchardt, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1969 blieb.[2]
Münz war seit 1944 mit Ruth Odenwald verheiratet; aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.
Nachlass
Der schriftliche Nachlass von Ernst Münz wird im Evangelischen Archiv Baden und Württemberg verwahrt (Bestand 150.108). Er umfasst persönliche Unterlagen, Korrespondenzen sowie umfangreiche Materialien zur kirchlichen Jugendarbeit und zur Bekennenden Kirche in Baden.[3]
Literatur
- Hans-Georg Ulrichs: „Ihr Name und Ihr Schicksal ist der ganzen Bekennenden Kirche vertraut.“: vom Schülerbibelkreis in die Fänge der Gestapo: Ernst Münz (1915–1969) und sein BK-Freundeskreis. In: Jahrbuch für badische Kirchen- und Religionsgeschichte. 2012, S. 221–266, doi:10.57962/REGIONALIA-21067.
- Hans-Georg Ulrichs: Vom Schülerbibelkreis in die Widerständigkeit: Ernst Münz (1915–1969) und seine Freunde in Durlach. In: Badische Heimat. 2021, S. 63–82, doi:10.57962/REGIONALIA-22347.