Ernst Neckel

deutscher Segelschiff-Kapitän der Hamburger Reederei Mentz, Decker & Co From Wikipedia, the free encyclopedia

Ernst Johann Friedrich Neckel (* 23. März 1858 in Ganschow; † 7. Mai 1942 in Schwerin) war ein deutscher Segelschiff-Kapitän der Hamburger Reederei Mentz, Decker & Co.[1]

Herkunft

Ernst Neckel wurde in der mecklenburgischen Gemeinde Ganschow, die im Nordbereich der Mecklenburgischen Seenplatte liegt und an das südwestliche Stadtgebiet von Güstrow grenzt, als einziger Sohn zwischen zwei Schwestern, des damaligen Erbpächters Heinrich Neckel (1822–1899) und dessen Ehefrau Emma, geb. Staak (1823–1910) geboren.

Seine Kindheit verbrachte er in Groß Trebbow zusammen mit seinen Schwestern Helene und Marie, wo sie auch von einer Erzieherin unterrichtet wurden. 1870 zog die Familie nach Schwerin und Ernst besuchte die Real- und später die Bürgerschule.

Seemännische Laufbahn

Neckel beendete nach seinem 16. Geburtstag die Schule, wurde kurz darauf in der Paulskirche konfirmiert und verließ die Familie und begann seine seemännische Laufbahn. Seine erste Reise als Schiffsjunge auf der Rostocker Brigg Bürgermeister Bencard (MBGS)[2] begann er 1874 von Warnemünde über Schweden, Russland und England und endete mit einer Strandung bei Egersund in Norwegen. Durch die nächsten beiden Reisen, als Decksjunge auf der Brigg Ariel(MBPI)[3] und als Jungmann auf der Schonerbark Isis (MBRQ)[4] lernte er zahlreiche Häfen an der Nord- und Ostsee kennen. Mit der vierten und fünften Reise, jetzt als Matrose auf der Bark Ada Stott (MDFP)[5] führte ihn dann auf den Atlantik, ans Kap der Guten Hoffnung, Kapstadt und zu den westindischen Inseln Barbados und Trinidad. Im Alter von 21 Jahren begann er seine Ausbildung an der Seemannsschule in Rostock. Nach einer letzten Reise als Matrose auf der Brigg Albertine Meier (MCNW)[6] konnte er im Alter von 23 Jahren sein Steuermannsexamen ablegen. Bis 1885 fuhr er als Steuermann auf weiteren Seglern in Nord- und Ostsee, bis er am 12. März 1886 in Rostock nach bestandener Prüfung sein Zeugnis über die Befähigung zum Schiffer auf großer Fahrt erhielt. Es vergingen noch weiter 10 Jahre als Steuermann, bis er sein erstes Schiff als Kapitän fahren konnte. Auf der Fahrt von Riga nach Gloucester erlebte er 1888 im Bristolkanal seinen zweiten Schiffbruch auf der Bark Möve (MCQG)[7] die gerammt wurde und versank. Die Besatzung konnte sich auch dieses Mal retten und kehrte über Newport in die Heimat zurück. Es folgten noch weitere fünf Fahrten als Steuermann auf verschiedenen Frachtseglern in Nord- und Ostsee, über den Atlantik bis nach Amerika bevor er 1896 wieder in seine Heimat nach Schwerin zurückkehrte.

Fahrenszeit als Kapitän

Bark VIGANELLA, Bristol 1904, La Trobe Picture Collection, State Library of Victoria
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Neckel bewarb sich als Kapitän bei der Hamburger Reederei Mentz, Decker & Co. und ihm wurde die 1896 angekaufte Schonerbark Vidar (RKNF) übergeben und mit seinem Anteil von 4000 Mark wurde er Partenreeder. Während einer längeren Überholung im Londoner Trockendock konnte er seine Verlobte, Anna Fellinghauer (1874–1947), die er schon bei seinem letzten Aufenthalt in Hamburg kennengelernt hatte, am 18. April 1900 heiraten. Anfang Juni lichtete die Vidar die Anker und Kapitän Neckel und seine junge Frau traten ihre denkwürdige Hochzeitsreise an. Mit Kohlenladung geriet das Schiff auf dem Weg nach Rosario (Argentinien) in einen schweren Orkan. Mit schwerer Schlagseite und Leckagen begann der Segler zu sinken. Das kanadische Vollschiff Bristol erkannte die abgegebenen Notsignale, konnte die gesamte Besatzung vom sinkenden Schiff retten und brachte sie in Rio de Janeiro an Land. Für Ernst Neckel war es sein dritter Schiffbruch.[8]

Es verging mehr als ein Jahr, bis er ein neues Schiff erhielt. Im Oktober 1900 hatte seine Reederei vom Rostocker Reeder Heinrich Bauer die Bark Anna Schwalbe (MDQK)[9][10] für 127.000 Mark angekauft,[11] die von nun an unter dem Namen Viganella fuhr.[12][13] Unter seiner Führung machte die Viganella mehrfach Reisen, die längste dauerte fast 3 Jahre. So wurde sie für die nächsten 12 Jahre seine zweite Heimat.

Von Silvester 1902 bis Ende Oktober 1904 führte die erste Fahrt, wieder zusammen mit seiner Frau Anna, von Hamburg mit Stückgut nach Montevideo und Buenos Aires. Mit Weizenladung ostwärts um das Kap der Guten Hoffnung nach Hobart und Fremantle in Australien. Ab November 1903 wieder zurück in östliche Richtung um Kap Horn nach Montevideo und Mitte Juni 1904 in Bristol vor Anker.

Von November 1904 bis Februar 1906 mit Stückgut und Kohle nach Peru, weiter bis nach Nicaragua zur Aufnahme von Edelholz. Auf der langen Rückreise gab es einen Zwischenstopp auf den Azoren wegen Skorbut-Erkrankung der Besatzung. An der Elbe-Einfahrt nach Hamburg kam es beim Feuerschiff Elbe 1 zu einer Grundberührung mit Leckage und es wurde nach Hamburg eingeschleppt. In Hamburg traf Ernst Neckel nach den langen Monaten der Trennung wieder mit seiner Frau Anna zusammen und sah seinen Sohn Heinrich zum ersten Mal.

Ende März 1906 nach 2 Monaten Reparatur war die Viganella bereits wieder klar zum Auslaufen und er trat seine dritte Fahrt an, die diesmal fast 2 Jahre dauern sollte. Von Hamburg nach Ecuador – Nicaragua – Nothafen Montevideo – Falmouth und am 18. April 1908 wieder in Hamburg angekommen, fand sich die Familie wieder ein, um an Bord wieder einige Tage mit ihrem Mann zusammen sein zu können.

Bereits nach 4 Wochen, am 17. Mai 1908, verließ die Viganella Hamburg mit Neckel zu seiner vierten Fahrt. Von 1908 bis 1910 ging die vierte Fahrt mit dem Rostocker Ernst Weitendorf (später Kapitän des Fünfmast Vinnen-Schoner Carl Vinnen) als 1. Steuermann unter Kapitän Ernst Neckel wieder für 1½ Jahre auf See mit den Stationen Falmouth als Nothafen, Montevideo als Nothafen, Guayaquil, San Juan del Sur, Falmouth, Fleetwood, Liverpool.[14]

Von 1910 bis 1912 ging die fünfte Fahrt mit Steuermann Max Reiss (später Kapitän) von Fleetwood über Liverpool nach Newcastle (New South Wales) - Nicaragua - Le Havre und Leith, schließlich wieder nach Hamburg.

Die sechste und längste Fahrt dauerte fast 3 Jahre (von 1912 bis 1915). Zuerst um Kap Horn nach Mexico mit den Häfen Mazatlán und Guaymas, Vancouver, mit Holzfracht nach Kapstadt im Juni 1913. Dann nach Newcastle (NSW) und mit Kohle nach Peru, weiter nach Nicaragua und mit Holz zurück nach England. Auf der Heimreise wurde die Viganella am 6. Januar 1915 westlich vom Englischen Kanal durch den britischen Panzerkreuzer der Cressy-Klasse HMS Bacchante aufgebracht. Kapitän Neckel konnte das Kommando über sein Schiff behalten, bis es im Hafen von Plymouth einlief. Hier musste er von der Viganella, auf der er in mehr als einem Jahrzehnt sechs große Reisen gemacht hatte, Abschied nehmen.

Das Schiff wurde durch die Admiralität beschlagnahmt und danach als Prise im März 1915 an Norwegen an die A/S Transatlantic Motor Ship Co. (Chr. Hannevig), verkauft und umbenannt in Trans I (WKGQ).[15] Am 9. April 1915 sollte es von Hull nach Trondheim mit Kohlenfracht segeln, blieb aber bei seiner letzten Fahrt verschollen.

Neckel wurde bis zum Ende des Krieges in verschiedenen Lagern interniert. Von der Insel Man wurde er im Frühjahr 1918 nach Deutschland entlassen.

In den letzten Monaten des Ersten Weltkrieges fuhr Ernst Neckel noch für die Reederei Friedrich Mentz, Rostock, auf dem Schoner Hella von Rostock aus nach verschiedenen schwedischen Häfen. Seine letzte Reise machte er als Kapitän auf der Galeasse Georg Gildemeister (MDRS).[16] Sie begann am 30. August 1919 in Damgarten und führte über Stralsund nach Carlshamn und Nykjöbing und zurück nach Warnemünde. Hier, wo einst seine Fahrenszeit als Seemann begann, endete ein Kapitän mit dauerhaftem Landgang.

Zurück an Land

Kapitän Neckel kehrte zu seiner Familie nach Schwerin zurück. Im Alter von 62 Jahren musste Neckel sich noch nach einem Arbeitsplatz umsehen. Seine Ersparnisse für einen gesicherten Lebensabend hatte die Inflation vernichtet. Im Landesfinanzamt Mecklenburg-Lübeck fand er in Schwerin noch weitere 10 Jahre eine auskömmliche Beschäftigung. Das Adressbuch Schwerin von 1935 verzeichnet Neckel, Ernst Kapitän a.D. in der Roonstraße 13c (heute Von-Thünen-Straße).[17]

Ernst Neckel starb 1942 im 85. Lebensjahr. Seine Frau Anna überlebte ihn um 5 Jahre, sie starb am 26. November 1947.

Schiffsdarstellungen

Das Windjammer-Museum in Barth hat seit 2018 ein Schiffsmodell der Bark Viganella aus privatem Besitz des ehemaligen Schiffsjungen und späteren Schiffskapitän Max Reiß, in seinem Bestand.

Sogenannte Kapitänsbilder mit der Darstellung der Bark Anna Schwalbe und der Viganella als Ölgemälde sind gefertigt worden, über deren Verbleib haben sich die Spuren verloren.

Eine Fotografie von Kapitän Ernst Neckel neben seiner Frau und Teilen der Mannschaft der Bark Viganella aufgenommen in Hobart von 1903 findet sich im Archiv des Deutschen Schifffahrtsmuseum.[18][19]

Literatur

  • Wolfhard Neckel: "Die Reisen und Erlebnisse des Kapitäns Ernst Neckel aus Schwerin in Mecklenburg". Manuskript © 1958, 1963.
  • Jürgen Rabbel: Rostock's eiserne Segler. Hrsg.: INTERDRUCK Graphischer Großbetrieb Leipzig. © VEB Hinstorff Verlag, Rostock 1986, ISBN 3-356-00006-3, S. 98101.
  • Jürgen Meyer: Hamburgs Segelschiffe 1795–1945. Ed. Maritim, Hamburg 1999, ISBN 3-89225-400-1, S. 296 (Das Werk erschien 1971 unter demselben Titel im Verlag Egon Heinemann, Norderstedt).
  • 75 Jahre Schiffsmakler 1896 - 1971 - Mentz, Decker & Co. Selbstverlag, Hamburg, 1971. Ca. 30 S. mit einigen Abb., kartoniert, Artikelbild.

Einzelnachweise

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