Ernst Stahmer

Stahlfabrikant und Präsident der Industrie- und Handelskammer Osnabrück From Wikipedia, the free encyclopedia

Ernst Stahmer (* 30. Juli 1867 in Oesede; † 12. Mai 1929 in Georgsmarienhütte) war ein deutscher Unternehmer in der metallverarbeitenden Industrie, der auch als Präsident der Industrie- und Handelskammer Osnabrück Bedeutung erlangte.

Leben

Sein Vater Carl Stahmer (1833–1905) kam 1854 als Schmiede- und Schlossermeister aus Clausthal-Zellerfeld zur Beckeroder Eisenhütte bei Hagen am Teutoburger Wald. Er arbeitete ab 1856 bei dem neu gegründeten Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein und führte ab 1862 Schmiedearbeiten auf eigene Rechnung aus. Daraus entstand 1873 eine eigene Schmiede zur Reparatur von Hüttenwagen, in der er seit 1874 auch Schranken und seit 1882 Eisenbahnsignale hergestellt wurden.[1] 1892 wurde Ernst Stahmer Mitinhaber dieses Unternehmens; er wandelte es 1898 zusammen mit seinem Bruder Robert (1859–1926) in eine Aktiengesellschaft unter der Firma C. Stahmer Fabrik für Eisenbahn-, Bergbau- und Hüttenbedarf um. Die Aktien waren 1914 vollständig im Besitz der Maschinenfabrik Bruchsal AG (vormals Schnabel & Henning), wobei aber Ernst und Robert Stahmer den Vorstand beider Unternehmen bildeten und auch die beiden Aufsichtsräte dieselben Mitglieder umfassten.[2] 1917 erfolgte die vollständige Fusion auf die Maschinenfabrik Bruchsal AG, die umfirmiert wurde in Deutsche Eisenbahnsignalwerke AG (vormals Schnabel & Henning, C. Stahmer, Zimmermann & Buchloh).[3] Im Zug weiterer Fusionen und Umstrukturierungen übernahm die Siemens & Halske AG die Aktienmehrheit und brachte das Unternehmen 1928 in die Vereinigte Eisenbahn-Signalwerke GmbH (VES) ein, der Standort Georgsmarienhütte wurde als Zweigwerk fortgeführt.

Für einen Unternehmer der Hochindustrialisierung typisch, verschaffte Ernst Stahmer seinen Arbeitern Wohnungen, indem er einen gemeinnützigen Bauverein gründete und unterstützte, der die Siedlung „Karolinenhöhe“ (benannt nach Stahmers Ehefrau) errichtete. Im ehemaligen Wohnhaus seines Bruders Robert befindet sich heute das Museum Villa Stahmer. Seine Tochter Ortrud (1887–1970), seit 1921 mit dem Ingenieur Robert Jaffé verheiratet, war Mitinhaberin des Unternehmens. Ihr Vater kaufte zunächst für sich selbst 1913 das naheliegende Rittergut Osthoff für 340.000 Mark.[4] Später ging das Gut in den Besitz seiner Tochter über, die dort Pferde züchtete.[5]

Ernst Stahmer wurde 1911 der Ehrentitel eines (königlich preußischen) Kommerzienrats verliehen. Von 1915 bis 1929 war er Präsident der Industrie- und Handelskammer Osnabrück. 1921 wurde er mit der Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Hannover (als Dr.-Ing. E. h.) ausgezeichnet.[6]

Der Nachlass von Ernst Stahmer wird im Niedersächsisches Landesarchiv (Abteilung Osnabrück) verwahrt.[7]

Literatur

Einzelnachweise

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