Ernst Theis

österreichischer Dirigent From Wikipedia, the free encyclopedia

Ernst Theis (* 31. Juli 1961 in Sierning)[1] ist ein österreichischer Dirigent.

Leben

Kindheit und Ausbildung

Ernst Theis ist der Sohn von Gertrude und Georg Theis. Sein Vater flüchtete mit seinen Eltern im Zweiten Weltkrieg aus Siebenbürgen nach Oberösterreich. Seine Mutter stammt aus Sierning, wo Ernst Theis seine Kindheit verbrachte.[2] In der Jugend beschäftigte sich Theis mit Blasmusik, Volksmusik und Pop- und Rockmusik in einer Amateurband. Seine erste musikalische Ausbildung als Trompeter erhielt er beim damaligen Kapellmeister der Sierninger Blasmusikkapelle, Franz Großauer.[2] An der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Wien studierte er von 1979 bis 1985 Trompete und später klassisches Schlagwerk in den Bereichen Konzertfach und Pädagogik. Zudem absolvierte er Dirigierstudien bei Otmar Suitner, der ihm nahelegte, eine Dirigentenlaufbahn anzustreben.

Musikalische Laufbahn

Bereits in seiner Studienzeit und darüber hinaus bis 1991 wirkte Theis als Schlagwerker in verschiedenen Orchestern, unter anderem an der Wiener Staatsoper und der Volksoper Wien sowie beim Radio-Symphonieorchester Wien,[1] und gründete mit Studienkollegen ein Percussionensemble. 1991 gründete er das Orchester Österreichische Kammersymphoniker, das er bis 2003 leitete.[1] Die Schwerpunkte dieses Orchesters lagen vorerst hauptsächlich im Bereich der zeitgenössischen Musik und der Klassischen Moderne, später dann auch im Bereich der Wiener Klassik.

1996 sprang Theis als Kapellmeister an der Wiener Volksoper ein und leitete eine Vorstellung von Emmerich Kálmáns Csárdásfürstin, worauf er einen Vertrag als Kapellmeister an diesem Haus erhielt und dort fast vier Jahre lang wirkte.[3] Anschließend arbeitete er mit zahlreichen Orchestern wie zum Beispiel den St. Petersburger Philharmonikern, der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, den Bochumer Symphonikern, dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien, dem Münchner Rundfunkorchester, der NDR Radiophilharmonie Hannover sowie weiteren Rundfunkorchestern, dem Bruckner Orchester Linz, dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, den Warschauer Philharmonikern, der Slowakischen Philharmonie, dem Sendai Philharmonic Orchestra und dem Sinfonieorchester Ōsaka.[1][3] In Zusammenarbeit mit der Akademie für Alte Musik Berlin folgten Auftritte an der Opéra de Dijon, dem Konzerthaus Berlin und dem Concertgebouw Amsterdam.

Von 2003 bis 2013 war Theis Chefdirigent der Staatsoperette Dresden, wo er als Amtsantrittspremiere die Herzogin von Chicago von Emmerich Kálmán leitete. Die Arbeit an diesem Haus führte über die Beschäftigung mit bekannten Werken der Genres Spieloper, Operette und Musical hinaus und umfasste auch unbekannte Werke bekannter und weniger bekannter Komponisten. So entwickelte er Projekte wie Der unbekannte Johann Strauss, Der Deutsche Offenbach und das 2011 erstmals stattfindende Johann Strauss Festival Dresden. Unbekannte Werke von Johann Strauss wurden aus der wissenschaftlich kritischen Ausgabe der Wiener Johann-Strauss-Edition erarbeitet, für den deutschen Offenbach erfolgte eine Kooperation mit der Edition Keck (Boosey & Hawkes). Zudem gilt Theis’ besonderes Interesse der zeitgenössischen Musik und der Musik des 20. Jahrhunderts.

Künstlerisch gehört das Projekt Radiomusiken, das zum Ziel hat, die in der Entstehungszeit des Rundfunks (1923 bis 1933) für dieses Medium komponierten Werke wieder für den Rundfunk zu produzieren, zu Theis’ zentralen Beschäftigungsbereichen.

Lehrtätigkeit

Ab 1985 unterrichtete Theis Schlagwerk am damaligen Konservatorium der Stadt Wien. 1996 wurde er dort zum Abteilungsleiter der Abteilung für Blasinstrumente und Schlagwerk berufen. In dieser Funktion arbeitete er an der Akkreditierung des Konservatoriums Wien zur Privatuniversität mit und war dort bis 2007 tätig.[1]

Veröffentlichungen

Theis veröffentlichte eine Gesamteinspielung aller Haydn-Klavierkonzerte für das deutsche Label Arts Music sowie eine vierteilige CD-Serie mit Werken der klassischen Moderne wie Erwin Schulhoff, Darius Milhaud, Arthur Honegger und Bohuslav Martinů für das deutsche Label cantate-musicaphon.

Aus dem Projekt Radiomusik entwickelte sich ein Kooperationsprojekt mit dem Mitteldeutschen Rundfunk, Deutschlandradio Kultur, der Akademie der Künste Berlin und dem deutschen Label CPO, das alle Produktionen dieser Reihe als CD-Edition veröffentlichen wird. Volume I wurde Mai/Juni 2010 mit dem Werk Leben in dieser Zeit (Musik Edmund Nick, Text Erich Kästner) veröffentlicht. Volume II wurde im Oktober 2014 veröffentlicht. Auf dem Tonträger befinden sich u. a. RadioMusiken von Franz Schreker, Ernst Toch und Walter Braunfels. Im März 2015 präsentierte Ernst Theis das Projekt RadioMusiken im großen Saal des Wiener Konzerthauses mit Werken von Kurt Weill.

Das Projekt Der unbekannte Johann Strauss an der Staatsoperette Dresden führte 2009 zur Veröffentlichung der Operette Das Spitzentuch der Königin.[4] Der Carneval in Rom erschien 2011[5] und Prinz Methusalem wurde als Gesamteinspielung produziert und 2012 veröffentlicht. Nach den Strauss-Veröffentlichungen nahm sich Theis Jacques Offenbachs Werk an. La Périchole ist die erste deutschsprachige Gesamteinspielung, die 2013 von CPO veröffentlicht wurde.[6]

Einzelnachweise

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