Ersinger Altar

Flügelaltarin der Franziskuskirche Ersingen From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Ersinger Altar wird ein Altarretabel bezeichnet, das als Flügelaltar ausgeführt ist und zwischen 1485 und 1490 entstand. Es steht im Chor der Franziskuskirche von Ersingen, einem Ortsteil von Erbach im Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg. Die Malereien auf den Flügelinnenseiten werden Jakob Acker dem Jüngeren und dessen Schülern zugeschrieben. Die Figuren stammen von einem unbekannten Bildschnitzer und sind moderner als die Malerei sowie von höherer Qualität. Das Flügelretabel bildet ein Ensemble mit zwei Seitenaltären, die links und rechts des Chorraums angebracht sind. Deren Figuren stammen von einem Künstler der Werkstatt von Niklaus Weckmann.

Das Hochaltarretabel im Chor; links und rechts des Chorraums die beiden Seitenaltäre Ulmer Schule

Lage

Der Ersinger Altar befindet sich in der um 1766 barockerneuerten Franziskuskirche in Ersingen, die auf einen romanischen Kirchenbau zurückgeht.[1][2] Ersingen ist ein Stadtteil von Erbach und liegt rechts (südlich) der Donau ungefähr auf zwei Dritteln der Strecke donauaufwärts zwischen Ulm und Ehingen sowie etwa 1 km südlich der Bundesstraße 311. Das Flügelretabel steht im Chor der Kirche und die beiden Seitenaltäre sind an der Stirnwand der Kirche links und rechts vom Chorbogen angebracht.[1]

Beschreibung

Der Ersinger Altar umfasst das eigentliche, gut erhaltene, aber restaurierte Flügelretabel aus den Jahren 1485 bis 1490 sowie zwei Seitenaltäre, von denen der Konradaltar auf das Jahr 1514 datiert ist (inschriftlich datiert 1517[2]) und der Verkündigungsaltar auf das Jahr 1515.[1] Die Franziskuskirche wurde im Jahr 1476 fertiggestellt, und die kunstgeschichtlich bedeutenden Altäre gelangten noch vor 1539 in die seit 1535 evangelische Kirche.[3]

Flügelretabel

Bei dem Flügelretabel sind geschnitzte Figuren und Malereien nicht von gleicher künstlerischer Qualität. Die Malereien auf den Flügeln werden Jakob Acker dem Jüngeren beziehungsweise einem seiner Schüler zugeschrieben. Der Schnitzer der Schreinfiguren ist nicht bekannt.[1]

Im Schrein stehen fünf heilige Frauen in Ulmer Tradition nebeneinander aufgereiht, die jedoch eine neue Fassung (Bemalung) erhielten. In der Mitte steht die Muttergottes mit dem Kind, eingerahmt von zwei Gruppen zu je zwei Figuren der jungfräulichen Märtyrerinnen und Nothelferinnen (Virgines capitales). Zum „Hofstaat“ Marias gehören aus Sicht des Betrachters links die hl. Katharina (mit dem Schwert als Attribut) sowie die hl. Agnes (mit dem Lamm) und rechts die hl. Barbara (mit dem Kelch) sowie die hl. Dorothea (mit dem Blütenkranz).[1][3][2] Die Heiligen sind zeitgemäß und chic gekleidet. Sie tragen eng anliegende Mieder mit abknöpfbaren, geschlitzten Ärmeln und goldverzierten Ausschnitten. Dazu tragen sie Schleier und kunstvolle Frisuren, wobei das Haar mit Perlenschnüren durchflochten ist. Die Kleider überborden mit goldbrokatenen Stoffen.[1] An Maria überwiegt dabei die Farbe Gold. Es scheint, als fehle dem Schnitzer noch das Gefühl für die natürliche Körperform und -haltung. Es ist jedoch auffällig, dass die Gesichter schon individuelle Züge zeigen. Besonders auffällig ist das Lächeln der hl. Barbara, wodurch die Figur an Leben und Liebreiz gewinnt.[1] Nach Barbara Maier-Lörcher heben sich die vier „koketten Heiligen“ durch ihre dekorative und bewegte Gewandung gegen den sonst üblichen Ernst und die Ruhe anderer Altäre der Ulmer Schule ab.[1]

Auf den Innenseiten der beiden 1891 von Menrat restaurierten Altarflügel (sichtbar bei geöffnetem Retabel) befinden sich Bildnisse von je zwei männlichen Heiligen.[1][2] Auf dem linken Flügel sind der hl. Erasmus und der hl. Nikolaus abgebildet und auf dem rechten Flügel der hl. Martin und der hl. Georg.[3][2] Die Heiligen sind in einer hölzernen, unbeholfenen Haltung dargestellt. „Die unproportionierten, die Natur missachtenden Körperchen der Heiligen entfremden diese der realen Welt“.[1] Der realistische, naturnahe Stil des ausgehenden 15. Jahrhunderts ist bei dem Maler der Heiligenbildnisse noch nicht angekommen.[1][2]

Die Außenflügel wurden 1785 „übel restauriert“, so dass sie 1859 „ganz verdorben“ waren.[2] Heute befindet sich auf der Außenseite der beiden Flügel (sichtbar bei geschlossenem Retabel), wie im Original, ein Bildnis der Verkündigung Mariä. Die Predella, 1891 von Haaga restauriert, ziert ein Bildnis von Christus mit den zwölf Aposteln. Der Schreinaufsatz zeigt eine Kreuzigungsgruppe.[2]

Seitenaltäre

Die beiden Seitenaltäre sind Mittelschreine von Schnitzaltären. Sie sind außerhalb des Chorraums an der Stirnwand der Kirche angebracht und rahmen so den Chorraum ein. Die zentrale Figur des linken Retabels stellt den hl. Konrad dar, den Konstanzer Bistumsheiligen, der von Figuren der hl. Barbara und der hl. Katharina umgeben ist. Das rechte enthält eine Mariä-Verkündigungs-Szene.[3] Die Figuren der Altäre werden Künstlern der Werkstatt von Niklaus Weckmann zugeschrieben.[1] Besonders hervorgehoben werden die vorzüglich belebten, teilweise individuell gestalteten Gesichter, die gute Überlegung der Zusammenordnung und Bewegung der Figuren sowie das prächtige Faltenspiel der Gewänder.[2]

Das Verkündigungsretabel zeigt Weckmanns Vorliebe für szenische Darstellungen. Die Verkündigung findet in einem mit Golddamast ausgekleideten Zimmer statt. Marias Gesichtszüge sind nicht sehr ausgeprägt, doch lässt sich durch die weiche und runde Gesichtsform das Porträt eines volkstümlichen Bürgermädchens erkennen. Die fein ausgearbeiteten Hände sind wie der Kopf naturnah und realistisch dargestellt. Sie bereichern die individuellen Gebärden der Figur.[1]

Auch beim Konradaltar sind die Gesichter der heiligen Barbara und Katharina Bürgermädchen nachempfunden. Wie im Verkündigungsaltar sind die Gebärden aller drei Figuren durch die fein gearbeiteten und naturnahen Hände hervorgehoben.[1] Konrads Gesicht zeigt individuelle Züge.[2]

Siehe auch

Literatur

  • Anna Moraht-Fromm: Zweimal hingeschaut: Die Altäre in Rißtissen und Ersingen, Jakob Acker und Jörg Stocker. In: Wolfgang Schürle (Hrsg.): Nr. 40 Alb und Donau, Kunst und Kultur. 2004, ISBN 3-9808725-6-4.

Einzelnachweise

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