Eugen Baumann
deutscher Chemiker
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Eugen Albert Georg Baumann (* 12. Dezember 1846 in Cannstatt; † 3. November 1896 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Apotheker, Chemiker und Biochemiker. Die Schotten-Baumann-Reaktion ist als Namensreaktion nach ihm benannt. Baumann gilt als einer der Begründer der Physiologischen Chemie (Biochemie).[1]


Leben
Eugen Baumann wurde als Sohn eines Apothekers geboren. Er hatte sieben Geschwister.[2]
Eugen Baumann besuchte zunächst die Lateinschule in Cannstatt und danach ein Stuttgarter Gymnasium. Danach besuchte er das Stuttgarter Polytechnikum mit Schwerpunkt Chemie und machte gleichzeitig eine Lehre in der väterlichen Apotheke. Auf Anraten des Stuttgarter Professors Hermann Fehling wurde er 1867 pharmazeutischer Gehilfe zunächst in Lübeck und ein Jahr später in Göteborg. Er studierte ab Frühjahr 1870 Pharmazie in Tübingen. Nach nur halbjährigem Studium durfte er bereits, gefördert durch Fehlings Zeugnisse, das Apothekerexamen ablegen. Anschließend war er Assistent bei Felix Hoppe-Seyler und wurde 1872 zum Dr. phil. promoviert.[2]
Er folgte seinem Lehrer und Doktorvater Hoppe-Seyler an die Kaiser-Wilhelm-Universität Straßburg. Er war dort als Erster (Ober-)assistent tätig und habilitierte sich 1876.[1] 1877 verließ er Straßburg und wurde in Berlin Leiter der chemischen Abteilung des physiologischen Instituts bei Emil Heinrich Du Bois-Reymond. Anlässlich seines Weggangs verlieh ihm die Kaiser-Wilhelm-Universität die Ehrendoktorwürde in Medizin. In Berlin war er zunächst an der Philosophischen Fakultät als Lehrer tätig, 1882 ernannte ihn die Medizinische Fakultät zum außerordentlichen Professor („Extraordinarius“).[2] Ab 1883 hatte er an der Universität Freiburg als Ordinarius den Lehrstuhl für Medizinische Chemie inne. Von 1890 bis 1891 war er Dekan der Medizinischen Fakultät. Einen Ruf zurück nach Straßburg nach dem Tod von Hoppe-Seyler lehnte er 1895 ab, obwohl ihn die Arbeitsbedingungen in Freiburg wegen häufiger Streitereien um Arbeitsräume innerhalb des Chemieordinariats belasteten.[1] In Berlin und Freiburg lehrte er Chemie sowohl für Mediziner als auch für Pharmazeuten und Chemiker.
Im Jahr 1884 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt.
1895 übernahm er mit Albrecht Kossel die Leitung der Hoppe-Seylers Zeitschrift für physiologische Chemie.[3]
Er starb während seiner Untersuchungen über das organisch gebundene Iod der Schilddrüse an einem Herzleiden.[2] Er war verheiratet mit Theresa Kopp (1856–1944), der Tochter des Chemikers Hermann Kopp, mit der er fünf Kinder hatte.
Werk
Baumann arbeitete zunächst auf dem Gebiet der organischen Chemie und untersuchte Vinylverbindungen. Während der Arbeiten an seiner Dissertation in Tübingen führte er erstmals die Polymerisation von Vinylchlorid und Vinylbromid zu Polyvinylchlorid und -bromid mit Hilfe von Sonnenlicht durch und charakterisierte die Produkte.[4]
In seiner Straßburger Zeit wandte er sich biologisch wichtigen Verbindungen zu. Er untersuchte biologisch interessante schwefelhaltige Verbindungen wie Cystin und Thioketone. Er entdeckte die konjugierten Schwefelsäuren im Urin und fand 1884[5] das Schlafmittel Sulfonal (Diethylsulfondimethylmethan). Zusammen mit seinem Schüler Wolkow entdeckte er im Urin eines Alkaptonurikers die Homogentisinsäure und brachte sie mit dem Stoffwechsel des Tyrosins in Verbindung. Auf ihn geht die Verwendung des Benzoylchlorids zur Charakterisierung von Amino- und Hydroxygruppen zurück. Außerdem untersuchte er physiologisch bedeutsame aromatische Verbindungen. 1884 synthetisierte er erstmals Sulfonal, das als Schlafmittel und in der Psychiatrie Verwendung fand.[2]
Im Jahr 1895 entdeckte er das Thyreojodin,[6] ein Substanzgemisch, das praktisch die gesamte Iodmenge in Form von organisch gebundenem Iod der Schilddrüse enthält.
Literatur
- Julius Pagel: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Berlin, Wien 1901 (Digitalisat).
- Wilhelm Autenrieth: Eugen Baumann. In: Friedrich von Weech, Albert Krieger (Hrsg.): Badische Biographien. Bd. 5. Carl Winter, Heidelberg 1906, S. 34–36 (Digitalisat).
- Friedrich Klemm: Baumann, Eugen. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 1. Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 651 (deutsche-biographie.de).
- Maria Fischer: Akteure und Agentien. Bibliographisches Lexikon der Pharmakologen zwischen Deutschland und Russland im 19. Jahrhundert. Shaker, Aachen 2014 (= Relationes. Band 14), S. 9 f. (Online-Version).
- Marion Spaude: Eugen Albert Baumann (1846–1896): Leben und Werk. Zürich 1973.
Weblinks
- Informationen zu und akademischer Stammbaum von Eugen Baumann bei academictree.org