Wasserdost (Eutrochium)
Gattung der Familie Korbblütler
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Wasserdost (Eutrochium) ist eine Pflanzengattung in der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die etwa fünf Arten sind in Nordamerika verbreitet[1] und werden als Zierpflanzen genutzt.[2]
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Gefleckter Wasserdost (Eutrochium maculatum) | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Eutrochium | ||||||||||||
| Raf. |
Beschreibung







Vegetative Merkmale
Die Wasserdost-Arten sind sommergrüne, ausdauernde, krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von 30 bis 350 Zentimetern (und mehr) erreichen. Ihre festen, straff aufrechten und nur am oberen Ende im Blütenstand verzweigten Stängel sind oft bereift und mehr oder weniger violett gefärbt oder gefleckt; nur selten sind sie gleichmäßig blaugrün. Die Internodien sind meist kürzer als die Laubblätter.[3][2]
Drei bis sieben meist kurz gestielte Laubblätter sind pro Knoten in Quirlen angeordnet. Die einfachen, lanzettlichen bis eiförmigen Blattspreiten sind meist fiedernervig oder mehr oder weniger dreinervig mit einer abrupten oder allmählich verschmälerten Basis sowie einem gesägten oder doppelt gesägten Blattrand. Die Blattunterseite ist meist drüsig punktiert und flaumig behaart. Die Blattoberseite ist spärlich behaart oder kahl.[3][2]
Generative Merkmale
Die Blütezeit erstreckt sich vom Hochsommer bis in den Herbst. Der flache oder gewölbte bis rundliche, lockere Gesamtblütenstand setzt sich aus rispigen Teilblütenständen zusammen. Die 10 bis 22 haltbaren, lanzettlichen Hüllblätter der Blütenkörbchen überlappen sich schwach in fünf bis sechs Reihen und sind meist blass-rosafarben bis violett, selten weiß gefärbt. Sie bilden eine zylindrische Körbchenhülle (Involucrum) mit einem Durchmesser von 2,5 bis 7 Millimetern.[3]
Die Blütenkörbchen besitzen einen flachen bis gewölbten Blütenboden und 4 bis 22 zwittrige, fertile Röhrenblüten, deren Kronblätter meist blassrosa oder hellviolett und selten weiß sind. Spreublätter und Zungenblüten sind nicht vorhanden. Der in zwei Äste geteilte Griffel besitzt lange, mehr oder weniger fadenförmige, weiße bis violettfarbene, sterile Anhängsel. Diese ragen weit aus der Kronröhre hervor. Die fünfrippigen, dunkelbraunen bis schwarzen oder gelblichbraunen Achänen sind meist drüsig punktiert. Der haltbare Pappus besteht aus einer Reihe von 25 bis 40 weißlichen Borsten.[3][2]
Chromosomensatz
Die Chromosomengrundzahl ist x = 10; es liegt Diploidie vor mit der Chromosomenzahl 2n = 20.[3]
Systematik und Verbreitung
Ursprünglich wurden alle Wasserdost-Arten der Gattung Eupatorium L. zugeordnet, die Carl von Linné im Jahr 1753 in seinem Werk Species Plantarum, Band 2, auf den Seiten 836 bis 839 erstveröffentlicht hatte.[4] Im Jahr 1838 ordnete Constantine S. Rafinesque-Schmaltz in seinem Werk New Flora and Botany of North America, Band 4, Seite 78, einige Arten der Gattung Eupatorium aufgrund gemeinsam abweichender Merkmale, insbesondere der quirlig angeordneten Laubblätter, einer neuen Gattung zu, die er Eutrochium Raf. nannte.[5]
Ungeachtet dessen wiederholten die Botaniker Robert Merrill King und Harold E. Robinson im Jahr 1970 die Ausgliederung derselben Arten aus der Gattung Eupatorium L. in eine neue Gattung, die sie Eupatoriadelphus R.M.King & H.Rob. nannten.[6] Die Ausgliederung der Arten in eine eigenständige Gattung wurde durch spätere phylogenetische Analysen unterstützt.[7][8] Im Jahr 2004 veröffentlichte Eric E. Lamont den Nachweis, dass die betreffenden Arten bereits im Jahr 1838 in die Gattung Eutrochium Raf. ausgegliedert worden waren und dieser Gattungsname daher Vorrang haben sollte.[9] Entsprechend wurde Eupatoriadelphus R.M.King & H.Rob. zum Synonym des gültigen Gattungsnamens Eutrochium Raf.[9]
Die Gattung Eutrochium Raf. gehört zusammen mit der Gattung Eupatorium L. zur Untertribus Eupatoriinae Dumort. aus der Tribus Eupatorieae Cass. in der Unterfamilie Asteroideae innerhalb der Familie Asteraceae.[10] Zur Gattung Eutrochium Raf. gehören die folgenden fünf in Kanada und den USA verbreiteten Arten:[3][1]
- Eutrochium dubium (Willd. ex Poir.) E.E.Lamont: Sie an der nordamerikanischen Ostküste in Höhenlagen von 0 bis 50 Metern (und mehr) vor.
- Röhriger Wasserdost (Eutrochium fistulosum (Barratt) E.E.Lamont): Sie kommt in den östlichen und südöstlichen Regionen der USA in Höhenlagen von 10 bis 1400 Metern (und mehr) vor.
- Gefleckter Wasserdost (Eutrochium maculatum (L.) E.E.Lamont): Sie kommt in den kalten bis gemäßigten Regionen Nordamerikas in drei Varietäten vor.
- Eutrochium maculatum var. bruneri (A.Gray) E.E.Lamont: Sie kommt in Höhenlagen von 200 bis 2500 Metern vom westlichen Kanada bis in den Südwesten und in die Mitte der USA westlich des Mississippi vor.
- Eutrochium maculatum var. foliosum (Fernald) E.E.Lamont: Sie kommt in Höhenlagen von 0 bis 200 Metern (und mehr) in den kälteren Regionen Nordostamerikas vor.
- Eutrochium maculatum var. maculatum: Sie kommt in Höhenlagen von 10 bis 1800 Metern in Ostkanada und im Norden sowie Osten der USA vor, vor allem östlich des Mississippi.
- Purpur-Wasserdost (Eutrochium purpureum (L.) E.E.Lamont): Sie kommt in den östlichen und zentralen, niedrig gelegenen, mäßig feuchten Regionen Nordamerikas in drei Varietäten vor.
- Eutrochium purpureum var. carolinianum Sorrie: Sie kommt in der Piedmont-Region von North Carolina und South Carolina vor.[11]
- Eutrochium purpureum var. holzingeri (Rydberg) E.E.Lamont: Sie kommt in den Ebenen des US-amerikanischen Mittleren Westens von Minnesota bis Arkansas in Höhenlagen von 100 bis 300 Metern vor.
- Eutrochium purpureum var. purpureum: Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über den Süden der kanadischen Provinz Ontario und den gesamten Osten der USA, einschließlich der Verbreitungsgebiete der beiden anderen Varietäten, in Höhenlagen von 10 bis 1200 Metern.
- Eutrochium steelei (E.E.Lamont) E.E.Lamont: Sie kommt endemisch in einem südlichen Teil der Appalachen in Höhenlagen von 700 bis 1500 Metern vor.
Verwendung
Bis auf Eutrochium steelei werden alle Eutrochium-Arten als Zierpflanzen genutzt. Neben den Wildarten sind auch einige Sorten in Kultur, die sich jedoch oft nicht mehr eindeutig einer bestimmten Art zuordnen lassen, da die Arten leicht hybridisieren und Übergangsformen bilden.[2] Dadurch kommt es häufig zu Verwechslungen bei der Namensgebung. Da sich die Arten und Sorten sehr ähnlich sind, ist die genaue botanische Zuordnung für die gärtnerische Verwendung jedoch von untergeordneter Bedeutung. Wasserdost eignet sich vor allem als Solitärstaude auf frischen bis feuchten Freiflächen, am Wasser- oder Gehölzrand oder in großflächigen Präriepflanzungen, in denen er zusammen mit anderen Hochstauden verwendet wird.[12]
Der Purpur-Wasserdost wurde von indigenen Völkern Nordamerikas zur Behandlung von Fieber sowie zur Linderung von Rheuma, gynäkologischen Beschwerden, Nieren- und Harnwegsbeschwerden eingesetzt.[13] Die Heilpflanze wirkt vor allem auf die Harnwege und die Gebärmutter.[14] Das ätherische Öl enthält Grüne Blattduftstoffe und aromatische Verbindungen wie Eugenol und Salicylsäuremethylester.[15] Daneben wurden allerdings auch toxische Pyrrolizidinalkaloide nachgewiesen.[13][16]
Siehe auch
- Wasserdost (Eupatorium)
Literatur
Eric E. Lamont: Asteraceae Eutrochium. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Band 21: Magnoliophyta: Asteridae, part 8: Asteraceae, part 3 (Heliantheae, Eupatorieae). Oxford University Press, New York u. a. 2006, ISBN 0-19-530564-7, Eutrochium, S. 474 (textgleiche Online-Version).