Eva (Max Liebermann)
Gemälde von Max Liebermann von seiner Enkelin, Hamburger Kunsthalle
From Wikipedia, the free encyclopedia
Eva ist ein Gemälde des deutschen Malers Max Liebermann. Abgebildet ist ein kleines Mädchen, das einen Apfel in der Hand hält, als Vollporträt. Das 67,2 Zentimeter breite und 95,3 Zentimeter hohe Bild wurde 1882 oder 1883 als Ölstudie auf Leinwand gemalt und befindet sich seit 1920 im Besitz der Hamburger Kunsthalle. Es gehört somit zum Frühwerk des Künstlers, im Werkverzeichnis von Matthias Eberle ist es als Werk 1882/12 verzeichnet.
| Eva |
|---|
| Max Liebermann, 1882 oder 1883 |
| Öl auf Leinwand |
| 95,3 × 67,2 cm |
| Hamburger Kunsthalle |
Bildbeschreibung
Bei dem Bild handelt es sich um ein Porträt eines stehenden Mädchens in einem Park. Das Kind steht zentral und bildfüllend im Vordergrund. Es trägt ein rosafarbenes Oberkleid über dunkler Kleidung und einen langen dunkelbraunen Rock. Die Füße stecken in braunen Holzschuhen. Auf dem Kopf trägt das Mädchen eine dunkle Haube, auf der Stirn schauen einige blonde Haare darunter hervor. Der Kopf ist leicht nach vorn geneigt und es schaut mit blauen Augen direkt auf den Betrachter. Die Wangen sind stark gerötet. In einer Hand hält das Kind einen hellgrünen Apfel.
Der Hintergrund zeigt einen lichten Wald oder Park mit mehreren schlanken Baumstämmen. Links steht ein kleines Gebäude, davor sind einzelne Personen zu sehen. Rechts im Hintergrund steht ein weiteres dunkles Gebäude, Details sind nicht zu erkennen. Der Boden im Vordergrund, eine Wiese, ist hellgrün mit einzelnen dunkleren Granbüscheln, nach hinten wird er dunkler und von den Bäumen beschattet.
Unten rechts befindet sich eine unterstrichene und datierte Signatur M. Liebermann 83.
Hintergrund und Entstehung

Das Bild der Eva entstand wahrscheinlich im Sommer 1882 in Delden in den Niederlanden, obwohl die Signatur auf eine Entstehung im Folgejahr in Liebermanns Atelier hindeutet.[1] Der Kunsthistoriker und Maler Erich Hancke wies in seiner Biografie Liebermanns im Jahr 1914 darauf hin, dass es sich bei der Figur um eine Einzelfigur aus Liebermanns Gemälde Spielende Kinder (Eberle 1882/10)[2.1] handelt, das dieser 1882 in einer Freilandsitzung malte; beide Bilder sollen laut Hancke in der gleichen Sitzung entstanden sein.[1] In seinem Werkverzeichnis der Gemälde und Ölstudien Liebermanns übernahm Matthias Eberle diese Argumentation und datierte die Eva entsprechend trotz der Signatur in das Jahr 1882.[2.2] Die Hamburger Kunsthalle datiert das Bild allerdings gemäß der Signatur auf 1883.[3]
Liebermann malte noch einige weitere Studien zu seinem Spielende Kinder mit verschiedenen Kindergruppen und einzelnen Kindern.[2.3]
- Spielende Kinder, 1882
- Kind unter Bäumen, 1882
Deutung und Rezeption

Matthias Eberle sieht das Porträt der Eva allerdings nicht nur als Ausschnittsdarstellung des größeren Spielende Kinder, sondern vor allem als Fortführung eines bei Max Liebermann wiederkehrenden Motivs, das er bereits zehn Jahre vorher gemalt hatte. Er bezieht sich dabei auf das Bild Kleines Mädchen (Schustermädchen) (Eberle 1871/10) von 1871, das ebenfalls ein kleines stehendes Mädchen darstellt.[2.4]
Die direkte Gegenüberstellung zeige dabei wie kaum ein anderes Bilderpaar die künstlerische Entwicklung Liebermanns über diesen Zeitraum. Das Schustermädchen sei „eine kleine Göre in malerischen Lumpen, das mit dem Betrachter kokettiert,“ sie blicke „mit schelmischem Augenaufschlag aus dem Bild heraus“ und der dunkle Hintergrund „gibt keinen Hinweis auf Ort und Situation.“ Bei diesem Bild könne „der Betrachter diesem Mädchen zulächeln und sich über ihr Verhalten amüsieren, das das einer Erwachsenen so durchschaubar-komisch wiederholt.“ Dabei stehe der Betrachter mit seinem Erfahrungshorizont im Vordergrund, nicht das Milieu des Kindes.[1] Die Eva stehe in „ähnlicher, doch sehr viel weniger koketter Haltung allein auf einer Wiese“ und sei „eines der alleingelassenen Kinder, die Liebermann öfters malte.“[1] Er nimmt dabei etwa Bezug auf das allein stehende Kind der Plätterin von 1887[2.5] und Das Kind an der Truhe, eine Darstellung von Liebermanns Tochter Käthe von 1888.[2.6] Er stellt zudem dar, dass sie auch auf dem Bild Spielende Kinder allein ist und dadurch gedrückter Stimmung sei, bei dem Porträt Eva diese Stimmung allerdings „schlicht dem Umstand geschuldet [sei], dass sie gemalt wurde und deshalb stille halten musste“, und aus dieser Situation heraus „Gesten der Verlegenheit und des Unbehagens“ entwickle.[1]
Eberle nimmt auch Bezug auf die biblische Namensschwester Eva und schreibt, dass das Mädchen im Gegensatz zu dieser den Apfel nicht anbieten, sondern selber essen werde – „wenn man sie nur endlich in Ruhe ließe.“[1]
Provenienz und Ausstellungen
Das Bild Eva befand sich nach der Entstehung für einen unbekannten Zeitraum im Besitz des Künstlers. Er verkaufte es für etwa 200 Mark an die Galerie Paechter in Berlin und spätestens 1898 ging es für 500 Mark in den Besitz von Ernst Kalkmann in Hamburg über.[2.2] In dem Jahr wurde es als Eva mit dem Apfel in der Frühjahrs-Ausstellung des Kunst-Vereins Hamburg in der Hamburger Kunsthalle gezeigt. Kalkmann behielt es bis mindestens 1912.[4] 1913 wurde es in der Galerie Caspari in München sowie im gleichen Jahr in der Kunsthandlung Paul Cassirer in Berlin angeboten. Gekauft wurde es von Oscar und Gertrud Troplowitz in Hamburg.[2.2] Max Liebermann schrieb zu diesem Verkauf am 16. Januar 1913 einen Brief an Alfred Lichtwark mit dem Hinweis: „Vielleicht interessiert es sie, dass die Studie Eva wieder nach Hamburg verkauft wurde und zwar für den ansehnlichen Preis von 35.000 Mark. Ich verkaufte das Bild seiner Zeit an Paechter für 200 Mark oder einen japanischen Scherben! Habent fata sua tabulae.“[2.2] Nach dem Tod des Ehepaares Troplowitz wurde das Bild 1920 der Hamburger Kunsthalle vermacht, wo es sich seitdem mit der Inventar-Nummer HK-2350 befindet.[3]
Das Gemälde wurde in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. So war es nach der bereits erwähnten Frühjahrs-Ausstellung des Kunst-Vereins Hamburg von 1898 auch in der Großen Kunstausstellung Düsseldorf im Jahr 1909. 1917 und 1927 fanden in Berlin sowohl zu Ehren von Liebermanns 70. Geburtstag wie auch zehn Jahre später zu seinem 80. Geburtstag Ausstellungen der Akademie der Künste statt. 1954 zeigten sowohl die Landesgalerie Hannover, der Kunstverein Düsseldorf wie auch der Kunstverein Hamburg das Bild und 1979 war es zuerst in der Nationalgalerie Berlin und danach im Haus der Kunst in München zu sehen.[1]