Eva Copa

bolivianische Politikerin, Sozialarbeiterin und ehemalige Studentenführerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Mónica Eva Copa Murga (geb. 3. Januar 1987 in El Alto) ist eine bolivianische Politikerin, Sozialarbeiterin und ehemalige Studentenführerin. Sie ist seit 2021 Bürgermeisterin der zweitgrößten bolivianische Stadt El Alto. Für den Movimiento al Socialismo (MAS-IPSP) war sie von 2015 bis 2020 Senatorin für das Departamento La Paz und von 2019 bis 2020 Präsidentin des Senats.

Senatorin Eva Copa (2015)

Herkunft und Ausbildung

Eva Copa kam 1987 in El Alto, der unmittelbar westlich des Regierungssitzes La Paz liegenden Großstadt, zur Welt. Sie ist das zweitjüngste von sieben Kindern von Clementina Murga, einer Kunsthandwerkerin aus Pucarani, und ihrem Ehemann Ignacio Copa, die dem indigenen Volk der Aymara angehören.[1][2] Sie wuchs im Stadtteil Pasankeri von La Paz an der Grenze zu El Alto auf, wo sie die Schule Luís Espinal Camps besuchte.[3] Während des Konfliktes über die Vergabe der Gaskonzessionen Anfang der 2000er Jahre beteiligte sie sich als Teenager an den Protesten, die zum Sturz der Regierung von Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada führten. Aufgrund der hohen Studiengebühren an der Universidad Mayor de San Andrés nahm sie an die Universidad Pública de El Alto (UPEA) ein Studium der Sozialarbeit auf. Sie engagierte sich in verschiedenen Studentenaktivisten-Gruppen und stieg schließlich zur Exekutivsekretärin des Studentenzentrums und zur Generalsekretärin des lokalen Universitätsverbandes (FUL) der UPEA auf. In dieser Position vertrat sie die UPEA als Delegierte im Exekutivkomitee des Nationalen Kongresses der bolivianischen Universitäten.[1][2]

Senat

Im Jahr 2014 benannte die FUL Eva Copa als Vertreterin der Studenten für die Vorschlagsliste des Movimiento al Socialismo (MAS-IPSP), um die allgemeinen Wahlen in diesem Jahr vorzubereiten. Sie war zunächst weder als Abgeordnete noch als Ersatzabgeordnete in Betracht gezogen worden; die Entscheidung des Obersten Wahlgerichts (TSE), dass die Parteien ihre Kandidatenlisten nach den Prinzipien der Geschlechterparität und des konsequenten Abwechselns aufzustellen hätten, führte beim MAS zur Überarbeitung der Listen. Da die erste Position mit José Alberto Gonzales aus La Paz besetzt war, musste der zweite Listenplatz an eine Frau aus El Alto oder einer der Provinzen des Departamentos vergeben werden. Obwohl sie auf der ursprünglichen Liste auf Platz 37 stand, wurde Copa schließlich als Kandidatin der MAS für die Vertretung der UPEA ausgewählt, was sie erst erfuhr, als sie ihren Namen in der Lokalzeitung las.[1][4] Bis dahin war nie eine Person für den Senat nominiert worden, der jünger als dreißig Jahre alt war.[5] Copas Kampagne wurde von siebzehn der sechsundzwanzig Studentenzentren unterstützt.[1]

Eva Copa wurde nach dem überwältigenden Sieg der MAS bei den Wahlen 2014 in den Senat gewählt und am 18. Januar 2015 vereidigt.[6] Obwohl sie als Senatorin eine der wichtigsten Unterstützungsbasen der MAS vertrat, trat sie während des größten Teils ihrer Amtszeit als Senatorin kaum in Erscheinung, da sie keine enge Beziehung zu Parteichef und Präsident Evo Morales hatte.[7] Nach der Präsidentschafts- und Parlamentswahl in Bolivien 2019 versuchte Evo Morales bei einer umstrittenen Verfassungslage, eine vierte Amtszeit anzutreten, wurde aber mit einem Großteil seiner Regierung zum Rücktritt gezwungen und ging ins Exil. Die verbliebenen Senatoren der Regierungspartei und der Opposition wählten Eva Copa am 14. November einstimmig zur Präsidentin des Senats. Sie trat die Nachfolge von Jeanine Áñez an, die als Vizepräsidentin des Senats zwei Tage zuvor kurzzeitig das Amt übernommen hatte, bevor sie Präsidentin pro tempore wurde.[8][9] Da auch der vormalige Vizepräsident Álvaro García Linera zusammen mit Morales abgedankt hatte und das Amt vakant war, korrelierte Copas Position auch mit der Präsidentschaft der Plurinationale Legislative Versammlung und machte sie faktischen Vertreterin der amtierenden Präsidentin.[10]

Eva Copa und Präsidentin Jeanine Áñez verkünden das Gesetz zur Durchführung allgemeiner Wahlen (November 2019)

Trotz der konfrontativen Haltung der radikaleren Teile der MAS nahm Copa eine kooperative Haltung gegenüber der Übergangsregierung ein. In ihrer Eröffnungsrede rief sie die Bolivianer dazu auf, „die Farben und die radikalen Positionen abzulegen“ und erklärte, dass „unser Land in diesem Moment den Frieden sucht“.[11] In den ersten Tagen der Übergangsregierung widersetzte sie sich den Forderungen einiger Mitglieder ihrer Partei, den Rücktritt von Morales abzulehnen, und arbeitete gemeinsam mit Áñez dafür, ein Gesetz zu verabschieden, das die Vorbereitung von Neuwahlen ermöglichte.[2][12] Im Januar 2020 stimmte die Versammlung schließlich für die endgültige Annahme des Rücktritts von Morales.[13]

Aufgrund ihrer Haltung forderten einige MAS-Gruppen, die Morales unterstützten, die Absetzung von Copa vom Vorsitz des Senats.[14][15] Die Bemühungen, Copa abzusetzen, blieben schließlich erfolglos und sie wurde mit dreiunddreißig zu null Stimmen bei zwei Enthaltungen als Präsidentin des Senats bestätigt.[16]

Gleichzeitig blieb Copa während ihrer gesamten Amtszeit kritisch gegenüber den Maßnahmen der Übergangsregierung. Insbesondere bekräftigte sie, dass die Regierung schlecht auf die COVID-19-Pandemie reagiert und die Gesundheitskrise als Vorwand benutzt habe, um die allgemeinen Wahlen zu verschieben und ihr Mandat zu verlängern. Darüber hinaus warf sie Áñez vor, vereinbarungswidrig als Präsidentschaftskandidatin anzutreten, anstatt sich im Übergangsprozess neutral zu verhalten.[17] Ihr Verhältnis zu Áñez’ Staatsminister Arturo Murillo war ebenfalls gestört, sie beschuldigte ihn, eine Verfolgungskampagne gegen Mitglieder der MAS zu führen.[18]

Nach fast einem Jahr im Amt beschloss Copa am 3. November 2020 formell die 2. Plurinationale Legislativversammlung Boliviens. In ihrer Abschlussrede zeigte sie sich mit der Arbeit der Versammlung zufrieden und betonte, dass es ihr als Präsidentin des Senats gelungen sei, „achtundzwanzig Gesetze zugunsten des bolivianischen Volkes“ zu verabschieden.[18][19]

Bürgermeisterin von El Alto

Eva Copa beim 35. Jahrestag von El Alto (2020)

Kurz nach Beendigung ihrer Legislaturperiode wurde Copa auf einer breiten Liste von sechzehn Kandidaten für die Nominierung der MAS für das Bürgermeisteramt in El Alto vorgestellt. Auf der Liste standen neben Copa auch ehemalige Parlamentarier, ehemalige Minister und Führer sozialer Bewegungen und Gewerkschaften.[20] Obwohl sie eine breite Unterstützung in der Bevölkerung genoss,[21][22] wurde entschieden, dass der ehemalige Interimsbürgermeister und Gewerkschaftsführer Zacarías Maquera als MAS-Kandidat antreten solle. Die Große Generaldirektion von El Alto, ein Zusammenschluss lokaler Gewerkschaften lehnte diese Kandidatur ab. Evo Morales wurde vorgeworfen, sich in die Kandidatenaufstellung eingemischt zu haben, es wurde erklärt, dass Copa die Unterstützung aller 21 Mitgliedsorganisationen der Gewerkschaft sowie von neunzig Prozent der Bevölkerung habe.[23]

Am 28. Dezember 2020 wurde Copa schließlich im Namen von Jallalla La Paz, der Bürgerinitiative von Leopoldo Chui, zur Kandidatin für das Bürgermeisteramt von El Alto ernannt.[24][25] Am 1. Januar 2020 gab die MAS bekannt, Copa wegen Verstoßes gegen das Partei-Statut auszuschließen.[26]

Eva Copa gewann das Rennen mit fast siebzig Prozent der Stimmen, während Maquera nicht einmal zwanzig Prozent erreichte. Politische Analysten wiesen auf die Unzufriedenheit innerhalb der MAS-Basis hin, insbesondere bei der jüngeren Generation, die sich mit der von Morales vorgenommenen Auswahl der politischen Kandidaten als Hauptgrund für die katastrophale Niederlage seiner Partei in der Stadt auseinandersetzte. Andere Faktoren waren die Fähigkeit von Copa, die Aymara-Wähler mit einer Plattform anzusprechen, die eine Kombination aus modernem Management und einem indigenen kommunitären System bot.[27][28]

Am 3. Mai 2021 wurde Eva Copa als Bürgermeisterin von El Alto vereidigt.[29] Copa hob Bildung, öffentliche Gesundheit und Arbeitsplätze als oberste Priorität für ihre Regierung hervor und erklärte, dass die größte Herausforderung darin bestehen werde, die zahlreichen Finanz- und Einkommensprobleme zu bewältigen.[30] Die neue Bürgermeisterin rief zur Einigkeit und zur Versöhnung mit den gewählten MAS-Ratsmitgliedern auf.[31]

Eva Copa in traditioneller Cholita-Tracht (2022)

Weniger als ein Jahr nach Beginn ihrer Amtszeit, am 26. August 2021, gab der Jallalla-Vorsitzende Leopoldo Chui bekannt, dass die Bürgerinitiative beschlossen habe, Copa wegen ihres „Verrats“ an der Stadt und der politischen Organisation aus ihren Reihen auszuschließen. Sie habe sich nicht an die Vereinbarung gehalten, alle Verwaltungsaspekte mit Jallalla zu koordinieren.[32] Von den acht Jallalla-Ratsmitgliedern behielten jedoch sechs von acht ihre Unterstützung für Copa bei.[33][34]

Copa lehnte eine Rückkehr in die MAS ab und deutete an, dass sie die Gründung eines eigenen Blocks in Betracht ziehen würde.[35]

In Erfüllung eines Wahlversprechens berief Copa am 7. Mai 2022 eine Stadtversammlung in das Stadion Villa Ingenio ein.[36] Die wichtigsten sozialen Organisationen und Institutionen der Stadt sowie der nationalen und regionalen Behörden verabschiedeten gemeinsam das so genannte Alteñidad-Manifest, das sich in großen Teilen mit der Identität von El Alto als Stadt befasste. Daneben wurden als Ziele die Dezentralisierung in allen Stadtteilen und soziale Selbstverwaltung formuliert. Die Alteños forderten darüber hinaus, dass die nationale Regierung mehr Mittel für das Bildungs- und Gesundheitswesen bereitstellt.[37]

Privatleben

Eva Copa ist mit Pablo Callisaya Ajahuana verheiratet,[38] mit dem sie zwei Kinder hat: Santiago und Samanta. Sie lebt mit ihren Kindern und ihrer Mutter im 14. Bezirk von El Alto; ihr Ehemann besucht sie regelmäßig von seiner Arbeitsstelle im Landesinneren. Copa ist Methodistin, betont aber die Bedeutung von Boliviens Status als säkularer Staat.[1]

Auszeichnungen

Commons: Eva Copa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Webpräsenz von Eva Copa
  • Mónica Eva Copa Murga. 18. November 2021, archiviert vom Original; (spanisch).
  • Unitel Bolivia (Hrsg.): Eva Copa fue ratificada como presidente de la Cámara de Senadores. 22. Januar 2020 (spanisch, youtube.com).
  • Eva Copa BO (Hrsg.): Eva Copa, una historia de lucha y liderazgo. 2. Juli 2020 (spanisch, youtube.com).

Einzelnachweise

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