Eva Linhart

deutsche Kunsthistorikerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Eva Linhart (* 20. Jahrhundert) ist eine aus der Tschechoslowakei stammende und seit 1968 in Deutschland lebende freie Kunsthistorikerin, Kuratorin und Publizistin mit dem Schwerpunkt Kunst- und Bildtheorie an der Schnittstelle freie und angewandte Kunst. Als Kuratorin leitete sie von 2000 bis 2025 die Abteilung Buchkunst und Grafik am Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main.

Leben und Wirken

Eva Linhart studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Archäologie in Frankfurt am Main. Sie promovierte in Basel bei Gottfried Boehm zum Thema Künstler und Passion entlang der Christusdarstellungen von James Ensor.[1] Ihr Volontariat absolvierte sie beim Parkett-Verlag[2] in Zürich.

Ihre wichtigsten Ausstellungen sind: Almir Mavignier. Additive Plakate (2004),[3] Das richtige Buch. Johannes Gachnang als Verleger (2005),[4] Vom Stammbuch zum Souvenir d’amitié. Deutscher Schicksalsfaden (2006),[5] Gunter Rambow. Plakate (2007),[6] Květa Pacovská. Maximum Contrast (2008),[7] Tobias Rehberger. Flach. Plakate, Plakatkonzepte und Wandmalereien (2010),[8] Double Intensity. 30 Jahre Brinkmann & Bose (2012).[9] Mit der Ausstellung Give Love Back. Ata Macias und Partner (2014/2015)[10] fragte sie danach, was angewandte Kunst heute sein kann. Sie stellte in 172 neue Buchobjekte (2017)[11] die Neuerwerbungen von Künstlerbüchern zwischen Grafikdesign und Self-Publishing vor. Die Ausstellung Michael Riedel. Grafik als Ereignis (2018)[12] konzentrierte sich auf die Schnittstelle freie und angewandte Grafik. Unter dem Titel Erfolgsprogramm Künstlerbücher. Der Verlag der Buchhandlung Walther König (2022) würdigte sie die nach 1966 im Bereich bildende Kunst prägendste Verlegerpersönlichkeit und sein Umfeld. Zugleich thematisierte sie mit der Ausstellung die Rolle des Künstlerbuchs für die Entwicklung des Mediums Buch in einer zur ästhetischen Kommunikation sich erweiternden Wissenskultur.[13]

Zu ihren Forschungsgebieten als Bildwissenschaftlerin zählen neben der Genieästhetik, die Frage nach der ästhetischen Grenze sowie die Positionierung des künstlerischen Buchobjekts als performativer Kunstraum. Sie war Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen und Universitäten, um im Kontext der Problematik freie und angewandte Kunst die Doppelbegabung des Buchs zu thematisieren: Zum einen das Buch als Medium für Literatur, zum anderen das Buch als Künstlerbuch und damit in seiner Eigenschaft, Ausdrucksform bildender Kunst zu sein.[14]

In ihrer wissenschaftlichen Arbeit konzentriert sie sich auf die Hypothese, dass bildende Kunst unter dem Autonomiebegriff produktionsästhetisch und im Selbstbezug argumentiert, dass Grafikdesign als angewandte Kunst und damit als eine Kunst für die Lebenspraxis[15] hingegen ein rezeptionsästhetisches auf die Wirkung bedachtes Begründungsparadigma verlangt.[16]

2025 kuratierte Linhart zusammen mit Francesco Colli (Kunsthistoriker) und Sandra Doeller (Grafikdesignerin) die Ausstellung Text & Spirit. Erleuchtungsgrafik. Mittelalterliche Handschriften zwischen Alltagspraxis, Luxus und Glaube, die den gesamten Bestand illuminierter Handschriften des Museum Angewandte Kunst zeigte.[17] Die Ausstellung war zugleich ein Digitalisierungsprojekt, um sowohl die Einzelseiten aller Bücher als auch alle Fragmente der wertvollen und bislang nur wenig erforschten Sammlung der globalen Öffentlichkeit zum Entdecken zu übergeben.

Der interpretatorische Ansatz konzentrierte sich auf das Gebetbuch als Stundenbuch und seine mediale Funktionalität in Abhängigkeit von seinen Gestaltungsaspekten zwischen ornamentalen, illustrativen und textlichen Bildlichkeitsstrategien im Hinblick auf den im stündlichen Gebet angestrebten Übergang von der Welt des Alltags zur heilsbringenden Sphäre des Göttlichen. Die Frage, was wir mit den Stundenbüchern des Mittelalters heute anfangen können, bildete die zentrale Fragestellung. Um diese Thematik zum Schlüssel der Ausstellung werden zu lassen, wurde ein überdimensionaler goldener QR-Code zu ihrem Symbol und Informationsträger. In ähnlicher Weise spielte die Ausstellung andere Aspekte durch. Sei es, um den Status der Stundenbücher als wertvollste Gegenstände ihrer Zeit zu vermitteln, indem ein LED-Laufband die zehn teuersten Dinge heute und ihren Preis listete, oder der Katalog zur Ausstellung, der mit Tragegriffen versehen war, um der Rolle der Stundenbücher als Lebensbegleiter Ausdruck zu verleihen. Zwölf Video-Interviews[18] sowie ein Symposium[19] erlauben auch nach der Ausstellung eine Annäherung an diesen Sammlungsbestand.

Mit der Ausstellung Give Love Back Again – Pop-up Ausstellung und Event zum Erfolg eines Plakats zwischen Hommage, Kopie und Urheberrecht, die sie gemeinsam mit Sandra Doeller kuratierte, beendete Linhart ihre leitende Tätigkeit am Museum.[20]

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI