Eva Maria Michelmann
deutsche Journalistin und Sozialarbeiterin
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Eva Maria Michelmann (* 1989) ist eine deutsche Journalistin und Sozialarbeiterin. Sie berichtete mehrere Jahre aus Nordsyrien und Rojava und galt seit Januar 2026 nach einer Festnahme in ar-Raqqa als vermisst.[1][2][3] Im April 2026 verdichteten sich Hinweise, dass sie gemeinsam mit dem ebenfalls festgenommenen Journalisten Ahmet Polat in einem Gefängnis in Aleppo festgehalten wird.[4]
Leben und Wirken
Michelmann wuchs im Großraum Köln auf.[5] Ihre Familie war antifaschistisch geprägt und setzte sich für Geflüchtete und gegen Rechtsextremismus ein.[5] In Köln studierte sie soziale Arbeit.[6] Sie unterstützte dort Geflüchtete und arbeitete in Sozialberatungen, Jugendheimen und mit von Gewalt betroffenen Frauen.[6] Neben Deutsch und Englisch beherrscht sie auch Türkisch und Kurdisch.[5] Nach dem Studium arbeitete Michelmann als Journalistin für verschiedene kurdische Medien.[7]
Im Jahr 2022 ging sie nach Rojava im Nordosten Syriens, wo sie mehrere Jahre lang lebte.[1][5] Dort arbeitete sie für kurdische Medien und insbesondere für die türkische Nachrichtenagentur Etkin Haber Ajansı (ETHA)[8] und Özgür TV.[3][9] Sie schrieb regelmäßig Beiträge aus den kurdischen Autonomiegebieten in Syrien.[1] Ihr Engagement galt in Rojava basisdemokratischen Strukturen und der Gleichberechtigung der Geschlechter.[1]
Am 18. Januar 2026 wurden Michelmann und der kurdische Journalist Mehmet Nizam Aslan (alias Ahmet Polat) in ar-Raqqa festgenommen und nach Augenzeugenberichten in ein Militärfahrzeug gebracht, das Verbänden der syrischen Übergangsregierung zugerechnet wurde.[4] Bei der Offensive wurden auch Hunderte weitere Menschen von Milizen gefangen genommen.[4] Zu den wenigen Medienschaffenden, die Mitte Januar 2026 in der umkämpften Region anwesend waren, gehörte Michelmann; seitdem galt sie als vermisst.[10] Ihr Verschwinden wurde erst Wochen später öffentlich bekannt, weil Telefon und Internet in dem Gebiet zeitweise nicht funktionierten und die Kontakte in die von der syrischen Übergangsregierung eroberten Gebiete abgebrochen waren.[4][11]
Im April 2026 berichtete die Agentur ETHA, dass Eva Michelmann und der ebenfalls vermisste Polat laut Zeugenaussagen in einem Gefängnis in Aleppo festgehalten würden.[12][13] Freigelassene Kämpfer der SDF erklärten, sie hätten beide Journalisten dort in demselben Gefängnis gesehen.[4] In einer Videoaufnahme, die dem Anwalt der Familie vorlag, berichtete ein freigelassener SDF-Kämpfer zudem, dass sich dort noch rund 40 Frauen befänden, darunter eine deutsche Journalistin.[4] Aus der Haft wurden Misshandlungen und Hunger berichtet.[4] Die Familie und ihr Anwalt forderten von der Bundesregierung und dem Auswärtigen Amt, Kontakt zu Michelmann herzustellen sowie ihren Besuch und ihre Freilassung zu erwirken.[4] Die syrische Regierung bestritt weiterhin, Kenntnis vom Verbleib der beiden Journalisten zu haben.[4]