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Evangelisches Zentralarchiv in Berlin

Archiv der Evangelischen Kirche in Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Evangelische Zentralarchiv in Berlin (EZA) ist das Archiv der Evangelischen Kirche in Deutschland. Es verwahrt insbesondere die Unterlagen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Union der Evangelischen Kirchen (UEK) sowie ihrer Rechts- und Funktionsvorgänger. Außerdem sind im EZA die Unterlagen bedeutender evangelischer Persönlichkeiten sowie die Unterlagen gesamtkirchlicher evangelischer Vereine und Werke archiviert. Zu den Sammlungen des Archivs gehört u. a. die Sammlung "EZA 50 Archiv für die Geschichte des Kirchenkampfes". Das EZA befindet sich seit 2000 im Kirchlichen Archivzentrum Berlin (KAB) in Berlin-Kreuzberg auf dem St. Thomas-Campus.

Außenansicht des Evangelischen Zentralarchivs

Zuständigkeit

In Abgrenzung zu den Landeskirchlichen Archiven verwahrt das EZA die Unterlagen der zentralen kirchlichen Einrichtungen und Leitungsorgane,[1] unter anderem folgender Institutionen:

Das EZA ist außerdem zuständig für das Archivgut und die Kirchenbücher aus den ehemaligen evangelischen Gemeinden in den preußischen Kirchenprovinzen östlich von Oder und Neiße sowie den Auslandsgemeinden.

Überdies sammelt das EZA auch die Nachlässe bedeutender evangelischer Persönlichkeiten sowie Archivgut überregionaler Institutionen und Vereine, wie zum Beispiel:

Benutzung

Benutzersaal

Die Benutzung der Unterlagen steht allen Interessierten offen und erfolgt nach den Bestimmungen des „Kirchengesetzes über die Sicherung und Nutzung von Archivgut der Evangelischen Kirche in Deutschland“ (EKD-Archivgesetz)[2] und der Ordnung für die Benutzung des Evangelischen Zentralarchivs in Berlin (Archivbenutzungsordnung). Für die Benutzung können Gebühren anfallen. Die Höhe der Gebühren richtet sich nach der Gebührentafel.

Die Bestände sind durch Findmittel erschlossen. Zudem kann im Internet auf dem Rechercheportal Query gesucht werden. Dort ist eine große Anzahl von Beständen nachgewiesen.

Arbeitsbereiche/Abteilungen

Gliederung

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auf die verschiedenen Arbeitsbereiche aufgeteilt. Das sind die drei Hauptarbeitsbereiche Archiv, Bibliothek und Kirchenbuchstelle sowie der Magazindienst, die technischen Dienste und die Lesesaalaufsicht.

Archiv

Die Archivarinnen und Archivare sind dafür zuständig, das Archivgut zu übernehmen, zu erschließen und für die Benutzung bereitzustellen, die abgebenden Stellen bei der Verwaltung ihrer Unterlagen zu beraten, Aufgaben der archivischen Aus- und Fortbildung wahrzunehmen sowie an der Auswertung des Archivgutes mitzuwirken sowie eigene Beiträge zur Erforschung und Vermittlung der Kirchengeschichte zu leisten. Alle Aufgaben sind im EKD-Archivgesetz[2] festgeschrieben.

Kirchenbuchstelle

Die Kirchenbuchstelle ist für die Verwahrung und Bereitstellung der Kirchenbücher der Auslands- und ehemaligen deutschen Gemeinden der Preußischen Landeskirche zuständig. Die Kirchenbuchstelle erstellt für Gerichte und Ämter Auszüge aus Kirchenbüchern und für Privatpersonen Ersatzdokumente, wenn Kirchenbücher vorhanden sind. Genealogische Suchanfragen können aufgrund der Vielzahl der Anfragen nur in Ausnahmefällen bearbeitet werden. Allen Interessierten steht es offen, die Recherche selber im Benutzersaal des Archivs durchzuführen.

Die ehemaligen Ostgebiete betreffen die Kirchenprovinzen Ostpreußen, Westpreußen, Brandenburg (jedoch nur östlich der Oder), Pommern, Posen und Schlesien. Insgesamt verwahrt die Kirchenbuchstelle:

  • ca. 6.000 Kirchenbücher aus evangelischen Kirchengemeinden, die aus den ehemaligen Ostprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union stammen. Diese Gebiete gehören seit 1945 zu Polen, Russland und Litauen, deutsche evangelische Gemeinden gibt es dort nicht mehr.
  • ca. 750 Militärkirchenbücher der ehemaligen preußischen Armee und der deutschen Wehrmacht.
  • ca. 70 Auslandskirchenbücher aus deutschsprachigen evangelischen Gemeinden im Ausland.
  • Personenstandsunterlagen aus dänischen Flüchtlingslagern.

Aus konservatorischen Gründen erfolgt die Einsicht nur noch in Form von Mikrofiches. Das Evangelische Zentralarchiv stellt Digitalisate seiner Kirchenbücher auch im Kirchenbuchportal Archion zur Verfügung.

Bibliothek

Die Bibliothek des Evangelischen Zentralarchivs ist eine Spezialbibliothek mit dem Sammelschwerpunkt Geschichte der evangelischen Kirche in Deutschland ab dem 19. Jahrhundert. Sie umfasst ca. 80.000 Bände sowie ca. 3.000 Zeitschriftentitel. Darunter befinden sich sowohl Monographien mit aktuellen Forschungsergebnissen als auch seltene, nicht kommerziell verlegte Publikationen aus dem 19. und 20. Jahrhundert („graue Literatur“) zu den Themenschwerpunkten:

Alle Publikationen sind online über einen OPAC[3] recherchierbar. Einzelne Veröffentlichungen sind digitalisiert und im Lesesaal abrufbar.

Publikationen

Das EZA hat diverse Publikationen veröffentlicht, deren Titel auf der Homepage des Archivs aufgeführt werden.[4]

Geschichte

Das Archiv der EKD (1939–1979)

Im Jahr 1939 wurde als erstes Archiv für die gemeinsamen Einrichtungen der Evangelischen Kirchen das „Archiv der Evangelischen Kirche“ bei der Kirchenkanzlei der DEK in Berlin eingerichtet. Das verwahrte Archivgut überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet und wurde 1960 nach Hannover und 1972 von dort nach Soest verlegt. 1974 kehrte das Archiv wieder nach Berlin in das Gebäude der Kirchenkanzlei der Evangelischen Kirche der Union zurück. Zunächst als eigene Einrichtung geführt, wurde es 1979 mit dem Archiv der EKU im EZA vereinigt.

Gleichzeitig gelangte mit dem Archiv der EKD das Ökumenische Archiv in das EZA. 1959 von Friedrich Siegmund-Schultze in Soest eingerichtet, wurde es 1972 von der EKD übernommen. Das Archiv sollte ein Dokumentations- und Forschungszentrum zur Geschichte der ökumenischen Bewegung und der christlichen Friedensbewegung seit ihren Anfängen sein. Darüber hinaus umfasst das ökumenische Archiv Nachlässe und Sammelmaterial von anderen Persönlichkeiten der Ökumene und der christlichen Friedensbewegung, die im Laufe der Zeit von Siegmund-Schultze zusammengetragen worden sind. Viele der Provenienzen sind nicht mehr festzustellen. Außerdem beinhaltete das Archiv eine umfangreiche Bibliothek.

Das Archiv der Evangelischen Kirche der Union (1945–1979)

Die ersten archivarischen Aufgaben nahm 1945–1954 für die Evangelische Kirche der Union, der Nachfolgeorganisation der Kirche der Altpreußischen Union, das Konsistorium der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg wahr. Zehn Jahre später, 1964, wurde ein Hauptamtlicher Archivar von der EKU berufen und ein eigenes Archiv gegründet.

Dieses Archiv umfasste die Altregistratur des Evangelischen Oberkirchenrats und der Kirchenkanzlei der EKU als der Nachfolgebehörde des EOK. Außerdem verwahrte das Archiv die Archivalien der ehemaligen östlichen Kirchenprovinzen sowie die Kirchenbücher derselbigen.

Schließlich wurde dem Archiv der EKU das „Archiv für die Geschichte des Kirchenkampfes“, welches von Günther Harder zusammengestellt wurde, durch die Kirchliche Hochschule Berlin im Jahr 1976 übergeben.

Gemeinsames Archiv von Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR – Evangelische Kirche der Union – Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg

Magazinbereich im Evangelischen Zentralarchiv

1987 schlossen der Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR (BEK), die Evangelische Kirche der Union - Bereich DDR (EKU), die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in der DDR (VELK DDR) und die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg, Region Ost (EKiBB) einen Vertrag über die Errichtung eines Gemeinsamen Archivs, das im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Berlin-Mitte untergebracht wurde. Dieses Archiv hatte die Aufgabe, das Schriftgut der zentralen Kirchenbehörden in der DDR zu übernehmen, zu bewerten, zu erschließen und für die Forschung zugänglich zu machen. Bereits 1988 löste sich die VELK im Bereich DDR auf, ihre Belange übernahm der BEK. Im Juni 1992 lief der Vertrag über das Gemeinsame Archiv aus. Die Bestände, die der BEK (ohne die Bestände der VELK DDR) und die EKU eingebracht hatten, wurden dem Evangelischen Zentralarchiv in Berlin (EZA) zugeführt.

Die Unterlagen der VELK DDR wurden an das für die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland (VELKD) zuständige Archiv abgegeben.

Mit der EKiBB wurde ein Depositalvertrag über die Verwahrung der Bestände im EZA abgeschlossen. Dieser ist durch die Errichtung des Evangelischen Landeskirchlichen Archivs in Berlin im Jahr 2000 beendet worden.

Gründung des Evangelischen Zentralarchivs in Berlin

Das Evangelische Zentralarchiv in Berlin wurde 1979 geschaffen und setzt sich aus den ehemaligen Archiven der EKD und der EKU zusammen. Als am 30. Juni 1992 der Vertrag über das Geheime Archiv von Bund, EKU und EKiBB auslief, wurden die Bestände des BEK und der EKU mit denen des EZA vereinigt. Bis zum Jahr 2000 befand sich das EZA im Gebäude des Evangelischen Oberkirchenrates in der Jebensstraße 3 in Berlin-Charlottenburg. Seit dem Jahr 2000 ist das Archiv im Kirchlichen Archivzentrum Berlin, einem Archivzweckbau, untergebracht. In dem Gebäude befinden sich auch das Archiv der evangelischen Landeskirche in Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, das Diözesanarchiv Berlin und das Archiv des Berliner Missionswerkes.

Literatur

  • Christa Stache: Das Evangelische Zentralarchiv in Berlin und seine Bestände (= Veröffentlichungen des Evangelischen Zentralarchivs in Berlin. Band 5). Alektor-Verlag, Berlin 1992, ISBN 3-88425-055-8.
Commons: Evangelisches Zentralarchiv Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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