FS 640
italienische Schnellzugdamplokomotiven, Achsfolge 1’C h2
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Die Baureihe 640 der Ferrovie dello Stato (FS) umfasste 188 zweizylindrige Dampflokomotiven mit der Achsfolge 1’C (Mogul) für den Reisezugdienst. Sie entstand als Weiterentwicklung der Baureihe 630 von 1907 bis 1909 in 48 Exemplaren bei Schwartzkopff sowie von 1909 bis 1911 in 103 Exemplaren bei Breda und in 18 Exemplaren bei Officine Meccaniche di Saronno. Hinzu kamen fünfzehn Lokomotiven, die von 1929 bis 1931 aus der Baureihe 630 umgebaut und trotz technischer Unterschiede ebenfalls in die Baureihe 640 eingereiht wurden sowie vier 1951 von den Strade Ferrate di Biella (SFB) übernommene Fahrzeuge. Bis zum Ende der 1960er Jahre setzten die FS sie vor Reisezügen in Mittel- und Süditalien ein.
| FS 640 | |
|---|---|
640.121 | |
| Nummerierung: | 640.001–169 ehemals SFB: 640.170–173 Umbau aus FS 630: 640.305...379 |
| Anzahl: | 169 + 15 Umbauten + 4 SFB-Maschinen |
| Hersteller: | Schwartzkopff (48) Breda (103) Officine Meccaniche di Saronno (18) |
| Baujahr(e): | 1907–1911 Umbau: 1929–1931 |
| Ausmusterung: | Ende der 1970er Jahre |
| Bauart: | 1’C h2 |
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) |
| Länge über Puffer: | 16.530 mm |
| Gesamtachsstand: | 6750 mm |
| Treibraddurchmesser: | 1850 mm |
| Laufraddurchmesser: | 960 mm |
| Leermasse: | 48,975 t |
| Dienstmasse: | 55,02 t |
| Dienstmasse mit Tender: | 89,7 t |
| Reibungsmasse: | 44,28 t |
| Radsatzfahrmasse: | 14,86 t |
| Höchstgeschwindigkeit: | 100 km/h |
| Indizierte Leistung: | 588 kW |
| Anfahrzugkraft: | 92,75 kN |
| Kesselüberdruck: | 12 bar |
| Heizrohrlänge: | 4000 mm |
| Anzahl der Heizrohre: | 116 |
| Anzahl der Rauchrohre: | 21 |
| Rostfläche: | 2,42 m² |
| Verdampfungsheizfläche: | 108,5 m² |
| Überhitzerfläche: | 33,5 m² |
| Steuerungsart: | Walschaerts, außenliegend Umbauten: Caprotti |
| Zylinderanzahl: | 2, innenliegend |
| Zylinderdurchmesser: | 540 mm |
| Kolbenhub: | 700 mm |
| Lokomotivbremse: | Wurfhebel |
| Zugbremse: | Druckluft |
| Tenderbauart: | 3 T15 |
| Dienstmasse des Tenders: | 34 t |
| Wasservorrat: | 15 m³ |
| Brennstoffvorrat: | 5 t |
| Besonderheiten: | Innentriebwerk mit Außensteuerung |
Geschichte
Die ersten Lokomotiven entstanden als Ableitung der bewährten Lokomotiven FS 630 mit der Leistungssteigerung durch einen Überhitzer. Unmittelbar nach der Vorstellung einer Lokomotive mit Heißdampf auf der Internationalen Ausstellung in Mailand 1906 hatte die Firma Schwartzkopff von der Generalverwaltung der italienischen Staatsbahn den Auftrag zum Bau von 24 Heißdampflokomotiven erhalten.[1.1] Dieser beinhaltete, alle Bauteile der FS 630 beizubehalten, um einen Vergleich der Bauarten mit den unterschiedlichen Antriebsformen Nass-/Heißdampf zu haben. Ein weiteres Merkmal beider Lokomotivgattungen war das vordere Zara-Gestell. Nach der Lieferung der 24 Lokomotiven zeigte sich, dass beide Lokgattungen dieselben Abmaße und Leergewichte hatten, leistungsmäßig war die FS 640 ihrer Nassdampfschwester weit überlegen.[1.1] Das führte zu einem weiteren Auftrag von 24 weiteren Maschinen bei Schwartzkopf bis 1909. Danach wurden diese Lokomotiven von 1909 an bei Breda und Costruzioni Meccaniche di Saronno sowie vier Lokomotiven für die Privatbahn Strade Ferrate di Biella (SFB), die 1951 in den FS-Fahrzeugpark eingereiht wurden, gebaut. Die Maschinen bewährten sich gut. Außerdem wurden ab 1929–1931 15 Lokomotiven der FS 630 auf Heißdampf mit Caprotti-Steuerung umgebaut.[2.1] Diese Lokomotiven wurden als 640.305...379 bezeichnet.
Die Loks waren anfangs auf Schnellzugverbindungen eingesetzt. Mit der Lieferung der FS 685 wanderten sie aber meist in den Personenzugdienst auf Nebenstrecken ab.[2.1] In den 1960er Jahren wurden die ersten Lokomotiven ausgemustert. Zuerst traf es die zuletzt gebauten Maschinen mit der Caprotti-Steuerung.
Einsatz
Die Lokomotiven waren zumeist in Mittel- und Süditalien eingesetzt und wurden vorrangig in den Depots Novara, Alessandria, Turin, Cremona, Verona, Rimini, Lecco, Foligno, Arona und Mestre eingesetzt.[1.1] Die Einschätzung beim Betrieb hat die Lokomotiven als "erfolgreiche und hocheffiziente Maschinen"[3] bezeichnet, die noch bis in die 1970er Jahre im Einsatz standen. Von der 640.095 ist bekannt, dass sie ihre letzte Hauptuntersuchung in Verona bekommen hat.[4]
Es sind noch 15 Maschinen erhalten. Fahrfähig und vor historischen Zügen erhalten sind die 640.003 in der Toskana, die 640.121 und die 640.143 im Raum Turin. Von den in Museen erhalten Lokomotiven sind besonders die 640.088 im Nationalen Eisenbahnmuseum Pietrarsa, die 640.008 im Nationalen Museum in Bussoleno und die 640.021 als Denkmal vor dem Portal des Mont-Cenis-Eisenbahntunnel auf der französischen Seite zu nennen.
Technik

Die Lokomotiven wurden von der FS 630 abgeleitet und besitzen in den konstruktiven Details dieselbe Ausführung. Sie waren die ersten Dampflokomotiven der FS in Heißdampf-Ausführung.[1.2] Interessant ist das Laufwerk der Lok mit der als Kropfachse ausgebildeten Treibachse und den innerhalb der Rahmenwangen liegenden Innenzylindern in schräger Stellung und den außen liegenden Kolbenschiebern in gerader Stellung. Die vordere Laufachse bildete mit der ersten Treibachse ein Zara-Gestell. Die Lagerung der Treib- und Kupplungslager waren um 180° versetzt angeordnet.
Der Kessel hat gegenüber der FS 630 eine kleine Heizfläche, bedingt durch den Einbau des Überhitzers mit fast 100 wenigeren Heizrohren erhalten. Er bestand aus zwei Schüssen mit 116 Heiz- und 21 Rauchrohren, auf dem ersten Kesselschuss saß der Sandkasten, von dem nur ein Sandfallrohr pro Lokseite herabführte und die erste Achse von vorn sanden konnte. Auf dem zweiten Kesselschuss war der Dampfdom platziert. Bei der Dimensionierung des Überhitzers hielt man sich an das in Preußen bewährte Vorbild von einem Verhältnis von Überhitzerheizfläche : Gesamtheizfläche von 1:4. Der Dampfdruck ist im Vergleich zur FS 630 von 16 bar auf 12 bar abgesenkt worden.[1.1] Sie verfügen über eine Heusinger-Steuerung. Die Lokomotiven wurden mit der Westinghouse-Bremse und Direkten Bremse sowie der Dampfheizung für die Beheizung der Eisenbahnwagen ausgestattet.
- Seitenansicht einer erhaltenen Lokomotive am Mont-Cenis-Eisenbahntunnel französische Seite
- Bild der Lokomotive 640.003 im Sonderzugeinsatz
- Bild der 640.003 in Pontassieve
Siehe auch
Weblinks
Literatur
- Thomas Estler, Loks der italienischen Staatsbahnen FS, Transpress Verlag Stuttgart, 2019, ISBN 978-3-613-71598-1
- Wolfgang Messerschmidt, Geschichte der italienischen Dampflokomotiven, Orell Füssli Verlag Zürich, 1968
